Kardinal Müller tadelt deutsche Theologen

Die Theologie spiele auf Bischofssynoden kaum mehr die Rolle, die ihr zukomme, so der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation. Das Argumentationsniveau sei „gelegentlich peinlich“.

Kardinal Müller übt Kritik an deutschen Theologen
Managerqualitäten würden oft als wichtiger gelten als theologischer Durchblick in einer Zeit, in der die Vernunft des Glaubens bestritten wird, kritisiert Kardinal Müller. Foto: Andreas Arnold (dpa)

Kurienkardinal Gerhard Müller hat die Situation der Theologie in Deutschland und das theologische Niveau von Bischofssynoden kritisiert. Der „Tagespost“ sagte der vormalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation, die Theologie spiele auf Bischofssynoden kaum mehr die Rolle, die ihr zukomme.  Wörtlich erklärte Müller: „Das Argumentationsniveau ist gelegentlich peinlich. Der Austausch bleibt oft im Anekdotischen hängen.“ Natürlich gebe es auch Bischöfe mit hohen intellektuellen Fähigkeiten, aber man halte sie fast systematisch von verantwortungsvollen Posten fern.

Müller: "Professionalität in der Theologie wird nicht geschätzt"

„Professionalität in der Theologie wird nicht geschätzt. Sie wird eher als Manko in der Pastoral "der Menschennähe" gesehen, als ob die Managerqualitäten wichtiger wären als theologischer Durchblick in einer Zeit, in der die Vernunft des Glaubens bestritten wird“, so der Kardinal. Die Ursache dieser Entwicklung verortet Müller in der „völlig unkatholischen Gegenüberstellung von Glaubenslehre und Pastoral, Orthodoxie und Orthopraxis.“

Skeptisch beurteilt Müller, der jahrelang Dogmatik in München lehrte, auch die Situation der Theologie in Deutschland. Bei internationalen Fachkongressen in Rom fehlten die Deutschen in der Regel. Die wissenschaftliche Qualität sei in Spanien, Polen, USA und Italien weitaus gleichwertig, wenn nicht höher.

Lernen, wie man dem Wort Gottes treu bleibt

„Sogenannte ,deutsche Kirchenmänner' träumen immer noch in geradezu lächerlicher Selbstüberschätzung davon, andere belehren zu können und die Schrittmacher für die Weltkirche zu sein. Dabei ist die Zeit gekommen, bei andern in die Schule zu gehen und von ihnen demütig zu lernen, wie man dem Wort Gottes treu bleibt“, stellte Müller fest.

Worin Kardinal Gerhard Ludwig Müller die Ursache für die Glaubwürdigkeitskrise der katholischen Kirche sieht, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 06. Dezember 2018. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT/reg