Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kirche

Bischof Oster zur Missbrauchsstudie: Zölibat nicht das Problem

Der Passauer Bischof Stefan Oster sieht angesichts der Missbrauchskrise keine Notwendigkeit, über den Zölibat zu diskutieren. Wichtig sei jetzt, die Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen.
Passauer Bischof Oster zur Missbrauchsstudie
Foto: Arne Dedert (dpa) | In der heutigen Gesellschaft lebten so viele Menschen als „Singles“, oft auch unfreiwillig, betonte Oster. Diese stelle man jedoch auch nicht alle unter Generalverdacht.

Der Passauer Bischof Stefan Oster sieht angesichts der aktuellen Missbrauchskrise in der katholischen Kirche keine Notwendigkeit, über den Zölibat zu diskutieren. Die Autoren der Missbrauchsstudie, die jüngst im Rahmen der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda vorgestellt worden war, hätten ziemlich deutlich gemacht, dass der Zölibat nicht das eigentliche Problem sei. Dies erklärte der Bischof im ZDF-Morgenmagazin.

Bischof Oster: Kirche habe immer wieder sexuell unreife Menschen angezogen

In der heutigen Gesellschaft lebten so viele Menschen als „Singles“, oft auch unfreiwillig, betonte Oster, der Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz ist. Diese stelle man ja auch nicht alle unter den Generalverdacht, potenzielle Täter zu sein. Das Problem sei, dass die Kirche mit ihrer Lebensform immer wieder Menschen angezogen habe, „die womöglich sexuell unreif sind, ein Problem haben, und hoffen, das in der Kirche verdrängen zu können“, so Oster. Der Zölibat in Verbindung mit solch einer „unreifen Disposition“ führe dann womöglich schneller zu Übergriffigkeit.

Die Bedenken, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr unbesorgt in die Obhut der katholischen Kirche geben könnten, teilt Bischof Oster nicht. „Wir haben uns ja schon seit einigen Jahren strenge Richtlinien und Präventionsarbeit auferlegt, sodass man heute mit gutem Gewissen Kinder in unsere Obhut geben kann.“ Passieren könne zwar immer irgendetwas; dies sei aber auch ein Phänomen der Gesellschaft. Damit wolle er jedoch nichts schönreden, betonte Oster: „Die Dinge, die passiert sind, sind furchtbar.“

"Die Dinge, die passiert sind, sind furchtbar"

Das Allerwichtigste sei nun, so der Passauer Jugendbischof, die betroffenen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen genau zuzuhören. Einen Fehler der Vergangenheit erkennt Oster darin, dass die Kirche bisweilen wie eine geschlossene Gesellschaft, „manchmal auch eine geschlossene Männergesellschaft“, agiert und in den Vordergrund gestellt habe, die Institution zu schützen. Dieser Kulturwandel, zuallererst die Betroffenen in den Blick zu nehmen, sei der wichtigste Aspekt, der sich im System der katholischen Kirche ändern müsse.

DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Bischof Deutsche Bischofskonferenz Missbrauchskrise Stefan Oster Zölibat

Weitere Artikel

Hut ab vor all jenen, die den Zölibat leben oder darum ehrlich ringen – trotz des Gegenwinds aus Kirche und Öffentlichkeit.
29.05.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
In einem Beitrag von „Kirche und Leben“ wird vier Bischöfen vorgeworfen, nicht synodal sein zu wollen. Deren Worte zur Weltsynode wirkten „klerikalistisch und machtarrogant“. Weit gefehlt.
07.11.2024, 11 Uhr
Dorothea Schmidt

Kirche

Schluss mit dem Museum im Apostolischen Palast in Castel Gandolfo: Leo XIV. kehrt in die ursprüngliche Sommerresidenz der Päpste zurück.
30.05.2026, 17 Uhr
Giulio Nova
„Wissen muss mit Gewissen zu tun haben“, fordert der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl beim Festakt zum 80. Geburtstag der Katholischen Hochschulgemeinde Wien.
29.05.2026, 14 Uhr
Laetitia Mayr
Was Papst Leo XIV. über die Liturgie sagt, könnte auch von Benedikt XVI. stammen. Und auch eine Botschaft für die deutschen Katholiken lässt sich seiner Katechese entnehmen.
29.05.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Die Botschaft des Papstes lautet, dass große Veränderungen nur gemeinsam zu erreichen sind – und Umkehr immer möglich ist.
30.05.2026, 11 Uhr
Henry C. Brinker