Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Wladimirs Trickkiste

Trotz aller Kreml-Lügen und Kriegsverbrechen lässt sich die SPD bis heute gerne von Putin an der Nase herumführen.
Putin schlägt Schröder als Vermittler vor
Foto: IMAGO / ITAR-TASS | Putin, der Meister der Täuschung und der Lüge, bleibt sich treu: Wenn er schon den Krieg nicht gewinnen kann, dann zumindest die Friedensverhandlungen.

Langsam scheint dem russischen Präsidenten zu dämmern, dass er seinen Krieg gegen die Ukraine nicht gewinnen kann: Seine Truppen kommen trotz Zwangsrekrutierungen und ausländischer Söldner kaum voran, ein Sturz des „Kiewer Regimes“ (wie Moskau die ukrainische Regierung nennt) ist außer Reichweite, ukrainische Drohnen attackieren Ziele tief im russischen Hinterland, die russische Wirtschaft dient nur noch dem Abnützungskrieg und der russischen Bevölkerung werden immer härtere Lasten aufgebürdet.

Lesen Sie auch:

Bei der Parade zum „Tag des Sieges“ (wie Moskau das Weltkriegsende in alter Sowjettradition nennt) verglich Wladimir Putin seinen aktuellen Ukrainekrieg noch mit dem Abwehrkampf gegen die Nazis, doch wenige Stunden später deutete er ein baldiges Kriegsende an. Kein Wunder: Der alte KGB-Fuchs will weder schmählich im Führerbunker enden noch einer Palastrevolte zum Opfer fallen. Zwar verbreiten er und seine Medien weiter Durchhalteparolen und ideologische Siegeszuversicht, doch dürfte im Kreml mittlerweile klar sein, dass man den illusionsreich vom Zaun gebrochenen Krieg aus purem Selbsterhaltungstrieb besser beenden sollte.

SPD-Granden fallen auf Putin herein

Putin, der Meister der Täuschung und der Lüge, bleibt sich treu: Wenn er schon den Krieg nicht gewinnen kann, dann zumindest die Friedensverhandlungen. Und so schlug er seinen alten Kumpel Gerhard Schröder als Vermittler vor. Der deutsche Altkanzler wäre das Gegenteil eines „ehrlichen Maklers“. Als Freund Putins und bezahlter Lakai seines ökonomischen Systems zeigte er stets demonstratives Verständnis für Putins Positionen – ungeachtet der Interessen Deutschlands, Europas oder des Westens, ungeachtet auch der russischen Kriegsverbrechen in der Ukraine.

Wozu Putins Vorschlag dient, ist offensichtlich: Der Kremlchef setzt weiter darauf, den Westen zu spalten und Europa zu schwächen. Doch anstatt einen seriösen Vermittler ins Spiel zu bringen und daran zu erinnern, dass die Ukraine bei der Bestellung eines Vermittlers jedenfalls ein Mitspracherecht hat, fällt die SPD auf Putins Täuschungsmanöver geradezu lustvoll herein. Als habe man aus dem blutigen Vernichtungskrieg Russlands gegen die Ukraine rein gar nichts gelernt, begrüßen SPD-Granden Putins Vorschlag und lassen sich so schon wieder von ihm an der Nase herumführen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier SPD Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

In der Öffentlichkeit wird die AfD regelmäßig als rechts oder rechtsextremistisch bezeichnet. Doch vieles in ihrem Programm erinnert an die sozialistische DDR.
20.07.2026, 16 Uhr
Hubertus Knabe
Donald Trump hat das Vertrauen in die Führungsmacht USA versenkt. Neue Allianzen zeichnen sich ab.
16.09.2026, 11 Uhr
Stephan Baier
Starregisseur Oliver Stone wird 80. Ob Vietnam, Wall Street oder Kennedy, Stone stellt die großen Erzählungen der Vereinigten Staaten in Frage – und schafft selbst neue Mythen. 
15.09.2026, 19 Uhr
José García

Kirche

Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt ist vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Die Kirchen in Berlin geben eine Empfehlung, was Wähler berücksichtigen sollten.
16.09.2026, 09 Uhr
Meldung
Der DBK-Vorsitzende spricht sich für mehr Zuhören zwischen den Ortskirchen aus. Synodalität bedeute, den Weg als Weltkirche gemeinsam zu gehen.
15.09.2026, 14 Uhr
Meldung
E-Bike oder Hometrainer? Selbst zu strampeln, ist anstrengend, aber man kann auf die eigene Leistung stolz sein. Ist das religiös übertragbar?
15.09.2026, 07 Uhr
Alexander Ertl
Leos zweiter Geburtstag im neuen Amt ist Anlass, darüber nachzudenken, was der Papst in der ersten Phase seines Pontifikats anders macht als sein Vorgänger. So ziemlich alles.
14.09.2026, 08 Uhr
Guido Horst
Die unbegrenzte Vergebungsbereitschaft, die Jesus von seinen Jüngern einfordert, besagt nicht, dass die Sünde nicht so schlimm ist. Entscheidend ist Bekenntnis und Bitte des Schuldners.
12.09.2026, 21 Uhr
Ludger Schwienhorst-Schönberger