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Pizzaballa: „Wir können nicht erwarten, dass zwei Millionen Menschen fliehen“

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem beschreibt im Gespräch die Schwierigkeiten der Menschen im Kriegsgebiet.
Kardinal Pizzaballa beschreibt im Gespräch die Schwierigkeiten der Menschen im Kriegsgebiet.
Foto: IMAGO/Maria Laura Antonelli / Avalon (www.imago-images.de)

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa hat die Lage im Heiligen Land als sehr instabil bezeichnet. Die Gefahr einer Eskalation sei riesengroß, so Pizzaballa im Gespräch mit der „Tagespost“, weil die Menschen in Jordanien, im Libanon, im Irak und in Syrien in Scharen demonstrierten.

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Der Druck sei sehr groß, erklärte der Kardinal, der kürzlich mit dem Angebot, sich selbst der Hamas als Austauschgeisel gegen gefangene israelische Kinder zu überlassen, in die Öffentlichkeit gegangen war. Skeptisch beurteilt er die Möglichkeiten der im Gazastreifen lebenden Bevölkerung, sich in Sicherheit zu bringen. „Wir können nicht erwarten, dass zwei Millionen Menschen fliehen“, sagte er. 

Pizzaballa lobt Zusammenarbeit der christlichen Kirchen

Mit Nachdruck lobte Pizzaballa die Zusammenarbeit der christlichen Kirchen. „Sie klappt hervorragend“, erklärte der Patriarch. Die Kirchenleitungen hätten sich mehrmals getroffen. Die Mitarbeiter der Hilfswerke träfen sich auch wöchentlich miteinander, um die Arbeit untereinander abzustimmen. Ziel sei es, möglichst viele Menschen zu erreichen – nicht nur Christen, sondern alle. 

Noch ungewiss sind aus Pizzaballas Sicht die Perspektiven für Weihnachten. Es sei zu früh für eine Antwort, da sich noch nicht absehen lasse, ob der Krieg bis dahin zu Ende sei. Es werde sicher kein normales Weihnachtsfest werden.  DT/reg

Lesen Sie das ausführliche Gespräch mit Kardinal Pierbattista Pizzaballa zur Situation der Christen im Heiligen Land in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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