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Soldatenseelsorger Schönborn: „Es kommt jeder zum Seelsorgegespräch“

Es gebe kaum religiöse Gleichgültigkeit bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr, meint der Soldatenseelsorger Rainer Schönborn.
Katholische Militärseelsorge
Foto: IMAGO/Sascha Steinach (www.imago-images.de) | Glaube und Religion werden irgendwann für die Soldaten zum Thema. Das gilt besonders für Auslandseinsätze.

Der Soldatenseelsorger Rainer Schönborn hat auf die Bedeutung der Religion bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr hingewiesen. Seine  Erfahrung aus einem Einsatz bei See sei, dass von der religiösen Gleichgültigkeit, die viele westliche Gesellschaften heute präge,  unterwegs wenig zu spüren sei. „Hier spielt Religion eine wichtige Rolle“, erklärte der Diakon, der sich auch für die alljährliche Soldatenwallfahrt nach Lourdes engagiert. 

Glaube wird ein Thema

"Es kommt jeder zum Seelsorgegespräch – ob Soldat, Zivilangestellter oder Beamter. Und zu 90 Prozent geht es dabei nicht um den Glauben“, sagt Schönborn. Viele könnten theoretisch auch zum Truppenpsychologen gehen. „Aber dort fehlt ihnen diese ganzheitliche Ebene“, meint der Seelsorger. Der Psychologe schicke sogar Leute zu ihm, die an keiner Krankheit leiden, aber einfach mal jemanden für ein intensives Gespräch benötigen.

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Trotzdem: Glaube und Religion würden schließlich doch für die Soldaten zum Thema, ist der Diakon überzeugt. Als eine Einheit von Fallschirmjägern ins Ausland verlegt worden sei, habe der Einsatzführer unbedingt Michaelsplaketten und einen Segen für die Mannschaft haben wollen. „Jetzt kann ich fliegen“, habe der Einsatzführer danach gesagt – ein Atheist aus Ostdeutschland.

Soldaten brauchen die Kirche

„Not schweißt da zusammen“, ist Rainer Schönborn überzeugt. Mittlerweile gebe es zu solchen Anlässen sogar eine ökumenische Andacht. „Wir feiern die Gottesdienste immer zusammen“, sagt der Diakon. „Hier gibt es keinen Schwund wie im zivilen Leben. Was die Soldaten mit Kirche erleben, das tut ihnen gut und das brauchen sie.“

So erlebe er Zuspruch über konfessionelle und religiöse Grenzen hinaus. „Es gibt ganz viel Gespräch und Akzeptanz“, sagt Schönborn. „Der Glaube hat doch mehr mit dem Leben zu tun, als ich dachte“ – diesen Satz habe er schon häufiger gehört. Und diese Erfahrungen prägen auch Rainer Schönborns geistliches Leben, der nach einer Tätigkeit als Pastoralreferent seit 2017 in der Soldatenseelsorge arbeitet. „Jetzt weiß ich, warum ich in der Militärseelsorge bin.“ DT/reg

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost einen Bericht über die Seelsorge bei der Bundeswehr.

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