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Overbeck soll von Missbrauchsvorwürfen gegen Hengsbach gewusst haben

Der Essener Bischof steht in der Kritik: Er soll 2011 ein Denkmal von Hengsbach enthüllt haben, obwohl er von Vorwürfen gegen den Bischof wusste.
Nach Missbrauchsvorwürfen haben Betroffenenvertreter der Statue des Kardinals Hengsbach die Augen verbunden.
Foto: Roland Weihrauch (dpa)

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck soll von Missbrauchsvorwürfen gegen den früheren Weihbischof von Paderborn, den späteren Kardinal Franz Hengsbach, gewusst haben, als er 2011 ein Denkmal des Kardinals einweihte. Das räumte ein Bistumssprecher gegenüber der „Welt“ ein. Overbeck hatte im Oktober 2011 eine Statue des Kardinals eingeweiht und laut „Welt“ eine Predigt zu dessen Erinnerung gepredigt. Allerdings habe Overbeck, so der Bistumssprecher, bereits Anfang August 2011 erfahren, dass dem Erzbistum Paderborn ein Missbrauchsverdacht gegen den Kardinal vorliege, der geprüft und an die Kongregation für die Glaubenslehre weitergeleitet werden. Auch von den möglichen Vorwürfen gegen Hengsbach im Bistum Essen habe Overbeck gewusst. Die Glaubenskongregation habe, so das Bistum Essen, Overbeck mündlich mitgeteilt, dass der Paderborner Vorwurf als „nicht plausibel“ einzustufen sei. Gegenüber der „Welt“ teilte das Bistum mit, dass der Bischof sich nicht erinnern könne, wann dieses Telefonat stattgefunden habe.

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Am Dienstag hatten die Bistümer Essen und Paderborn den Missbrauchsverdacht gegen den Kardinal öffentlich gemacht. Im vergangenen Oktober hatte ein mutmaßliches Opfer den Bischof im Bistum Essen beschuldigt, woraufhin Paderborn, die Heimatdiözese Hengsbachs, dem Bistum Essen den Personalaktenbestand Hengsbachs übermittelte. Laut diesem Aktenbestand hatte bereits 2011 eine weitere Betroffene den damaligen Weihbischof Hengsbach und seinen Bruder Paul Hengsbach beschuldigt, sie 1954 als Sechzehnjährige missbraucht zu haben. Der Fall war laut einer Stellungnahme des Erzbistums Paderborn an die Glaubenskongregation sowie an Overbeck übermittelt worden, nachdem das Erzdiozösen den Fall aufgrund der Gesamtumstände als „nicht plausibel“ eingestuft hatte. Der Antrag auf Anerkennung des Leids habe das Erzdiozösen allerdings nicht an die zentrale Koordinierungsstelle bei der Deutschen Bischofskonferenz weitergegeben.

Vorwürfe gegen Paul Hengsbach hätten verknüpft werden müssen

Das Erzbistum Paderborn gab am Dienstag außerdem bekannt, dass schon 2010 ein Vorwurf gegen Paul Hengsbach, den Bruder des Kardinals, wegen sexuellen Missbrauchs erhoben worden sei. Der Fall sei damals, so das Bistum, als nicht im Rahmen einer der damals gültigen Verfahrensbestimmungen greifbar eingestuft worden. Erst 2019, nach einer Beschwerde der Betroffenen und erneuter Prüfung, reichte man einen Antrag auf Anerkennung des Leids sowie auf Anerkennungsleistungen ein, denen stattgegeben wurde. Laut dem Bistum hätte die Verknüpfung der beiden Vorfälle damals zu einer anderen Bewertung führen können und räumt ein, dass den Frauen nicht nur Unrecht durch die Missbrauchserfahrung sondern auch Leid durch den Umgang des Bistums mit ihnen und ihren Anliegen widerfahren sei. DT/sdu

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