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Danke, Schwester Maura!

Hilfe für eine Heilige. Warum Hildegard von Bingen nicht als Folie für den Synodalen Weg taugt.
Statue der Heiligen Hildegard von Bingen vor der Abteikirche, Abtei St. Hildegard (Eibingen)
Foto: IMAGO/imageBROKER/Michael Weber | Die Heilige Hildegard eignet sich nicht als Kronzeugin für umstrittene Reformforderungen im Sinne des Synodalen Weges.

Kirchenlehrerinnen sind im 21. Jahrhundert zu bedauern. Keine Gruppe in der katholischen Kirche wird im deutschsprachigen Raum so rücksichtslos für die kirchenpolitische Zwecke, vorzugsweise feministische, instrumentalisiert wie Katharina von Siena, Teresa von Ávila, Therese von Lisieux und Hildegard von Bingen. Während Katharina von Siena nördlich der Alpen ungefragt ihren liturgischen Gedenktag für den „Tag der Diakonin“ hergeben muss, wird Teresa von Avila auf katholischen Internetseiten als „Mystikerin und Feministin“ vorgestellt – als handele es sich hier um gleichwertige Prädikate. Selbst vor dem Werk der ganz und gar in der Frömmigkeit des 19. Jahrhunderts verankerten Therese von Lisieux macht der Eifer der Reformer nicht halt: Gibt es hier nicht etwa versteckte feministische Gedanken, die sich die jugendliche Karmelitin eben nur nicht offen zu sagen traute?

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Kompetente Hilfe

Gut, dass der heiligen Hildegard von Bingen nun eine kompetente Frau zu Hilfe eilt: Die Benediktinerin Maura Zátonyi, Vorsitzende der Sankt-Hildegard-Akademie in Rüdesheim-Eibingen und Hildegardforscherin hat das Hildegardbild dem Säurebad der Kirchenpolitik entzogen. Seit 20 Jahren liest sie täglich Briefe und Originalhandschriften der deutschen Kirchenlehrerin und weiß daher, wovon sie spricht, wenn sie ausschließt, dass die Heilige vom Rupertsberg den Synodalen Weg mitgehen würde. Denn Hildegard habe immer für die „Sache des Glaubens“ gefochten, hätte aber nie für das Frauenpriestertum gekämpft.

Die Botschaft aus Eibingen ist unbequem, aber dürfen Frauen das in Zeiten des Synodalen Wegs nicht sein? Es lohnt sich, Schwester Mauras Einschätzung zu lesen, denn das umfangreiche und sprachlich wie inhaltlich nicht leicht erschließbare Werk Hildegards dürfte der Mehrheit der Synodalversammlung nicht in seiner Tiefe bekannt sein. Hildegard habe Hierarchien akzeptiert, so Zátonyi. Ihrer Überzeugung nach würde Hildegard bei der Versammlung des Synodalen Weges höchstens eine feurige Rede halten, dass die Menschen wieder zum Glauben zurückkehren sollen.“ Die „richtige Reform“ wäre „die Umkehr zu Gott und zur Glaubenslehre - das ist bei Hildegard das A und O“. Danke, Schwester Maura!

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Regina Einig Heilige Kirchenlehrerinnen und -lehrer Synodaler Weg

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