Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Münster

Interventionsbeauftragter: Vergebung kann man nicht verordnen

Der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, kritisiert die Äußerungen des emeritierten Pfarrers Zurkuhlen zu Missbrauch und Vergebung. Ihm fehle es an Einsichtsfähigkeit.
Gemeinde-Gesprächsrunde in Heilig-Geist-Kirche Münster
Foto: Caroline Seidel (dpa) | Ein emeritierter Pfarrer hatte bei einer Predigt sinngemäß gesagt, es solle auch Vergebung für Priester geben, die sexuellen Missbrauch begangen haben.

Der Münsteraner Geistliche Ulrich Zurkuhlen, der mit einer Predigt zum Thema Missbrauch und Vergebung für einen Eklat gesorgt hat, ist suspendiert worden. Das Bistum Münster ist weiter mit der Aufarbeitung des Vorfalls beschäftigt. Der Interventionsbeauftragte des Bistums, Peter Frings, äußerte sich dazu im Kölner Domradio.

Nur die Betroffenen selbst können vergeben

Vergebung sei keine Geschichte, die man verordnen könne, so Frings. „Wenn überhaupt jemand vergeben kann im Rahmen unserer Welt, dann sind das die Betroffenen selbst, die die Freiheit haben, darüber zu entscheiden, ob sie das tun wollen oder nicht.“ Vergebung sei zudem erst dann möglich, wenn ein Beschuldigter oder ein Täter „dann auch ein Stück Einsicht oder Reue zeigt, oder um Vergebung bittet. Aber zu sagen, darüber reden wir bisher nicht, ist genau das, was die Betroffenen nach wie vor kritisieren“.

Lesen Sie auch:

Sein großes Problem mit dem Fall Zurkuhlen: „Es fehlt offensichtlich an der Einsichtsfähigkeit. Zu sagen: Ja, ich habe da vielleicht eine bestimmte Absicht gehabt, die ich nicht herüberbringen konnte. Aber man kann auch sagen, dass es um die Opfersicht geht.“ Das sei bei Zurkuhlen nicht bemerkbar gewesen. In einem am Dienstagabend ausgestrahlten Gespräch mit der WDR-Lokalzeit Münsterland hatte Zurkuhlen erneut seine Predigt verteidigt.

Zahlreiche Gottesdienstbesucher hatten Kirche verlassen

Der 79-Jährige Geistliche hatte am vorletzten Wochenende in der Heilig-Geist-Gemeinde dafür geworben, einander vergeben zu können, und dies ausdrücklich auch auf Priester bezogen, die Minderjährige sexuell missbraucht haben. Zahlreiche Gottesdienstbesucher hatten daraufhin unter Protest die Kirche verlassen und kritisiert, dass er nicht auf die Perspektive und das Leid der Opfer eingegangen war.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz Bistum Münster Pfarrer und Pastoren

Weitere Artikel

Der „Quiet Revival Report“ über wachsendes Christentum unter jungen Briten erweist sich als fehlerhaft. Hinweise auf einen Trend bleiben dennoch.
03.04.2026, 14 Uhr
Oliver Gierens
Trendwende in Sicht? Das lange Absterben der Volkskirche dominiert immer noch die Kirchenstatistik. Aber es gibt ein sehr reales Hoffnungszeichen.
17.03.2026, 11 Uhr
Jakob Ranke
Der neue Bischof von Münster wird herzlich empfangen. Zugleich verbinden Verbände, Gemeinschaften und Gläubige mit ihm unterschiedliche Erwartungen.
24.06.2026, 16 Uhr
Dorothea Schmidt

Kirche

Unerlaubte Bischofsweihen und Exkommunikation: Weit weg von Rom, in Écône, spürt man die Last eines historischen Moments jenseits der roten Linie.
09.07.2026, 09 Uhr
Alexander von Schönburg
Was kann der Mensch noch besser als die Künstliche Intelligenz? Knapp sieben Wochen nach „Magnifica humanitas“ zieht Reinhard Kardinal Marx in München ein selbstbewusstes Fazit.
08.07.2026, 19 Uhr
Jakob Ranke
Bei der dritten Ausgabe des Altöttinger Benedikt-XVI.-Forums steht Heilung im Mittelpunkt. Wie kann der Glauben dabei helfen? Ein Bericht.
07.07.2026, 15 Uhr
Athinea Andryszczak