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Bentz: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst“

Der Paderborner Erzbischof hinterfragte in seiner Predigt im Rahmen der Vollversammlung der Bischöfe die Reformvorhaben und den synodalen Stil der katholischen Kirche in Deutschland und mahnte zu einer Verankerung im Herrn.
Erzbischof von Paderborn, Udo Bentz
Foto: Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic | Um ander Zukunft der Kirchen bauen zu können, brauche man eine Vision, so der erzbischof von Paderborn, Udo Bentz.

Der Paderborner Erzbischof Udo Bentz hat im Rahmen der bischöflichen Vollversammlung am Dienstagmorgen in Fulda eine kritische und ermutigende Predigt zum aktuellen Transformationsprozess innerhalb der immer kleiner werdenden katholischen Kirche aufgrund von sinkenden Mitgliederzahlen gehalten. Wörtlich sagte der Bischof: „Wenn wir die Frage nach unserer synodalen Kultur allein darauf fokussieren, wer wie mitentscheiden darf, laufen wir Gefahr, all das aus dem Fokus zu verlieren, was entscheidend zum Gelingen des Baus beiträgt.“

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Bentz verglich die Lage der Kirche in Deutschland und deren Mühen, der Glaubenserosion beizukommen, mit dem Bau eines Gebäudes. „Räume – insbesondere Sakralräume – bauen an unserer Innerlichkeit. Und umgekehrt: Unsere Innerlichkeit prägt auch die Art und Weise, wie wir bauen.“ Wobei mit „Bauen“ die Weise gemeint sei, „wie wir Menschen auf der Erde wohnen wollen“, wie wir „dem Dasein Gestalt geben“, Lebensraum und Zukunft gestalten und welche Vision der Mensch habe. Bezogen auf das Haus Gottes laute die Frage: „Welche Vision haben wir vom Wohnen in diesem Haus?“ 

„Sinnbild eines wiedergewonnenen Vertrauens“ 

Das Volk Israel, das nach der Zerstörung des Tempels Salomo das Haus Gottes neu errichten musste, habe eine Vision gehabt. Nach der Erfahrung des Exils und des Misstrauens Gott gegenüber, wurde der Bau des Gotteshauses zum „Sinnbild eines wiedergewonnenen Vertrauens“ auf die Treue Gottes. „Entscheidender als die äußeren Rahmenbedingungen war der innere Wille, trotz aller Schwierigkeiten und Hürden und Widerstände dennoch weiterbauen zu wollen!“ 

So wie die Propheten Hagái und Sachárjas das Volk Gottes ermutigt hätten, auf Gott zu bauen, so müsse die Kirche es auch heute tun, sagte Bentz und schlug eine Brücke zur Synodalität: Das Volk Gottes brauche zu allen Zeiten solche prophetischen Stimmen. „Und es gibt sie – mitten unter uns! Und zwar überall im Gottesvolk, nicht nur im Amt oder in den Mandatsträgern organisierter Strukturen“, so der Bischof. Es brauche eine „synodale Kultur, die der wirklichen Vielfalt dieses Gottesvolkes entspricht, um diese prophetischen Stimmen wahrnehmen zu können und zu Wort kommen zu lassen“.

„Weniger“ ist oft entscheidende Leitkategorie

Bentz kritisierte, dass in den deutschen Diözesen vor allem vom „Weniger“ her gedacht und damit zurückgebaut statt gebaut werde: „weniger Gebäude, weniger Ressourcen, weniger Möglichkeiten“. Das „Weniger“ sei oft zur entscheidenden Leitkategorie geworden, monierte er. „Ist uns bewusst, wo überall diese Verunsicherung zu einer Art ,stiller Bauleitung' geworden ist?“

Die entscheidende Frage müsse lauten, ob daraus wirklich Hoffnungsräume würden, und aus welcher geistlichen inneren Haltung heraus weitergebaut werde. Der Kirchenbau könne nur mit einer echten Vision gelingen, die das künftige „Mehr“ im Blick habe: „Wirklich mehr Nähe zu den Menschen und ihren konkreten Lebensfragen? Wirklich mehr Spiritualität als Statistik? Wirklich mehr Tiefe und Zeugnis unserer Christusbeziehung als Organisation und Funktion? Wirklich mehr Vielfalt? Wirklich mehr Profil? Mehr Offenheit und weniger Selbstgenügsamkeit?“

Identifikation mit der ursprünglichen Berufung

Auf die Tageslesung im Buch Esra bezugnehmend erklärte Bentz, dass der von den Israeliten neu erbaute Tempel längst nicht so prächtig war wie der von Salomo. Er war auch „weniger“.  „Aber“, so Bentz, „neben diesem ,Weniger‘ gab es auch ein ,Mehr‘: Für das Volk Israel bedeutete dieser wiedererbaute, kleinere Tempel wieder mehr Identifikation mit seiner ursprünglichen Berufung; mehr Möglichkeit, den Glauben feiern und Gestalt geben zu können; mehr Selbstbewusstsein, mehr Vertrauen auf Gottes Treue, mehr Hoffnung auf Zukunftsmöglichkeiten, die Gott mit seinem Volk hat, mehr Freude ….“

Bentz schoss seine Ausführungen mit zwei Zitaten. Der Philosoph Robert Spaemann habe gesagt: „Was wir im Auge haben, das prägt uns, dahinein werden wir verwandelt. Und wir kommen, wohin wir schauen.“ Wohin wir schauen sollten, darauf gebe Psalm 127 eine Antwort: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut.“  DT/dsc

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