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Erzbistum Freiburg: Missbrauchsstudie kommt am 18. April

Der Bericht der Unabhängigen Kommission wird von Magnus Striet im SWR vorgestellt werden. Auch Erzbischof Burger wird Stellung beziehen.
Freiburger Erzbischof Stephan Burger
Foto: Robert Michael (dpa) | Stephan Burger, Erzbischof von Freiburg, spricht während der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz während einer Pressekonferenz im Haus der Kathedrale zu Fragen des Umgangs mit sexuellem ...

Das Erzbistum Freiburg will am 18. April die von einer Unabhängigen Aufarbeitungskommission erarbeitete Studie zu sexualisierter Gewalt und Missbrauch in der Diözese vorstellen. Bislang geht man für Freiburg von 190 beschuldigten Priestern aus. Laut Angaben der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vermute man, dass diese Zahl nach oben korrigiert werden müsse. Die Studie analysiert 24 beispielhafte Missbrauchsfälle zwischen 1945 und der Gegenwart. Dazu haben die vier Autoren unbeschränkten Zugang auf alle Personalakten der Priester des Erzdiozösen.

180 Zeugen befragt

Die Studie soll aufzeigen, wann, wo und wie es zu Missbrauch durch Priester kam und welche Verwaltungsstrukturen die Verschleierung der Taten begünstigten. Dazu werden auch Protokolle der diözesanen Leitungsrunde ausgewertet. Ebenso wurden 180 Zeugen befragt - darunter besonders Betroffene und Beschuldigte. Um einen Schutz von Persönlichkeitsrechten zu wahren, werden im Bericht nur Personen des öffentlichen Lebens namentlich benannt. Zu ihnen gehören die Bischöfe, beispielsweise der aktuelle Erzbischof Stephan Burger und seine Vorgänger, die Verwaltungschefs und Kirchengerichtsleiter, also Generalvikare und Offiziale der Diözese. Zu möglichen kirchlichen Tätern, die keine Priester sind, wird die Studie keine detaillierten Angaben machen.

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Der etwa 600-seitige Untersuchungsbericht wird vom Kommissionsvorsitzenden, dem Freiburger Theologen Magnus Striet, vorgestellt werden. Auch Erzbischof Stephan Burger wird auf der Pressekonferenz eine eigene Stellung beziehen, ebenso auch der Freiburger Betroffenenbeirat. Seine Beiratssprecherin, Sabine Vollmer, merkte in vorhinein an, dass es Klartext zu Tätern und Strukturen brauche. Die Autoren des Berichtes betonen ihre völlige Unabhängigkeit von der Bistumsleitung.

Demonstration geplant

Die Gruppe „Maria 2.0“ ruft am Veröffentlichungstag zu einer Demonstration und zu einer Solidaritätsaktion mit den Betroffenen auf. Das SWR plant, die Präsentation der Ergebnisse live im Fernsehen und im Internet zu übertragen. Mittelfristig könnte es in Freiburg noch weitere Studien zu Missbrauch etwa in katholischen Schulen, Heimen oder Kindertagesstätten geben. Die Freiburger Untersuchung reiht sich ein in eine Serie von Aufarbeitungsberichten zu Missbrauch in der Katholische Kirche. Zuletzt hatten die Bistümer Mainz und Essen ihre Ergebnisse vorgestellt. DT/jmo

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