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Afrika: Ist die Corona-Infektion eine „Krankheit der Weißen?“

Afrika fehlt es an einer funktionierenden Infrastruktur, um auf die Verbreitung von COVID-19 reagieren zu können. Überbevölkerung, Armut und afrikanische Verhaltenskodizes lassen Schlimmes befürchten.
Zentralafrikanische Republik - Flüchtlinge
Foto: Jürgen Bätz (dpa) | Noch steht Afrika am Anfang der Coronakrise

Noch steht Afrika ganz am Anfang der Coronakrise. Doch nach Asien, Amerika und Europa droht dem Kontinent ebenfalls eine starke, wenn nicht sogar noch stärkere Verbreitung des Virus. Die Weltgesundheitsorganisation rechnet jedenfalls mit dem Schlimmsten, sobald die Übertragung auf der Straße beginnt. Die französische Wochenzeitschrift Valeurs actuelles legt die Schwachstellen beim Umgang mit der Krankheit in verschiedenen afrikanischen Ländern offen: Diese seien hilflos und verfügten nicht über Zentren für Intensivpflege oder Instrumente zur künstlichen Beatmung. Sogar in den Krankenhäusern der Hauptstädte seien Notfallausrüstungen Mangelware. In Kenia soll es 150 Intensivbetten für 50 Millionen Einwohner geben. Das am besten mit Betten ausgestattete Land ist Südafrika. Dort gibt es 1000 Betten für 56 Millionen Einwohner, während es in Frankreich insgesamt fast 200.000 sind: Tausende von Südafrikanern seien bereits infiziert. Südafrika hat als erstes afrikanisches Land Ende März eine dreiwöchige Ausgangssperre verhängt, „doch 20 % der Bevölkerung hocken in den Townships aufeinander, wie in Soweto, wo es nur Gemeinschaftstoiletten gibt. Wie soll man auch zu Hause bleiben, wenn 55 % der Bevölkerung an der Armutsgrenze leben?“

Weniger als einen Arzt für zehntausend Bewohner

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Im Senegal gibt es weniger als einen Arzt pro 10.000 Bewohner. Am ersten Abend der Ausgangssperre in Dakar wurden die Maßnahmen noch respektiert, doch die Beunruhigung in der Bevölkerung sei bereits spürbar gewesen.
Es sei nicht möglich, so schreibt das Magazin, in Erfahrung zu bringen, „wie viele Personen in den 54 afrikanischen Ländern infiziert oder gestorben sind. Wie soll man sich die Hände waschen, wenn dies keine Gewohnheit ist und es nur wenig Seife gibt? Wenn der Preis für Toilettenpapier, Seife oder die knappen Flaschen mit Händedesinfektionsmittel ins Uferlose gestiegen ist? Weshalb sollte das auch für die 320 Millionen Afrikaner, die keinen Zugang zu Trinkwasser haben, zur Priorität werden?“ Ein zentralafrikanischer Unternehmer erklärte: „Seit dem Beginn der Pandemie hat die Regierung der Zentralafrikanischen Republik Maßnahmen ergriffen, um die Verhütung und Hygiene in öffentlichen und privaten Bereichen zu verstärken, darunter die Schließung von Bars und Nachtklubs. Doch es wird nicht befolgt“. Seiner Ansicht nach sollte die Regierung nicht die französischen Vorkehrungen kopieren, „denn hier leben die Menschen in den Tag hinein, nicht alle Familien haben eine Tiefkühltruhe, einen Kühlschrank, Wasser oder Strom. Die Zentralafrikanische Republik verfügt nicht über die medizinischen Strukturen, um sich einer solchen Pandemie zu stellen“.

Zudem machten dem Kontinent traditionelle Glaubensüberzeugungen zu schaffen. Nicht selten mache sich das Gerücht breit, die Corona-Infektion sei eine „Krankheit der Weißen“. Ein Bewohner aus Ouagadougou, der Hauptstadt des westafrikanischen Burkina Faso, stellt fest: „Die Leute sagen, dass die Krankheit nicht nach Afrika kommen werde, dass das Virus nicht hitzebeständig sei. Doch jetzt sind sie aufgeschmissen. Sie glauben, dass die traditionellen Erzeugnisse heilen, während diese die Kinder tötet, wenn man sie ihnen verabreicht. Angesichts unserer sanitären Bedingungen wird man das nicht bewältigen. Noch immer zweifelt die Mehrheit an der Existenz der Epidemie“. Wenn sich die Epidemie ausbreitete, würde der Mangel an medizinischen Mitteln die Bevölkerung sich selbst überlassen. Was dazu führte, dass „die Menschen auf traditionelle Behandlungen mit noch schlimmeren Konsequenzen zurückgreifen. Die Stimmung ist seltsam, die Menschen leben in Angst, befolgen aber nicht die Sicherheitsmaßnahmen“.

Covid-19 ist eine Krankheit der Weißen

Darüber hinaus bedeute in Afrika „bei sich zu Hause zu bleiben“, dass „man der Gemeinschaft den Respekt verweigert“. Auch in Paris sehe man die Auswirkungen eines traditionellen afrikanischen Glaubensverständnisses, wie etwa „an bestimmten Stellen in Paris, wie im 18. Arrondissement, wo sich die Befolgung von Ausgangssperren bei den vor kurzem eingetroffenen subsaharischen Bevölkerungsgruppen als kompliziert erwiesen hat, die ebenfalls davon überzeugt sind, dass COVID-19 eine ‚Krankheit der Weißen‘ sei“. 

In Burkina Faso, wo mehrere Mitglieder der Regierung infiziert sind, kämpft das Land bereits gegen den Anstieg von islamistischen Terroranschlägen, die Cholera und Malaria. Das Coronavirus wäre eine zusätzliche Belastung für ein Gesundheitssystem, das am Rand des Zusammenbruchs steht. Ein Arzt berichtet: „Ohne schnelle Lösung wird es eine Katastrophe geben. Die Leute gehen während der Ausgangssperre raus, halten keinen Abstand, das sind sie nicht gewohnt. Wie sollte man da nicht wütend sein? Man muss alles tun, damit sich die Epidemie hier nicht ausbreitet, und wir haben nichts, um diese Krankheit zu besiegen“.

 

DT/ks

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