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Zeitreise zu Hildegard von Bingen

Das neue Kinderbuch von Tanja Wenz führt in das Leben in der damaligen Frauenklause ein.
Akademie für Hildegard von Bingen-Forscher
Foto: dpa | Auch hier ist eine Zeitreise möglich: Zur Bronzestatue der Heiligen Hildegard von Bingen vor der Kirche der Abtei St. Hildegard.

Es ist ein kleines Abenteuer, dass Sophia, Maya und Felix sich vorgenommen haben. Die Übernachtung im Zelt auf dem Disibodenberg verspricht spannend zu werden. Wie spannend, das hätten die drei Kinder sich aber nicht träumen lassen. Denn als sie bei Vollmond auf den Ruinen der Mauern des alten Benediktiner- und späteren Zisterzienserklosters stehen, spüren sie nicht nur ein geheimnisvolles Kribbeln in den Füßen und eine Wärme, die tief aus der Erde zu strömen scheint, sie finden auch ein geheimnisvolles Buch, das die Geschichte einer Novizin erzählt, die zur Zeit Hildegards gelebt hat. Natürlich beginnen die drei sofort mit der Lektüre und lesen sich die ganze Nacht hindurch gegenseitig vor, wie es damals war, als Hildegard hier in der Frauenklause damit begann, ihre Visionsschriften aufzuzeichnen, wie ihr Sekretär Volmar, die Nonne Richardis und eben jene geheimnisvolle Novizin namens Silvana zusammenarbeiteten, und wie es dazu kam, dass Hildegard den Disibodenberg verließ und auf dem Rupertsberg ein neues Kloster gründete.

Die Geschichte wird von Tanja Wenz spannend erzählt. Geschickt verwebt die Autorin die Zeiten und lässt die Kinder auch geheimnisvolle Einblicke in die Vergangenheit gewinnen. Aber auch die moderne Technik kommt nicht zu kurz, wenn die drei hier und da kompetent auf dem Handy ihr Hintergrundwissen erweitern, Begriffe recherchieren – kurz: der Geschichte auf den Grund gehen. Erfreulich profund ist das Wissen, das Sophia, Maya und Felix aus dem Religionsunterricht mitbringen und so lesen sie die Geschichte Silvanas mit großem Gewinn.

Historisch ist der kleine Band weitgehend gut recherchiert. Eine Ausnahme: Es wird zweimal erwähnt, dass Hildegard, sofern ihre Visionen dank der Vermittlung Bernhard von Clairvauxs nicht von Papst Eugen III. anerkannt worden wären, damit hätte rechnen müssen, als Ketzerin verbrannt zu werden. Dies ist aber nicht der Fall, denn Ketzerverbrennungen sind ein Kennzeichen der Frühen Neuzeit, nicht des Mittelalters und sie wurden von der weltlichen Macht, nicht der Kirche durchgeführt.

Ansonsten ist das Fazit der Lektüre: ein schön geschriebenes, empfehlenswertes Buch über die heilige Hildegard, das man sich in vielen Händen kleiner und großer Kinder wünscht.

Tanja Wenz: Sophia und das Abenteuer auf dem Klosterberg.
Neukirchener Verlag, Camino Verlag, 2018, 126 Seiten, ISBN 978-3-7615-6524-7, EUR 12,99

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Maria Palmer Eugen III. Hildegard von Bingen Päpste Zisterzienserklöster

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