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Papst wünscht missionarische Kirche

Franziskus appelliert an Österreicher: „Stets braucht es eine Kirche im Aufbruch“ – Diözese Graz-Seckau feiert 800 Jahre Bestehen. Von Stephan Baier
800 Jahre Graz-Seckau
| Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl bei der 800-Jahr-Feier der Diözese Graz-Seckau. Foto: Diözese Graz-Seckau.

Die steirische Landeshauptstadt Graz stand am Wochenende ganz im Zeichen der 800-Jahr-Feier der Diözese Graz-Seckau. Mehr als 10.000 Katholiken feierten an Sonntagvormittag im Grazer Stadtpark eine Festmesse. Am Samstag war die Grazer Innenstadt beherrscht von acht Bühnen, auf denen Glaubens- und Zukunftsfragen diskutiert wurden, sowie von einer „Kirchenmeile“ in der Innenstadt und zahllosen Veranstaltungen.

Eine „Kirche im Aufbruch“ skizzierte Papst Franziskus in einer Grußbotschaft an die Steirer, die am Sonntag verlesen wurde. Wörtlich heißt es darin: „Der Glaube prägte das Leben der Menschen mit all seinen geistigen und wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen. Männer und Frauen der Kirche haben aus ihrer lebendigen Beziehung zu Christus Antworten auf die verschiedenen Lebenssituationen zu geben versucht.“ Manches werde aber „nicht in bisherigen Formen“ weiterleben, sondern brauche „neue Aufbrüche“, so der Papst. „Stets braucht es eine Kirche im Aufbruch, nämlich die Gemeinschaft der missionarischen Jünger, die nach dem Vorbild des Herrn die Initiative ergreifen und sich einbringen, um auf die Menschen heute zuzugehen.“

Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl verlas am Samstagabend auf dem Grazer Hauptplatz in Anwesenheit tausender Katholiken und zahlreicher Vertreter des politischen Lebens eine „Botschaft für die Steiermark“. „Als Christinnen und Christen glauben wir an den einen Gott. Wir besitzen ihn nicht, wir suchen ihn. Und diese Suche teilen wir mit vielen Menschen“, so Bischof Krautwaschl. Und weiter: „Gott ist uns in Jesus als Mensch entgegengekommen und teilt jetzt und heute sein Leben mit uns. Er ist aber auch dort, wo wir ihn bislang nicht vermutet haben – und dieser Provokation des Evangeliums wollen wir uns in Zukunft vermehrt stellen.“ Die Kirche sei für die Menschen da, „so wie sie heute sind, leben, lieben, trauern, Angst haben und hoffen“, sagte Krautwaschl. Mehr als bisher wolle sich die Kirche einsetzen für jene Menschen, „die nicht auf die Sonnenseite des Lebens gefallen sind“.

Der Grazer Bischof verwies auch darauf, dass viele Menschen von der Kirche enttäuscht sind. Sein Fazit: „Wir wollen mutiger sein, fröhlicher in der Freude des Evangeliums. Wir sehen unsere Botschaft als Gabe für die Gesellschaft: Glaube, Liebe und Hoffnung unterliegen keiner Halbwertszeit.“ Die katholische – „das heißt: allumfassende“ – Kirche trage über Grenzen hinweg Verantwortung. Sie suche nach neuen Wegen in einer Zeit, in der sich vieles im Wandel befinde, so Bischof Krautwaschl. Im Rahmen ihres Jubiläums ging die Diözese Graz-Seckau eine neue Partnerschaft ein: mit der brasilianischen Diözese Bom Jesus da Lapa.

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