Vadodara

Anzeige gegen Missionarinnen der Nächstenliebe in Indien erstattet

Den indischen Ordensschwestern wird vorgeworfen, Mädchen zum Religionsübertritt zu zwingen. Der Frauenorden bestreitet die Vorwürfe.
Christen in Indien
Foto: Channi Anand (AP) | "Wir haben niemanden bekehrt noch gezwungen, in einer christlichen Zeremonie zu heiraten“, so eine Sprecherin der Missionarinnen der Nächstenliebe.

Laut dem vatikanischen Pressedienst „Fides“ ist im indischen Vadodara gegen Missionarinnen der Nächstenliebe wegen „religiöser Bekehrung“ Anzeige erstattet worden. Der Pressedienst der Päpstlichen Missionswerke zitiert Pater Suresh Mathew, Chefredakteur der katholischen Wochenzeitung „Indian Currents“, mit den Worten: „Sie sind das Ziel von Hindu-Nationalisten. Das ist reine Verleumdung; sie wollen die Schwestern und die christlichen Einrichtungen verunglimpfen und verleumden.“ 

"Gezwungen", christliche Texte zu lesen

Die Anschuldigung nimmt Bezug auf das 2003 in Kraft getretene „Gesetz über Religionsfreiheit“ in Gujarat. In einer am 12. Dezember bei der Polizei von Makarpura eingegangenen Anzeige heißt es, die Ordensschwestern der von Mutter Teresa gegründeten Kongregation hätten in einem von ihnen geführten Heim in der Stadt Vadodara „religiöse Gefühle der Hindus verletzt“ und „junge Mädchen zum Christentum gelockt“.

Zuvor hatte Mayank Trivedi, Bezirksbeauftragter für soziale Dienste, das von den Ordensschwestern betriebene Mädchenheim besucht, und erklärt: „Die Mädchen werden in dem Heim gezwungen, christliche religiöse Texte zu lesen und an Gebeten des christlichen Glaubens teilzunehmen, um sie zum Christentum zu bekehren“. Darüber hinaus „müssen sie ein Kreuz um den Hals tragen. Die Bibel wird auf den Wohnzimmertisch gelegt, um sie zu zwingen, sie zu lesen. Es handelt sich um einen kriminellen Versuch, die Mädchen zum Religionsübertritt zu zwingen“, heißt es in dem bei der Polizei eingegangenen Bericht.

Missionarinnen: Nicht an Bekehrungsaktionen beteiligt

Die Missionarinnen der Nächstenliebe bestreiten die Vorwürfe. „Wir sind nicht an religiösen Bekehrungsaktionen beteiligt. Wir nehmen 24 Mädchen auf, die bei uns wohnen und unserer Lebenspraxis folgen. Wir haben niemanden bekehrt noch gezwungen, in einer christlichen Zeremonie zu heiraten“, so eine Sprecherin der Kongregation. Laut der Anzeige des „Child Welfare Committee“ sollen die Schwestern ein Hindumädchen gezwungen haben, nach christlichem Ritus in eine christliche Familie einzuheiraten.

Der Polizeipräsident von Vadodara, Shamsher Singh, erklärte, die Polizei werde die Ermittlungen fortsetzen. In Gujarat, das von der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP) regiert wird, sowie in sieben weiteren indischen Bundesstaaten sind spezielle „Anti-Konversionsgesetze“ in Kraft, die den Wechsel von einem religiösen Bekenntnis zu einer anderen Religion der Prüfung durch einen Richter unterwerfen. Sie stellen ebenfalls religiöse Bekehrung durch betrügerische Mittel unter Strafe. 

Im Jahr 2018 wurden die Missionarinnen der Nächstenliebe im indischen Bundesstaat Harkhand des Proselytismus und des Kinderhandels beschuldigt. Eine Schwester wurde einige Zeit lang von der Polizei festgesetzt. In Indien betreiben rund 5.200 Missionarinnen der Nächstenliebe 277 Häuser und Institute für soziale und karitative Zwecke.  DT/jg

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