Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Am Hochfest der Unbefleckten Empfängnis

Mariologen kritisieren „Mater Populi Fidelis“ scharf

Comeback der „Miterlöserin“? Die Debatte über die Marientitel köchelte schon länger, jetzt schaltet sich eine hochkarätig besetzte Mariologenkommission ein.
Pietà
Foto: wikipedia / Juan M Romero / CC-BY-SA 4.0 | Welchen Stellenwert im Erlösungswerk Christi hat Maria? "Mater Populi Fidelis" hat Raum für Diskussionen eröffnet. Im Bild die "Pietà" Michelangelos.

Das Datum der Veröffentlichung ist sicherlich kein Zufall: just am Tag des Hochfests Mariä Unbefleckte Empfängnis regt sich erneut Kritik an der vatikanischen Note „Mater Populi Fidelis“. In einer 23-seitigen Antwort fordert die theologische Kommission der „Internationalen Marianischen Vereinigung“ (IMA) eine „Re-Evaluation“ von Mater Populi Fidelis (MPF). Aus der nun veröffentlichten Pressemitteilung geht hervor, dass die Theologen der IMA, darunter zahlreiche Bischöfe aus aller Welt, die Note des von Kardinal Victor Manuel Fernández geleiteten Glaubensdikasteriums in elf Hauptpunkten bemängeln.

Lesen Sie auch:

So gebe es „signifikante theologische Punkte“ in MPF, die substanzieller Klärung und Modifikation bedürften. Beispielsweise werde – ein Hauptstreitpunkt in der Debatte um die Note – der Titel Mariens als „Miterlöserin“ in der englischen, deutschen und italienischen Übersetzung als „immer unangebracht“ übersetzt, auf Spanisch, Französisch und Portugiesisch aber nur als „immer inopportun“. Man frage sich zudem, ob die Nutzung des Titels auch für Päpste und Heilige früherer Zeiten „immer unangebracht“ gewesen sei.

Die Note gebe außerdem die historische Entwicklung des Titels der Miterlöserin nicht korrekt wieder, so die IMA unter anderem unter Verweis auf Dokumente des Zweiten Vatikanums. Auch reduziere MPF Mariens mütterliche Vermittlung auf die Fürbitte und übergehe die wiederholte Lehre von „zwölf Päpsten über vier Jahrhunderte“ hinsichtlich der Vermittlung der Gnaden durch Maria.

Darüber hinaus untergrabe die Minimierung der Verdienste Mariens auch alle andere menschliche Mitwirkung im Erlösungswerk Christi. Man erinnere das Dikasterium auch daran, dass viele vom Vatikan bestätigte Formen der Marienverehrung in einer Theologie Mariens als Miterlöserin und Mittlerin aller Gnaden wurzelten – nun fielen Theologie und Marienverehrung auseinander, was für Verwirrung sorge.

Die Veröffentlichung endet scharf: „Wenn frühere Lehren und Titel, die von Päpsten verwendet wurden, nun als ‚unangebracht‘ oder ‚inopportun‘ angesehen werden, warum sollten die Gläubigen dann Vertrauen in das Lehramt und die Beständigkeit (nicht die Revision) in der Entwicklung der Lehre haben?“ (DT/jra)

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Bischöfe Jesus Christus Kardinäle Päpste

Weitere Artikel

Nur wenn eine geeinte Kirche das Licht Christi widerspiegele, fänden auch Menschen zu ihr: Kraftvoller Appell von Papst Leo zum Auftakt der Versammlung der Kardinäle in Rom.
08.01.2026, 10 Uhr
Guido Horst
Die Initiative Neuer Anfang ruft Katholiken dazu auf, dem Papst zu schreiben. Der Gründer der Initiative, Bernhard Meuser, erklärt die Beweggründe.
10.12.2025, 08 Uhr
Redaktion
Unter Leo XIV. ist von den Finanznöten des Vatikans nicht mehr die Rede – Stattdessen zahlen auch Staaten, von denen man es nicht erwartet hätte.
29.11.2025, 13 Uhr
Giulio Nova

Kirche

Positionspapier zur Rettung der Kirchenmusik, das es in sich hat: Der Deutsche Musikrat beschämt die Kirche mit Kritik an ihrem Musikleben. Zwischenruf einer Kirchenmusikerin.
23.01.2026, 16 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Von Favoriten bis Kompromisskandidaten für den Posten des Vorsitzenden der deutschen Bischöfe: Ein Überblick über Chancen und Profile.
22.01.2026, 16 Uhr
Dorothea Schmidt
Der Journalist Franz Herre schrieb große Biografien. Einen besonderen Blick warf er auf Konrad Adenauer. Mit fast 100 Jahren ist der Katholik nun gestorben.
23.01.2026, 11 Uhr
Sebastian Sasse
Bei einer Grönland-Invasion wäre es „moralisch akzeptabel, diesen Befehl zu verweigern“, meint der ehemalige Vorsitzende der US-Bischofskonferenz. Sein Nachfolger hält sich noch bedeckt.
21.01.2026, 10 Uhr
Meldung