Kommentar um "5 vor 12"

Flämische Bad Boys überholen deutsche Wackel-Bischöfe

Vom bischöflichen Herumlavieren bekommt man als gläubiger Katholik ein Schleudertrauma.
Flämische Bischöfe und Homosexuellen-Gebete
Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber (www.imago-images.de) | Wollen die flämischen Bischöfe ihren deutschen Kollegen den Rang als der Kirche größte Bad Boys ablaufen? Wenn ja, dann hat jedenfalls die Furcht vor ihrer eigenen Courage die Überhand gewonnen.

Erst die Schlagzeilen, dann das Zurückrudern: Das Spiel ist aus Deutschland mittlerweile zu Genüge bekannt. Die flämischen Bischöfe führen eine Segnungsfeier für homosexuelle Paare ein, lautet die Neuigkeit am Dienstagmorgen. Sprecher der belgischen Bischofskonferenz versichern Stunden später, es handle sich nicht um eine Segensfeier, sondern um einen Gebetsvorschlag. 

Tatsächlich sieht die am Dienstag von den Bischöfen der flämischen Diözesen Belgiens veröffentlichte Handreichung zur Homosexuellenpastoral ein „Gebet um Liebe und Treue“ vor. Das Papier schlägt einen Ablauf für den „Moment des Gebets“ vor, in dem zunächst die Partner gemeinsam und dann alle Anwesenden zusammen ein Gebet für das Paar sprechen. Der Gebetsmoment endet mit einem Segen, wie jeder Gottesdienst. Von einer Segnung des Paars ist explizit keine Rede.

Seht, wir sind nicht die Einzigen

Trotzdem darf man fragen: Wer will hier wen– mit Verlaub – vergackeiern? Die einschlägig bekannten Zeitungen und Onlineportale in Deutschland stürzten sich vorhersehbar auf die Neuigkeit und sprachen unverfroren von kirchlichen Segensfeiern für homosexuelle Paare. Dass die flämischen Bischöfe eben keine Segnungsfeier, sondern ein Gebet vorschlagen ist wohl ein Detail für Spaßverderber. Das Spiel der irreführenden Titeleien ist unaufrichtig, aber bekannt und passt gut in die deutsch-synodale Agenda. Frei nach dem Motto: Seht, wir sind nicht die Einzigen. 

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Gleichzeitig liegen besagte Blätter möglicherweise nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt. Denn: Sind die flämischen Bischöfe unter Leitung des Brüsseler Kardinals de Kesel wirklich so naiv zu glauben, es bleibe in der Praxis bei Gebeten ohne Segnung? Und selbst wenn, dann folgen sie der Ablehnung von Segensfeiern durch die Glaubenskongregation zwar dem Buchstaben nach, aber nicht dem Geist. 

Vielleicht haben die Bischöfe aber auch ganz einfach beabsichtigt, was nun passiert. Dafür spricht, dass sie darauf hinweisen, die Feier dürfe den Unterschied zu dem, was die Kirche unter einer sakramentalen Ehe versteht, nicht verwischen. Faktisch wird genau das passieren: Wer achtet zwischen Blumen, Pachelbel-Kanon und Fracks oder Hochzeitskleidern im Doppelpack noch auf den genauen Wortlaut?

Furcht vor der eigenen Courage

Wollen die flämischen Bischöfe ihren deutschen Kollegen den Rang als der Kirche größte Bad Boys ablaufen? Wenn ja, dann hat jedenfalls die Furcht vor ihrer eigenen Courage die Überhand gewonnen: Erlauben wir’s? Ja aber nein. Schrödingers Bischöfe versuchen mit gezogenen Handbremsen und durchgedrücktem Gaspedal, es allen recht zu machen. Als Gläubige bekommt man davon ein Schleudertrauma. Wie war das nochmal mit „Euer Ja sei ein JA, euer Nein sei ein Nein“? Mit ambivalenten Ansagen ist vielleicht kurzfristiger Applaus zu holen. Aus dem im Nachbarland weit fortgeschrittenen Bedeutungsverlust wird es die Kirche nicht holen.

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