Köln

Ausstellung: „Wunder von Bethlehem“ in Köln

„Bethlehem reborn“ – eine Wanderausstellung über die Restauration der Geburtsbasilika ist noch bis zum 5. Januar in Köln zu sehen.
Vorweihnachtszeit in der Geburtskirche in Bethlehem
Foto: Ilia Yefimovich (dpa) | Frauen zünden in der Geburtskirche, von der man glaubt, dass sie der Geburtsort von Jesus Christus ist, vor dem Weihnachtsabend Kerzen an.

Ein aktuelles „Wunder von Bethlehem“ ist nach Worten der ehemaligen Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner derzeit in Köln zu sehen. Im Gespräch mit der Tagespost erläuterte sie, dass die Restaurierung der Geburtskirche als geglückt anzusehen ist. Sie gilt seit Anfang 2020 als abgeschlossen. Schwierig waren die Verhandlungen zwischen den christlichen Konfessionen, die hier das „Wunder“ darstellen. Vor Ort in Bethlehem gilt, ähnlich wie in der Grabeskirche von Jerusalem der Status Quo von 1852, der bestimmt, alles Bauliche unverändert zu lassen. Die Kooperation einer italienischen Spezialfirma mit allen beteiligten Autoritäten und mit der Autonomiebehörde Palästinas lassen nun diesen heiligen Ort als neuen Pilger-Magneten in altem Glanz erstrahlen. Womöglich hatte die Restauration der Ädicula über dem Grab in Jerusalem bei dieser Kooperation in Bethlehem Pate gestanden.

Die ursprüngliche Pracht des Gebäudes lässt sich erahnen

In Köln werden derzeit die restaurierten Wandmosaiken als großflächige Abbildung gezeigt. Sie sind in der Ausstellung besser zu sehen als am Originalort selbst, kommentierte Israel-Experte und Theologe Klaus Zimmermann bei einer Führung. Die Geschichte des unter Putz 2016 neu entdeckten siebten Engels einer Prozession in Richtung Grotte und der archäologische Fund der filigranen Glaslichter lassen etwas von der ursprünglichen Pracht des Gebäudes erahnen. 

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Die Informationstafeln der Ausstellung zeigen aber auch Bilder und Videos über Kirche und Geburtsgrotte Christi, die beide eine wechselvolle Geschichte hinter sich haben. Der erhaltene Baukörper in Bethlehem besteht aus dem Gebäude Kaiser Justinians innerhalb der Festungsmauern der Kreuzritter. Der Konstantinische Vorläufer war durch Kriegswirren unbenutzbar geworden.

Mit den Ausgrabungen und Restaurierungen verbunden waren Entdeckungen aus dem Zeitalter der byzantinischen Herrscher. Resultat: es kann eine vollständige Baugeschichte dieses Weltkulturerbes rekonstruiert werden. „Mit dieser Restauration ist für die Geburtsbasilika eine Zeit des Verfalls beendet,“ heißt es in der Internet-Präsentation der Ausstellung. Restauriert wurden Mosaiken, Säulen, Holzschnitzereien, Meisterwerke vieler Jahrhunderte, die wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurden. 

Verehrung der Geburtsstätte hat lange Tradition

Die Verehrung der Geburtsstätte hatte schon in den Zeiten der Christenverfolgung und vor der byzantinischem Prachtentfaltung Tradition. Der in Bethlehem lebende und die Bibel ins Lateinische übersetzende heilige Hieronymus notierte im Jahr 395 n.Chr.: „In dieser ärmlichen Behausung unter der Erde ist der Herr der Himmel geboren; hier wurde er in Windeln gewickelt und von den Hirten gesehen; hierhin wies der Stern; hier wurde er von den Heiligen Drei Königen angebetet.”

Der erste Abschnitt der Ausstellung ist der Basilika der konstantinischen Epoche und der Geburtsgrotte gewidmet. Da Konstantin die ersten Kirchen in Stein bauen ließen, gab es keine Vorbilder für den Kirchenbau. Seine Bauleute orientierten sich an den schon vorhandenen kaiserlichen Gebäuden. 
Im Mittelpunkt des zweiten Abschnitts der Ausstellung steht das Gebäude des oströmischen Herrschers Justinian vom Ende des 6. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit sind die archäologischen Funde zum christlichen „Lichtritual“, wie es heißt. Womöglich dienten die fragilen Glaslampen der Liturgie bei Osternacht oder Rorate-Messen. Überreste davon wurden in einer Ecke zwischen der in justinianischer Zeit abgetragenen Fassade Konstantins und dem damals neuen Säulengang gefunden. In einer Vitrine zeigt die Ausstellung ein intaktes Modell, das von der Größe her zu den frühchristlichen Öllämpchen zu passen scheint.

Der dritte Abschnitt illustriert die Zeiten der Kreuzritter. Eine Festung wurde um den Geburtsort errichtet. Neue Pilgerflüsse aus dem Westen konnten aufgenommen werden. Die Säulen aus poliertem Kalkstein wurden mit Heiligenfiguren verziert. „Teppiche“ aus Gold, Perlmutt und Glaspaste füllten die oberen Wände aus. Bis heute verbleiben noch 130 der anfangs 2000 Quadratmeter Mosaikfläche. Trotzdem sagt die Schönheit der Ausstattung etwas über die Frömmigkeit und die innere Wiedergeburt am Geburtsorts Jesu (Titel der Ausstellung „Bethlehem reborn“).

Ausstellung soll neue Hoffnung aufkeimen

Der vierte Abschnitt greift die Jahre des Verfalls auf, die seit dem 14. Jahrhundert ihren Anfang nahmen.  Reiseberichte von Pilgern aus jener Zeit erläutern, dass Marmor fast gänzlich herausgerissen wurde, die Mosaiken herunterfielen und das Dach baufällig war. Der kritische Zustand der Kirche war auch Ausdruck der im Jahr 1852 begonnenen religiösen Spannungen bei der Schaffung des Status Quo. Zugrunde lag ein Erlass des Sultans von Konstantinopel, der minutiös Modalitäten, Rituale und Zugehörigkeiten der drei christlichen Orden aufführte, die seit jeher an diesem heiligen Ort walten: Griechisch-Orthodoxe, franziskanische Katholiken und die armenische Kirche.

Issa Kassissieh, der Botschafter des Staates Palästina am Heiligen Stuhl erklärt in seinem Statement: „Die Ausstellung möchte die kürzlich restaurierte Geburtskirche in ihrer ganzen künstlerischen Schönheit und historischen Bedeutung sowie vor allem in ihrer spirituellen Botschaft zur Geltung kommen lassen. In einer Zeit, in der die ganze Welt noch gegen eine Pandemie ankämpft, erinnert uns die Geburtskirche wieder an die Geburt und Auferstehung Jesu, deren Gedenken neues Leben und neue Hoffnungen aufkeimen lässt.“

Die Ausstellung in Köln befindet sich in einer „Böhm-Kirche“, die architektonisch das Thema der Ausstellung verstärkt. Wie in einer Grotte fühlt sich nämlich der Besucher der Kirche St. Gertrud in Köln. Der Eindruck „Grotte“ liegt ganz im Sinne des Planers und Architekten Gottfried Böhm (1920 – 2021), der diese Kirche Anfang der 60er Jahre im Kölner Norden geplant und gebaut hat. Erzeugt wird der Eindruck durch den Waschbeton an Wänden und Decke. Hohe Wände gehen direkt in die spitze, gefältelte Dachkonstruktion über.

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