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Interventionsbeauftragter: Vergebung kann man nicht verordnen

Der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, kritisiert die Äußerungen des emeritierten Pfarrers Zurkuhlen zu Missbrauch und Vergebung. Ihm fehle es an Einsichtsfähigkeit.
Gemeinde-Gesprächsrunde in Heilig-Geist-Kirche Münster
Foto: Caroline Seidel (dpa) | Ein emeritierter Pfarrer hatte bei einer Predigt sinngemäß gesagt, es solle auch Vergebung für Priester geben, die sexuellen Missbrauch begangen haben.

Der Münsteraner Geistliche Ulrich Zurkuhlen, der mit einer Predigt zum Thema Missbrauch und Vergebung für einen Eklat gesorgt hat, ist suspendiert worden. Das Bistum Münster ist weiter mit der Aufarbeitung des Vorfalls beschäftigt. Der Interventionsbeauftragte des Bistums, Peter Frings, äußerte sich dazu im Kölner Domradio.

Nur die Betroffenen selbst können vergeben

Vergebung sei keine Geschichte, die man verordnen könne, so Frings. „Wenn überhaupt jemand vergeben kann im Rahmen unserer Welt, dann sind das die Betroffenen selbst, die die Freiheit haben, darüber zu entscheiden, ob sie das tun wollen oder nicht.“ Vergebung sei zudem erst dann möglich, wenn ein Beschuldigter oder ein Täter „dann auch ein Stück Einsicht oder Reue zeigt, oder um Vergebung bittet. Aber zu sagen, darüber reden wir bisher nicht, ist genau das, was die Betroffenen nach wie vor kritisieren“.

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Sein großes Problem mit dem Fall Zurkuhlen: „Es fehlt offensichtlich an der Einsichtsfähigkeit. Zu sagen: Ja, ich habe da vielleicht eine bestimmte Absicht gehabt, die ich nicht herüberbringen konnte. Aber man kann auch sagen, dass es um die Opfersicht geht.“ Das sei bei Zurkuhlen nicht bemerkbar gewesen. In einem am Dienstagabend ausgestrahlten Gespräch mit der WDR-Lokalzeit Münsterland hatte Zurkuhlen erneut seine Predigt verteidigt.

Zahlreiche Gottesdienstbesucher hatten Kirche verlassen

Der 79-Jährige Geistliche hatte am vorletzten Wochenende in der Heilig-Geist-Gemeinde dafür geworben, einander vergeben zu können, und dies ausdrücklich auch auf Priester bezogen, die Minderjährige sexuell missbraucht haben. Zahlreiche Gottesdienstbesucher hatten daraufhin unter Protest die Kirche verlassen und kritisiert, dass er nicht auf die Perspektive und das Leid der Opfer eingegangen war.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

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