Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Neuer Papsterlass

Papst verschärft Gesetz gegen Missbrauch

Wer Untersuchungen behindert, macht sich nun kirchenrechtlich strafbar. Ebenso legt Franziskus Verfahrensverläufe und Zuständigkeiten fest.
Papst Franziskus hält eine Ansprache während einer Messe in der Pfarrkirche Santa Maria delle Grazie.
Foto: Gregorio Borgia (AP) | Papst Franziskus hält eine Ansprache während einer Messe in der Pfarrkirche Santa Maria delle Grazie.

Papst Franziskus hat am Samstag die Vorschriften zur Bekämpfung von sexuellem Missbrauch verschärft. Der vom Vatikan veröffentlichte Erlass (Motu Proprio) aktualisiert die seit 2019 geltenden Normen mit dem Namen „Vos estis lux mundi“ („Ihr seid das Licht der Welt“).

Falschhandlung und Unterlassung bestrafen

Das Motu Proprio regelt, wie in Missbrauchs-Verdachtsfällen vorzugehen ist, und wer, wann und wofür zuständig sein soll. Die aktualisierten Regeln gelten nicht mehr nur für Kleriker und Ordensmitglieder, sondern auch für Laien, die Leitungspositionen in vom Vatikan anerkannten Glaubensgemeinschaften innehaben oder -hatten. Diese würden sich nun strafbar machen, wenn sie durch „ihre Handlungen oder Unterlassungen die kanonischen und zivilrechtlichen Ermittlungen“ gegen mutmaßliche Straftäter behindern.

Lesen Sie auch:

Der Papsterlass enthält außerdem eine weitere Änderung: die Aufnahme von „schutzbedürftigen Erwachsenen“ in die Vorschriften. Das Dokument definiert einen „schutzbedürftigen Erwachsenen“ als „jegliche Person, die sich in einem Zustand der Gebrechlichkeit, der körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung oder des Entzugs der persönlichen Freiheit befindet, die ihre Einsichts- oder Willensfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich der Straftat zu widersetzen, dauerhaft oder vorübergehend faktisch einschränkt“. In der nun abgeänderten Version von 2019 waren „sexuelle Handlungen mit einem Minderjährigen oder einer Person mit geistiger Behinderung“ aufgeführt.

Anlaufstellen und Zuständigkeit zur Aufarbeitung

Das Motu-Proprio spezifiziert auch die Regelungen zu Anlaufstellen für Betroffene und Meldungen von möglichen Missbrauchsfällen. Bistümer müssten zu diesem Zweck nun leicht zugängliche „Einrichtungen oder Ämter“ zur Verfügung stellen. Die Vorgängerversion des Textes forderte lediglich die Einrichtung von dauerhaften „Systemen“. Die Untersuchungen der gemeldeten Vorfälle müssen von dem Bischöfe oder entsprechenden Inhaber der kirchlichen Leitungsgewalt an dem Ort durchgeführt werden, an dem die vermuteten Taten stattgefunden haben sollen.

Der überarbeitete Papsterlass „Vos estis lux mundi“ ist das Ergebnis einer knapp vierjährigen Probephase und verschiedenster Beratungen mit Bischöfe und Vatikanbehörden. Mit diesen Erweiterungen will der Papst auf Verdachtsfälle in Laiengemeinschaften reagieren. Das Motu Proprio wird am 30. April in Kraft treten. DT/jmo

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Bischof Kirchenrecht Papst Franziskus Päpste

Weitere Artikel

Eine Münchner Tagung legt die ernüchternden Folgen von „Amoris laetitia“ und die Bedeutung der Familie als gegenkulturellem Lernort offen.
06.06.2026, 11 Uhr
Margarete Strauss

Kirche

In Madrid trifft Leo XIV. auf tausende Helfer und würdigt ihren Einsatz. In Barcelona ruft er die Gläubigen dazu auf, zu „Baumeistern der Einheit“ zu werden.
09.06.2026, 16 Uhr
Meldung
Bohrmaschinen auf der Esplanade: Nach Medienberichten begannen ausgerechnet während der historischen Papstrede die Vorarbeiten für die geplante „Neudeutung“ des Denkmalensembles.
09.06.2026, 14 Uhr
José García
Bewährte Spitze: Salzburgs Erzbischof Franz Lackner bleibt Vorsitzender der österreichischen Bischöfe, der Linzer Bischof Manfred Scheuer bleibt sein Stellvertreter.
09.06.2026, 13 Uhr
Meldung
Der säkulare Staat gestand in Madrid seine Grenzen ein: Leos Rede unterstreicht, dass die Kirche nicht schweigen wird, wenn Politiker Lebensschutz und Menschenwürde beschneiden.
09.06.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Vor 70.000 Menschen im Bernabéu-Stadion ruft Leo XIV. dazu auf, dorthin zu gelangen, „wo die neuen Narrative und Paradigmen entstehen“.
09.06.2026, 06 Uhr
José García