Als Söhne des Lichts vorangehen

Nicht wir sind das Licht, sondern Jesus Christus: Im Wortlaut die Ansprache des Heiligen Vaters während der Generalaudienz vom 16. Mai
Papst Franziskus wendet sich an die Gläubigen
Foto: Alessandra Tarantino (AP) | Papst Franziskus wendet sich an die Gläubigen.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!
Heute beschließen wir unsere Reihe von Katechesen über die Taufe. Die geistliche Wirkung dieses Sakraments, das für die Augen unsichtbar ist, aber im Herzen dessen wirkt, der ein neues Geschöpf geworden ist, wird durch das Überreichen des weißen Taufkleides und der entzündeten Kerze zum Ausdruck gebracht.

Nach dem Bad der Wiedergeburt, das den Menschen nach dem Bild Gottes in der wahren Heiligkeit neu zu schaffen vermag (vgl. Eph 4,24), wurde es von den ersten Jahrhunderten an für selbstverständlich gehalten, die Neugetauften mit einem neuen, weißen Gewand zu bekleiden, das an den Glanz des in Christus und im Heiligen Geist erworbenen Lebens erinnert. Das weiße Kleid, das symbolisch zum Ausdruck bringt, was im Sakrament geschehen ist, verkündet den Zustand der Verwandelten in der göttlichen Herrlichkeit.

Was es bedeutet, sich mit Christus zu bekleiden, daran erinnert der heilige Paulus, der erklärt, welche Tugenden die Getauften pflegen müssen: „Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht“ (Kol 3,12-14).

Auch das rituelle Überreichen der an der Osterkerze entzündeten Flamme erinnert an die Wirkung der Taufe: „Empfange das Licht Christi“, sagt der Priester. Diese Worte rufen ins Gedächtnis, dass nicht wir das Licht sind, sondern dass Jesus Christus das Licht ist (vgl. Joh 1,9; 12,46), der, auferstanden von den Toten, die Finsternis des Bösen besiegt hat. Wir sind berufen, seinen Glanz zu empfangen! Wie die Flamme der Osterkerze den einzelnen Kerzen Licht gibt, so entzündet die Liebe des auferstandenen Herrn das Herz der Getauften und erfüllt sie mit Licht und Wärme. Aus diesem Grund wurde die Taufe seit den ersten Jahrhunderten auch „Erleuchtung“ genannt, und der Getaufte als „Erleuchteter“ bezeichnet.

Denn das ist die christliche Berufung: als Söhne des Lichts voranzugehen und im Glauben zu bleiben (vgl. Die Feier der Eingliederung Erwachsener in die Kirche; Joh 12,36). Wenn es sich um Kinder handelt, ist es – gemeinsam mit den Paten und Patinnen – Aufgabe der Eltern, dafür zu sorgen, die Flamme der Taufgnade in ihren Kleinen zu nähren und ihnen zu helfen, im Glauben zu bleiben (vgl. Die Feier der Kindertaufe). „Der christliche Unterricht, auf den die Kinder ein Recht haben, hat ja nur den einen Sinn, dass sie mit der Zeit den Ratschluss Gottes in Christus erfassen lernen, um sich schließlich den Glauben, auf den sie getauft werden, zu eigen machen zu können“ (ebd., Praenotanda, I,3).

Die lebendige Gegenwart Christi, die in uns bewahrt, behauptet und erweitert werden muss, ist eine Lampe, die unsere Schritte erleuchtet, ein Licht, das unseren Entscheidungen eine Richtung weist, eine Flamme, die unsere Herzen erwärmt, wenn wir dem Herrn entgegengehen, und die uns befähigt, denen zu helfen, die bis zur unauflöslichen Gemeinschaft mit Ihm mit uns unterwegs sind. An jenem Tag, so heißt es in der Offenbarung, wird es „keine Nacht mehr geben und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten und sie werden herrschen in alle Ewigkeit“ (22,5).

Die Feier der Taufe schließt mit dem Gebet des Vaterunser, das der Gemeinschaft der Kinder Gottes eigen ist. Die in der Taufe wiedergeborenen Kinder werden bei der Firmung die Fülle der Gabe des Heiligen Geistes empfangen und an der Eucharistie teilnehmen, indem sie lernen, was es heißt, sich mit dem Namen „Vater“ an Gott zu wenden.

Am Ende dieser Katechese über die Taufe möchte ich an jeden von Euch erneut die Aufforderung richten, die ich in dem Apostolischen Schreiben „Gaudete et exsultate“ auf folgende Weise ausgedrückt habe: „Lass zu, dass die Taufgnade in dir Frucht bringt auf einem Weg der Heiligkeit. Lass zu, dass alles für Gott offen ist, und dazu entscheide dich für ihn, erwähle Gott ein ums andere Mal neu. Verlier nicht den Mut, denn du besitzt die Kraft des Heiligen Geistes, um das möglich zu machen. Im Grunde ist die Heiligkeit die Frucht des Heiligen Geistes in deinem Leben (vgl. Gal 5,22-23)“ (Nr. 15).

Ein Sprecher verlas folgenden Gruß des Papstes an die Besucher aus dem deutschen Sprachraum:
Herzlich grüße ich die Pilger aus den Ländern deutscher Sprache, besonders die Mannschaft vom SK Rapid Wien. Teilen wir mit den Brüdern und Schwestern die Flamme des Glaubens auf unserem Weg hin zur Begegnung mit Christus. So können wir denen helfen, die mit uns unterwegs sind bis zur unauflöslichen Gemeinschaft mit Christus im Haus des Vaters. Gott segne euch alle.

Nach den Grüßen in verschiedenen Sprachen verlas der Heilige Vater noch folgenden Appell:
Über die Zuspitzung der Spannungen im Heiligen Land und im Nahem Osten sowie über die Spirale der Gewalt, die immer weiter vom Weg des Friedens, des Dialogs und der Verhandlungen fortführt, bin ich äußerst besorgt und betrübt.

Ich möchte meinen großen Schmerz über die Toten und Verletzten zum Ausdruck bringen und bin mit dem Gebet allen, die leiden, nahe und ihnen verbunden. Ich möchte nochmals betonen, dass die Anwendung von Gewalt niemals zum Frieden führt. Krieg ruft Krieg hervor, Gewalt ruft Gewalt hervor.

Ich lade alle Betroffenen und die internationale Gemeinschaft ein, sich erneut darum zu bemühen, dass sich Dialog, Gerechtigkeit und Frieden durchsetzen mögen.

Rufen wir zu Maria, Königin des Friedens. „Gegrüßet seist du, Maria…“
Gott erbarme sich unser!
Ich möchte meine von Herzen kommenden Wünsche für den Monat Ramadan zum Ausdruck bringen, der morgen beginnt. Möge diese Zeit des Gebets und des Fastens helfen, auf dem Weg Gottes zu wandeln, der der Weg des Friedens ist.

Aus dem Italienischen von Claudia Reimüller

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