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Stärkerer Kirchenvandalismus seit Flüchtlingskrise? DBK-Sprecher widerspricht

Aufklärungsrate bei Kirchenvandalismen „im unteren einstelligen Prozentbereich“ – Kopp deutet dennoch Motive an.
Linksextreme Parolen stehen gesprüht an der Sacrower Heilandskirche in Potsdam
Foto: IMAGO/Martin Müller (www.imago-images.de) | In diesem Fall fällt die Zuordnung nicht schwer. Oft aber gebe es keine Hinweise auf die Motivation einer Kirchenschändung, sagt DBK-Sprecher Matthias Kopp.

Die Äußerungen des Sprechers der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, hatten ein breites Medienecho gefunden: Einen „zunehmend tabulosen“ Vandalismus gebe es in Gotteshäusern – als Beispiele nannte Kopp etwa Exkremente in Weihwasserbecken oder enthauptete Christusstatuen. Gegenüber der „Welt“ sagte Kopp zudem, „seit etwa 2015“ habe man es mit einer „verschärften Dimension“ zu tun. Eine Aussage, die die Welt-Kollegen in den Titel des Textes nahmen – und damit für Aufruhr in sozialen Medien sorgten.

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Über 1000 Kommentare hatte allein der von „Welt“ gepostete Artikel auf „X“, Tenor: Das könne wohl nur das Resultat der Zuwanderung seit der „Flüchtlingskrise“ 2015 sein. Falls Kopp dies zum Ausdruck hätte bringen wollen, wäre dies freilich eine geradezu revolutionäre Äußerung gewesen, achtet die Bischofskonferenz doch gemeinhin darauf, jegliche negativ konnotierte Rhetorik im Umgang mit dem Thema Migration zu meiden. Mit emotionalen Statements zu Kirchenschändungen zu einer „aufgeheizten Debatte“ (Flüchtlingsbischof Stefan Heße) beizutragen, wäre kaum im Sinne dieser langfristigen Linie.

Offen, ob „psychopathisch, politisch, antireligiös oder religiös“ motivierter Bildersturm

Auf die Frage dieser Zeitung, ob er der Deutung, der zunehmende Vandalismus habe etwas mit dem Zustrom muslimischer Flüchtlinge zu tun, widerspreche, antwortet Kopp denn auch: „Ja, ich widerspreche der Deutung.“ Die Aufklärungsrate bei Kirchenvandalismen liege „im unteren einstelligen Prozentbereich.“ Kopp zählt eine Liste von Gründen auf, die die Zurechnung der Taten erschweren. So würden festgenommene Täter bei Verhören über ihre Beweggründe schweigen, und an den betroffenen Orten würden nur selten Hinweise wie Parolen oder Bekennerschreiben hinterlassen. Auch setzten Täter „False-Flag-Verschleierung“ ein, schöben also mit gefälschten Bekennerhinweisen Taten einem gegnerischen Lager in die Schuhe.

„Somit bleibt in vielen Fällen offen, ob es sich bei den gehäuften Kirchenvandalismen um psychopathisch, politisch, antireligiös oder religiös motivierten Bildersturm, um Mischformen oder auch um unspezifisch motivierte Taten handelt“, so Kopp weiter. Zwei Motive nennt Kopp aber doch: Einerseits die Missbrauchskrise – so würden sich Täter gelegentlich auf extremistischen Internetportalen damit brüsten, kirchliche Missbrauchstaten zu rächen – und andererseits offensichtlich religiösen Extremismus: „In bestimmten Chats, Online-Kommentarbereichen und anderen Internetforen werden Meldungen über Kirchenvandalismen auch als „verdiente Strafe“ für „die Ungläubigen“ gefeiert – auch dies zeugt von Intoleranz und Inhumanität.“

Welcher Art eine solche, offenkundig religiöse Motivation sein könnte, buchstabiert Kopp nicht aus. Sein Fazit: „Wird statt auf die Mittel des Rechtsstaats auf Selbstjustiz gesetzt, etwa in Form von Vandalismus, dann untergräbt das den Rechtsstaat und ist unter keinen Umständen zu dulden.“ (DT/jra)

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