Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kirche

Erzbischof von Canberra kritisiert geplante Gesetzesänderung zum Beichtgeheimnis

Künftig sollen Priester bestraft werden können, wenn sie Fälle von Kindesmissbrauchen nicht melden, von denen sie im Beichtgespräch erfahren. Der Erzbischof von Canberra kritisiert das als "ineffektiv" und Bedrohung der Religionsfreiheit.
Beichtstuhl -  Immer weniger Katholiken gehen beichten
Foto: Fredrik Von Erichsen (dpa) | ILLUSTRATION - Studentin Hellen kniet am Freitag (20.05.2011) in der Laurentiuskapelle im Dom in Mainz in einem Beichtstuhl.

Der australische Erzbischof von Canberra, Christopher Prowse, warnt vor einem neuen regionalen Gesetz zum Umgang mit dem Beichtgeheimnis. Danach könnten Priester bestraft werden, die sich weigern das Beichtgeheimnis aufzuheben, wenn ihnen von Kindesmissbrauch erzählt wurde. Die legislative Versammlung des australischen Hauptstadt-Territoriums will die entsprechenden gesetzlichen Regelungen zur Meldepflicht in Missbrauchsfällen auf Informationen aus dem Beichtgespräch ausweiten.

In einem Beitrag für die „Canberra Times“ sprach Erzbischof Prowse den Bemühungen, Kinder zu schützen, zwar seine Unterstützung aus. Missbrauch könne man jedoch nicht dadurch verhindern, indem man „das heilige Siegel der Beichte“ bricht. Zudem kritisierte Prowse das Gesetz als „ineffektiv“, da die Täter ihre Vergehen wohl nicht gestehen würden, wenn Priester über das Beichtgespräch kein Stillschweigen mehr wahren müssten.

Der Erzbischof von Canberra fügte hinzu: „Die Regierung setzt die Religionsfreiheit aufs Spiel, indem sie sich als Experte auf dem Gebiet religiöser Praktiken gibt und versucht, das Sakrament der Beichte zu ändern.“ Nun bleiben Prowse neun Monate Zeit, um über das Gesetz mit der Regierung zu verhandeln, ehe es in Kraft tritt.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Erzbischöfe Kindesmissbrauch Religionsfreiheit

Weitere Artikel

Ein Gesetz des Bundesstaates Washington sollte katholische Priester zur Offenlegung in der Beichte enthüllter Missbrauchsfälle verpflichten. Ein Gericht stoppte das Vorhaben.
22.07.2025, 14 Uhr
José García
Böse Kirche, guter Islam – tendenziöse Religionsberichterstattung im ZDF-Kinderprogramm: Wie wär’s mit einem ÖRR-Verbot für Unter-16-Jährige?
20.03.2026, 11 Uhr
Franziska Harter
Beim Besuch Nikol Paschinjans lobt Friedrich Merz Armeniens Reformkurs – schweigt aber über die politisch motivierte Verfolgung der Kirche. Dort sitzen vier Bischöfe in Haft.
09.12.2025, 19 Uhr
Marco Gallina

Kirche

Das vatikanische Appellationsgericht ordnet die Wiederholung des Verfahrens gegen Kardinal Angelo Becciu an. Ein Grund: wie Papst Franziskus in die Verhandlungen eingegriffen hat.
01.04.2026, 08 Uhr
Giulio Nova
Wohl auch eine ganz konkrete Anspielung: Papst Leo predigt am Palmsonntag über Gott, der den Krieg ablehnt. Eine Änderung der katholischen Lehre ist damit nicht verbunden.
31.03.2026, 15 Uhr
Maximilian Welticke
Die dazugewonnene Zeit bietet mehr für Freizeit, Familie, Freunde und Engagement – aber vor allem auch für Gott. Ein Erfahrungsbericht.
01.04.2026, 07 Uhr
Jonathan Prorok