In England wächst die katholische Kirche dank zahlreicher Zuwanderer. Pfarrer Andreas Blum leitet seit fast sieben Jahren die deutsche Gemeinde St. Bonifatius im Londoner East End. Der Kölner Diözesanpriester lebt in einer Gemeinde, die vor über 200 Jahren von deutschen Auswanderern gegründet wurde. Die Pfarrei besteht ohne Kirchensteuer, Sekretariat und Küster und arbeitet überwiegend mit Ehrenamtlichen. Aus der Distanz beobachtet er den Synodalen Weg in Deutschland.
Herr Pfarrer Blum, der Synodale Weg soll nach dem Willen der synodalen Mehrheit verstetigt werden. Ende der Woche tagt der Synodale Ausschuss. Welche Reaktionen haben Sie erhalten, als das ganze Projekt begann?
Der Synodale Weg spielte hier zunächst einmal überhaupt keine Rolle. Als ich den Kollegen davon erzählte, wurde das erst ein bisschen ironisch aufgefasst: „Bereitet ihr die nächste Reformation vor?“ Als dann der Papst dazu einlud, sich am Synodalen Prozess der Weltkirche zu beteiligen, wurde er den Auslandsgemeinden hier in der Diözese Westminster vorgestellt. Die erste Reaktion war aber nicht Interesse an dem Thema. Es hieß, das sei doch wieder etwas sehr Deutsches. Und in der ersten Bemerkung fiel schon das Wort „Nonsens“. Ich war schwer beschäftigt, zu erklären, warum das in Deutschland läuft und worum es geht. Seitdem muss ich feststellen, dass die Anliegen des Synodalen Wegs in vielen Auslandsgemeinden in London und auch in vielen englische Gemeinden so nicht gelten. Die Ungleichzeitigkeit der Themen und Nöte ist doch sehr groß. Davon auszugehen, dass alle anderen Länder genauso ticken wie Deutschland? Das geht schon innerhalb Europas nicht.
Wie sieht Ihre Personalsituation in der Gemeinde aus?
Wir haben noch eine Gemeindereferentin in Ham (in einem gutbürgerlichen Londoner Viertel, Ad.R.) Wir haben ja zwei Standorte. Außer uns zwei Hauptamtlichen gibt es in der Pastoral nur Ehrenamtliche - und das läuft gut.
Wie sieht das konkret aus?
Wenn den Menschen etwas ein Anliegen ist, müssen sie selbst anpacken. Wen man das nicht kann, ist es einem entweder nicht so wichtig oder man muss eine andere Lösung finden. Das schafft eine Unmittelbarkeit, die es nicht immer einfach macht, aber sie hat auch was von Urgemeinde.
Und die Gremien?
Wir haben einen Pfarrgemeinderat; das ist hier in England nicht selbstverständlich. Manche Gemeindemitglieder haben einen theologischen Kurs in Trier beim Deutschen Liturgischen Institut mitgemacht. Unser Problem ist, dass im direkten Umkreis der Kirche keine Deutschen mehr wohnen. Die Deutschen sind ja inzwischen längst aus diesem Einwandererviertel weggezogen und leben in anderen Stadtteilen. Wer heute nach London zieht, wandert nicht mehr aus, sondern studiert oder hat einen Job bei den großen Firmen und Kanzleien. Die Gemeinde an sich bekommt von diesem Viertel nur sonntags etwas mit und lebt nicht so mit den Menschen zusammen wie ich das tue.
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