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„Die Leute sind dabei, um den Katholizismus zu leben“

Was einen jungen Soldaten an der Militärwallfahrt nach Lourdes fasziniert – und warum Glaube und Militär durchaus gut zusammenpassen.
Nikolaus D. in Lourdes
Foto: Jakob Ranke | Oberfähnrich zu See Nikolaus D. (22) ist Offiziersanwärter der Bundeswehr und studiert derzeit an der Universität der Bundeswehr in München.

Warum haben Sie sich entschieden, an der Militärwallfahrt teilzunehmen?

Mit den Kameraden gemeinschaftlich hier her zu reisen, hier die internationalen Gottesdienste zu feiern, abends der Ausklang mit den Kameraden, mit dem Musikkorps – das ist ein großes Zusammenkommen, eine große Feier, und gefällt mir gut.

Wie haben Sie von der Wallfahrt erfahren?

Ich bin Offiziersanwärter und meine Kameraden an der Universität in München haben mich letztes Jahr überzeugt mitzukommen. Ich hatte schöne Erlebnisse oben im Zeltlager und unten im heiligen Bezirk, und deswegen werde ich wohl auch noch öfter kommen.

Kameradschaft hat man in der Truppe doch sonst auch. Was ist hier besonders?

Dass man über die Dienstgrade hinweg miteinander spricht und aufeinander zugeht. Man lernt die Leute völlig unverstellt kennen, feiert abends ausgelassen miteinander. Das ist einfach was anderes. Und die Leute sind dabei, um den Katholizismus zu leben.

Ist Ihnen Lourdes als Ort wichtig? Oder könnte es überall hin gehen?

Zu Lourdes hatte ich ehrlich gesagt vorher gar keine Beziehung, hatte auch noch nie davon gehört, vermutlich hätte es irgendein Wallfahrtsort sein können. Aber die Lage in den Pyrenäen ist sehr schön und auch der Ablauf hier vor Ort.

Würden Sie außerhalb der Bundeswehr eine Wallfahrt machen?

Ich persönlich ja, ich überlege auch schon wo ich mal allein oder mit ein, zwei Freunden „richtig“, also zu Fuß, hinpilgern könnte. Das habe ich auch der der Campusgemeinde zu verdanken, durch die bin ich jetzt im Studium wieder stärker zum Glauben gekommen, und bemühe mich, aktiv katholisch zu leben.

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Passt das eigentlich gut zusammen, Soldat und gläubig sein?

Es gibt natürlich schon Widersprüche, der Kernauftrag ist ja am Ende die Verteidigung mit der Waffe. Das könnte also früher oder später dazu führen, dass ich töten müsste, was ja grundsätzlich dem Glauben widerspricht. Ich habe das für mich so beantwortet, dass ich sage, wenn es notwendig ist, dass ich töten muss, dann geschieht das, weil eine ungerechte Handlung vorausgegangen ist. Und diese ungerechte Handlung möchte ich abwehren. Und in diesem Handeln für die Gerechtigkeit sehe ich auch eine Rechtfertigung, die ich mit meinem Glauben vereinbaren kann.

Wie steht es mit der Gefahr, selbst getötet zu werden?

Dabei hilft der Glaube auf jeden Fall auch. Sollte ich im Einsatz zu Tode kommen – dann freue ich mich auf das, was danach kommt.

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