Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung London

UK: Führende Religionsvertreter gegen Brexit ohne Deal

Tritt Großbritannien ohne Abkommen aus der EU aus, wie es der neue Premierminister Boris Johnson anstrebt, würde dies die Ärmsten der Bevölkerung am stärksten treffen. Davor warnen die Vertreter sieben christlicher Glaubensgemeinschaften in einem gemeinsamen Schreiben.
Religionsvertreter warnen vor Brexit ohne Deal
Foto: Stefan Rousseau (PA Wire) | Wie gesetzlich beschlossen strebt Premierminister Boris Johnson einen Brexit spätestens bis zum 31. Oktober an, auch wenn bis dahin keine Einigung mit der EU erzielt worden ist.

Führende Vertreter sieben christlicher Glaubensgemeinschaften haben den neuen britischen Premierminister Boris Johnson vor einem EU-Austritt ohne Deal gewarnt. Dieser würde die sozial Schwächsten der Gesellschaft am härtesten treffen. „Wir fühlen uns verpflichtet, schriftlich unsere Bedenken über Ihre Position auszudrücken, dass es hinnehmbar sei, die Europäische Union ohne Deal zu verlassen“, heißt es in einem Schreiben. Unterzeichnet wurde es von Vertretern der Methodisten, der Union der Baptisten, der Heilsarmee, der Kirche von Schottland, der Schottischen Episkopalkirche, den Quäkern in Großbritannien sowie der United Reformed Church.

Lesen Sie auch:

Riesige und womöglich lähmende Störung durch No-Deal-Brexit

Die Verfasser des Aufrufs weisen darauf hin, zahlreiche Daten und Statistiken würden nahelegen, dass der ärmste Teil der britischen Gesellschaft einen No-Deal-Brexit massiv zu spüren bekäme. Das Vereinigte Königreich importiere täglich 10 000 Container mit Nahrungsmitteln vom europäischen Festland. Diese seien Teil einer „langen und komplexen“ Versorgungskette. Selbst die geringsten Störungen hätten in der Vergangenheit ernste Folgen nach sich gezogen. „Ein Brexit ohne Deal wird eine riesige und womöglich lähmende Störung hervorrufen“, heißt es in dem Schreiben.

Auch in den Bereichen der Energie- und Gesundheitsversorgung seien die Briten auf die EU angewiesen, so die Unterzeichner weiter. Wenn man annehme, die EU sei hier auch nach einem ungeregelten Austritt zur uneingeschränkten Zusammenarbeit bereit, gehe man ein hohes Risiko ein. Auch hier wiederum stünden die Bedürfnisse der Ärmsten Bürger und Gemeinden auf dem Spiel.

"Die Folgen eines No-Deal-Brexit sind
im besten Falle äußerst unsicher,
im schlimmsten Falle sehr besorgniserregend"

„Die Folgen eines No-Deal-Brexit sind im besten Falle äußerst unsicher, im schlimmsten Falle sehr besorgniserregend.“ Dies belegten zahlreiche Daten und Erfahrungswerte durch die tägliche Arbeit der Religionsgemeinschaften in den einzelnen Gemeinden. Diese begründeten Bedenken abzutun, ohne Beweise für das Gegenteil zu liefern, sei „gefährlich wie unangemessen“. Daher fordern die Unterzeichner Premierminister Johnson dazu auf, Beweise dafür vorzulegen, dass ein Brexit ohne Deal keinen Schaden für die Ärmsten der Bevölkerung zur Folge habe.

Der konservative Politiker Boris Johnson war jüngst zum neuen Vorsitzenden seiner Partei gewählt und als neuer Premierminister vereidigt worden. Wie gesetzlich beschlossen strebt der 55-Jährige einen Brexit spätestens bis zum 31. Oktober an, auch wenn bis dahin keine Einigung mit der EU erzielt worden ist.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz Boris Johnson Brexit Heilsarmee

Weitere Artikel

Premierminister Keir Starmer und die Labour-Partei kämpfen am Abgrund. Auf der anderen Seite lacht Nigel Farage. Nun könnte es durch eine Nachwahl zur Palastrevolte kommen.
29.05.2026, 15 Uhr
Claudia Hansen
Der Labour-Premier stolperte nicht alleine über eigene Fehler, sondern auch über die Wirklichkeit eines in den Ruin getriebenen Landes.
22.06.2026, 14 Uhr
Stephan Baier
Die Mandelson-Epstein-Affäre stürzt den britischen Premierminister in seine bisher tiefste Krise. Es geht um nicht weniger als sein politisches Überleben.
11.02.2026, 17 Uhr
Claudia Hansen

Kirche

In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser
Dass die katholische Kirche angesichts der Krise in Ceuta als Stimme der Vernunft wahrgenommen wird, liegt vor allem an Erzbischof Rocha. Er appelliert an den gesunden Menschenverstand.
11.08.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Die Laienpredigt ist vom Vatikan nicht erlaubt. Wenn er davon erfahre, dass nicht geweihte Menschen predigten, werde er aber nicht disziplinarisch eingreifen, so der Mainzer Bischof.
11.08.2026, 06 Uhr
Meldung