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Finanzskandal in Eichstätt

Bischof Gregor Maria Hanke hat gegen einen früheren Mitarbeiter seiner Finanzverwaltung und eine weitere Person Strafanzeige erstattet. Sie sollen durch die Vergabe ungesicherter Darlehen auf dem US-Immobilienmarkt dem Bistum einen Schaden in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe eingebracht haben. Die Transparenzoffensive der Diözese brachte den Betrug ans Licht.
Bischof Hanke
Foto: KNA | Bischof Hanke ist seit 2006 Bischof von Eichstätt.

Am Montag machte die Diözese Eichstätt bekannt, dass Bischof Gregor Maria Hanke gegen einen früheren Mitarbeiter seiner Finanzverwaltung und eine weitere Person Strafanzeige erstattet hat. Und das schon vor einem halben Jahr, die beiden sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Nach einem unbestätigten Bericht der örtlichen Zeitung "Donaukurier" soll es sich bei einem Beschuldigten um den früheren stellvertretenden Finanzdirektor handeln, der im September 2016 nach nur gut zwei Jahren seinen Posten unvermittelt räumte.

Ungesicherte Darlehen auf dem US-Immobilienmarkt sollen dem Bistum einen Schaden in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe eingebracht haben. Bis zu 48 Millionen Euro könnten verloren sein. Das wäre etwa ein Sechstel des kompletten Anlagevermögens, haben Rechercheure von "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR ausgerechnet.

Auf die Schliche gekommen ist das Bistum den Beschuldigten nach eigenen Angaben im Zuge seiner Ende 2015 eingeleiteten Transparenzoffensive. Nach den Negativ-Schlagzeilen zum überteuerten Bau des Limburger Bischofshauses hatten sich alle deutschen Bistümer zu mehr Kontrolle und Offenheit im Umgang mit ihrem Vermögen verpflichtet. In Eichstätt wurden mehrere externe Fachleute hinzugezogen, darunter auch eine auf Compliance-Fragen und Wirtschaftskriminalität spezialisierte Münchner Kanzlei.

Diese hat schon in manch anderen kirchlichen Abgrund geschaut. 2010 durfte sich im Zuge des Missbrauchsskandals eine ihrer Anwältinnen ein halbes Jahr lang mit den Personalakten des Erzbistums München und Freising beschäftigen. Vom Ergebnis dieser Durchforstung wurde die Öffentlichkeit nur summarisch unterrichtet, die 250 Seiten starke Langfassung ist bis heute unter Verschluss.

Bischof Hanke (63) steht mit dem aktuellen Finanzskandal in seiner zweiten Bewährungsprobe als Krisenmanager. Im Sommer 2008 hatte er im Zuge der Führungsquerelen in der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) deren Rektor wegen des "begründeten Verdachts von Dienstvergehen" kurzerhand vor die Tür gesetzt. Noch am selben Tag begann in Hankes Auftrag eine Prüfungsgesellschaft mit der Durchleuchtung der internen Abläufe einschließlich der Geschäfts- und Kassenführung in der Hochschulverwaltung. Dabei kam unter anderem ein recht freihändiger Umgang des Rektors mit Studienbeiträgen zum Vorschein.

Obwohl dieser gegen seine Suspendierung vor dem Verwaltungsgericht klagte, stimmte er wenige Monate später einem außergerichtlichen Vergleich zu. Statt in sein Amt zurückzukehren, ging er in den Vorruhestand. Wobei das Gericht dem Bischof ausdrücklich ein korrektes Vorgehen attestierte.

Nun also gibt es Aufklärungsbedarf im eigenen Haus. Der einstige Benediktiner-Abt Hanke steht dabei auch deshalb unter verschärfter Beobachtung, weil er seit 2016 in Personalunion den für Finanzen zuständigen Ausschuss des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) leitet. Das ist der Dachverband aller 27 deutschen Bistümer mit einem Vermögen von rund 150 Millionen Euro und einem jährlichen Haushalt von zuletzt 126 Millionen Euro. Hanke ist nicht nur oberster Kontrolleur von dessen Geschäftsführung. Er bereitet federführend auch alle Beschlüsse des VDD vor.

Hankes wichtigste Mitarbeiter sind in diesen Tagen Generalvikar Isidor Vollnhals und Ordinariatsrat Rainer Kastl. Beide leiten schon seit einem Jahr kommissarisch auch die Bischöfliche Finanzkammer. Beratend steht ihnen außerdem der frühere Finanzvorstand des Bauunternehmens Strabag, Peter Kern, zur Seite.

KNA - Christoph Renzikowski / jbj

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