Benedikt und die Liturgie

Mit Ratzinger die Bibel lesen und den Kult verstehen

Eine Konferenz befasst sich mit dem Liturgie-Verständnis des emeritierten Papstes. Auch die Frage der Zelebrationsrichtung kam dabei zur Sprache.
Joseph Kardinal Ratzinger
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Wer Ratzinger als zu konservativ abtue, dem empfahl Kaplan John Hayes (Diözese Neu-Ulm/USA) die Relecture der biblischen Grundlagen des Kultes in „Geist der Liturgie“.

Die 13. Internationale Liturgische Fota-Konferenz hat sich Anfang Juli mit der Rezeptionsgeschichte des im Jahr 2000 erschienenen Klassikers „Der Geist der Liturgie“ von Joseph Ratzinger befasst.

In den einschlägigen Diskussionen wurde deutlich, dass die katholische Kirche das Heilige nicht auf ein gefühlsgemäßiges Phänomen reduziert. Der Dogmatiker Manfred Hauke erinnerte im Zusammenhang mit eucharistischen Wundern an kirchlich angeordnete wissenschaftliche Untersuchungen. An der Geschichte des Fronleichnamsfestes veranschaulichte er zudem den Aspekt der allgemeinen Sichtbarkeit des Heiligen. Konsens herrschte in der Frage, dass ein gemeinsames Bewusstsein für das Heilige in der Liturgie die Ost- und Westkirche miteinander verbindet - auch als beiderseitige Abgrenzung zum Protestantismus.

Aufforderung zu kluger pastoraler Vorgehensweise

Auch die Frage der Zelebrationsrichtung kam zur Sprache. Der Steyler Missionar Pater Vincent Twomey, SVD, ein Ratzinger-Schüler, unterstrich, dass Ratzingers Werk „Der Geist der Liturgie“ als Aufforderung zu einer klugen pastoralen Vorgehensweise verstanden werde müsse. Keinesfalls sei gemeint, die Zelebrationsrichtung ad hoc gen Osten umzustellen und damit jene Fehler der nachkonziliaren Liturgiereform zu wiederholen, die Ratzinger selbst kritisierte habe. 

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Eine Umstellung der Zelebrationsrichtung, so Pater Twomey, müsse langsam durchgeführt werden und katechetisch sorgfältig vorbereitet werden. Wichtig sei, „dass wir die Menschen dabei mitnehmen“. Wieviel Arbeit auf Seelsorger in der liturgischen Bildung der Gläubigen noch wartet, deutete Kaplan John Hayes (Diözese Neu-Ulm/USA) an. Als Beauftragter für den Synodalen Weg habe er bei einer Umfrage festgestellt, dass ausnahmslos allen aktiven Gemeindemitglieder dem von Ratzinger schon vor 20 Jahren beschriebenen Missverständnis um die „aktive Teilnahme der Gläubigen“ an der Liturgie unterlägen. Viele verwechselten sie mit äußerlichem Aktivismus.

Wer Ratzinger als zu konservativ abtue, dem empfahl Hayes die Relecture der biblischen Grundlagen des Kultes in „Geist der Liturgie“. Das könne vielleicht sogar einen Sinneswandel bewirken.  DT/reg

Lesen Sie weitere Hintergründe zur 13. Internationalen Liturgischen Fota-Konferenz in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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