Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kirche und Missbrauch

Missbrauchsbericht in Kansas wirft der Kirche schwere Vergehen vor

Ermittler werfen der katholischen Kirche in Kansas ein „chronisches Muster“ beim Umgang mit sexuellem Missbrauch vor.
Missbrauchsbericht für Kansas
Foto: IMAGO/Jan Eifert (www.imago-images.de) | Diözesen in ganz Kansas hätten es laut dem KBI häufig unterlassen, kirchliche Maßnahmen bei Anschuldigungen sexuellen Missbrauchs durchzusetzen.

Am Freitag hat das KBI (Kansas Bureau of Investigation) einen Bericht zu Missbrauch in der katholischen Kirche in Kansas veröffentlicht. Insgesamt hat das KBI im Zeitraum der letzten 50 Jahre 188 Hauptamtliche identifiziert, die unter dem Verdacht stehen, Verbrechen begangen zu haben, darunter auch die Vergewaltigung von Kindern. Neue Gerichtsverfahren werde es aber laut dem Bericht voraussichtlich nicht geben, da die Fälle bereits verjährt seien. 

Lesen Sie auch:

Diözesen im ganzen Staat hätten es laut dem KBI häufig unterlassen, kirchliche Maßnahmen bei Anschuldigungen sexuellen Missbrauchs durchzusetzen. „Objektiv betrachtet gab es Praktiken, um die Wahrheit über solche Vorfälle zu vertuschen“, so der Wortlaut des Textes. 
Mangelhafte Systeme bei der Aktenführung in den Diözesen hätten die Aufklärungsversuche erschwert. Auch die Tatsache, dass Fälle verjährt oder Täter oder Betroffene verstorben seien, habe den Ermittlungen im Weg gestanden. Zudem hatten einige Betroffene im Zuge von Zivilverfahren Geheimhaltungsvereinbarungen unterschrieben und verweigerten deshalb zunächst die Kooperation mit dem KBI. 

Die Schwere von klerikalem Missbrauch minimiert

Die Kirche habe im Umgang mit Missbrauch häufig eine Sprache verwendet, die die Schwere von klerikalem Missbrauch minimiert habe. „Statt einen Priester als Verbrecher oder Vergewaltiger zu bezeichnen, wurden Begriffe wie „Grenzüberschreitungen“ gebraucht“, so der Bericht. Auch habe die Kirche als Begründung für die Suspendierung von beschuldigten Priestern oft Alkoholismus, Krankheit oder Pensionierung genannt. Häufig seien Missbrauchsvorwürfe nicht der Polizei gemeldet worden. Auch bei gut begründeten Missbrauchsvorwürfen habe die Kirche oft weiter für Unterkunft und Lebenserhaltungskosten des Täters bezahlt. „In manchen Fällen ermöglichte das Priestern, mehr Kinder zu missbrauchen“, so der Bericht. 

Der Bericht betonte allerdings auch, dass die Kirche bereits 1998 Maßnahmen getroffen habe, um Vertuschung zu vermeiden: „Die Zahlen der Kirche zeigen einen Rückgang an erwiesenen Missbrauchsfällen über die Jahrzehnte, besonders in den letzten Jahren.“ 

Die Erzdiözese von Kansas City dankte am Samstag dem KBI für seine Arbeit. Erzbischof Joseph Naumann entschuldigte sich zusammen mit Bischöfen im ganzen Bundesstaat „aus tiefstem Herzen“ bei den Betroffenen, ihren Familien, den Gläubigen und der katholischen Kirchengemeinde in Kansas City. Die Kirche handele heute laut Naumanns Statement „mit Fokus auf die Betroffenen, nach aufbauenden Prinzipien, um den schweren Schäden von Missbrauch und seiner Gefahr zu begegnen.“  DT/sdu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Erzbischöfe Katholische Kirche Kirchengemeinden Missbrauchsvorwürfe

Weitere Artikel

Wer war Frère Roger? Eine neuaufgelegte Biografie bringt den Gründer von Taizé und seinen Beitrag zur Versöhnung näher.
21.04.2026, 09 Uhr
Esther von Krosigk

Kirche

Der Papst sieht den Moment gekommen, die Künstliche Intelligenz zu „entwaffnen“. Eigentlich geht es in „Magnifica humanitas“ aber eher um das „technokratische Paradigma“.
27.05.2026, 17 Uhr
Guido Horst
Auch die Entwickler selbst fürchten, dass sich eine Superintelligenz einmal gegen den Menschen richten könnte: Die KI-Enzyklika Papst Leos geht auf reale Sorgen ein.
27.05.2026, 19 Uhr
Guido Horst
Kommt die Seligsprechung? Wie Erzbischof Georg Gänswein bestätigt, sammelt das Dikasterium für die Heiligsprechung Schreiben aus aller Welt, die Gebetserhörungen dokumentieren.
27.05.2026, 14 Uhr
Regina Einig
Trotz Warnungen aus Rom: Die FSSPX gibt die Namen der Kandidaten für die geplanten Bischofsweihen bekannt. Auch dem Papst sollen sie bereits vorgestellt worden sein.
27.05.2026, 11 Uhr
Meldung
Neuer Teilnehmerrekord, Durchschnittsalter bei 21 und die Abschlussmesse mit Kardinal Burke: Chartres versammelte wieder Zehntausende. Was sagt das über die junge Generation?
27.05.2026, 10 Uhr
Elisabeth Hüffer