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Trump verspielt gerade sein politisches Kapital

Ob eingefleischte MAGA-Anhänger oder wertkonservative Katholiken: Der US-Präsident tritt zahlreichen Unterstützern auf den Schlips. Damit schadet er seiner Partei und dem Land.
Donald Trump im Weißen Haus
Foto: IMAGO/AdMedia (www.imago-images.de) | Egal, wie es mit US-Präsident Donald Trump und der MAGA-Bewegung weitergeht, man wird ihm keine Träne hinterherweinen müssen.

Donald Trump bekommt gerade reichlich Gegenwind: Seine Schimpftiraden gegen Papst Leo XIV. sowie ein KI-generiertes Bild, das den US-Präsidenten als Christusfigur zeigt, haben nicht nur bei Katholiken weltweit für Kopfschütteln und Empörung gesorgt. Die für Trumps Verhältnisse noch relativ harmlosen verbalen Entgleisungen und die inzwischen wieder gelöschte Jesus-Darstellung passen aber zur Großwetterlage, in der sich der bald 80-jährige Herrscher des Weißen Hauses befindet: Er verspielt gerade sein politisches Kapital.

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Noch immer hallen Trumps Worte während seiner Amtseinführung unter der Rotunde des Kapitols im Januar des vergangenen Jahres nach: Ein goldenes Zeitalter erwarte Amerika. Und in der Tat, zwischenzeitlich sah es danach aus, als könnte dem politischen Quereinsteiger Trump ein Kunststück gelingen, an dem zuvor nahezu alle Berufspolitiker des Landes gescheitert waren. Der Dealmaker aus New York war im Begriff, eine Koalition zusammenzuzimmern, die die zahlreichen heterogenen Gruppen der US-Gesellschaft, die sich nicht als linksprogressiv verstehen, unter einem Dach vereinte. Eine neue republikanische Ära unter dem Leitwort des Trumpismus schien in greifbarer Nähe.

Der Kern der Trump-Unterstützer droht zu schmelzen

Heute manifestieren sich erhebliche Zweifel daran. Um zu verstehen warum, lohnt ein Blick auf die Koalition, die Trump ins Amt verhalf. Dessen Wähler sind bis heute nicht ideologisch deckungsgleich. Um es mit einem vereinfachenden Modell darzustellen: Man kann sich Trumps Wählerschaft als konzentrische Kreise vorstellen, die sich mit mehr oder weniger enger Bindung an Trump um einen harten Kern formieren. Dass sich Trump gerade tatsächlich Sorgen um den Fortbestand seiner Bewegung machen muss, liegt hauptsächlich daran, dass die Absetzbewegungen nicht nur in den äußeren Kreisen stattfinden, sondern dass der Kern zu schmelzen droht.

Jenen Kern bildet die MAGA-Bewegung, die orthodoxen, hartgesottenen Trump-Republikaner, die ihrem Anführer bedingungslos zu folgen schienen. Wie viele seiner Anhänger dachten sie, von Trump endlich auch das zu bekommen, wofür sie ihn gewählt hatten. Und wofür hatten sie ihn gewählt? Primär dafür, Amerikas Interessen wieder an oberste Stelle zu setzen, ergo: nicht mehr in endlose Kriege und Auslandseinsätze verwickelt zu werden, wie es vor allem unter der Führung neokonservativer Präsidenten wie George W. Bush der Fall war. Seit dem Vorgehen gegen Venezuela und insbesondere dem Krieg gegen den Iran fühlen sie sich von Trump hinters Licht geführt. Dass ausgerechnet der Präsident, der ihnen verheißungsvoll den Isolationismus predigte, derzeit wie ein lupenreiner Neokonservativer agiert, muss ihnen wie bitterböse Ironie vorkommen. Marjorie Taylor Greene, Megyn Kelly, Tucker Carlson: Die Liste der Abtrünnigen ließe sich weiter fortsetzen. 

Einen der Kreise mit loserer Bindung an Trump stellen unter anderem konservative US-Katholiken dar. Viele von ihnen fanden sich mit Trumps persönlichen Makeln ab, ja begrüßten sogar dessen disruptive Züge – in der Hoffnung, beim Lebensschutz und der Stärkung der Religionsfreiheit einen Verbündeten im Oval Office zu haben. Was Trumps bisherige Bilanz beim Kampf gegen Abtreibung angeht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Einig sind sich nahezu alle Katholiken in der Einschätzung, dass der US-Präsident mit seiner jüngsten Verunglimpfung des Papstes sowie mit seiner mehr als fragwürdigen Jesus-Darstellung eine Grenze überschritten hat. Einer Umfrage des in Washington ansässigen „Pew Research Center“ zufolge sank Trumps Zuspruch unter weißen US-Katholiken schon im Januar dieses Jahres von 51 Prozent im Vorjahr auf 46 Prozent. Es ist anzunehmen, dass die Unterstützung in dieser Gruppe nun weiter sinken wird. Dabei machen Katholiken einen mächtigen Wählerblock aus. Wenn er denkt, auf sie verzichten zu können, dürfte sich Trump täuschen.

Kaum Verbesserungen für die Durchschnittsbürger

Nicht zu vergessen sind auch die Wähler aus der Arbeiterschicht, die sich im Grunde simple Dinge von Trump erhoffen: Sie wollen als Bürger ernst genommen, und nicht von einer abgehobenen Polit-Elite vertreten werden, sie wollen einen bezahlbaren Lebensunterhalt bestreiten, wollen, dass die Interessen einzelner Minderheiten nicht auf Kosten der Mehrheit durchgefochten werden. Bislang spüren sie aber kaum Verbesserungen – abgesehen von der Abkehr von zahlreichen, oft als „woke“ bezeichneten Fehlentwicklungen im Land gleich zu Beginn von Trumps Präsidentschaft.

Einen ersten Denkzettel droht Trump bei den Zwischenwahlen im November verpasst zu bekommen. Zwei Jahre später muss nicht mehr er selbst, sondern sein republikanischer Nachfolger sich dem Wählervotum stellen. Der häufig als Trumps „Kronprinz“ titulierte Vizepräsident J.D. Vance befindet sich gerade in einer undankbaren Position: Es gilt als gesichert, dass er außenpolitisch derzeit vieles anders sieht als sein Chef. Und auch zu verbalen Attacken gegen Papst Leo würde sich der gläubige Katholik Vance wohl kaum hinreißen lassen. Gleichwohl kann er dies nicht offen zur Sprache bringen, ohne dass man ihm unterstellen würde, aktiv am Putsch gegen seinen Vorgesetzten zu arbeiten. Und so verteidigt er Trumps Papst-Kritik, wenn er sie auch in diplomatischere Worte kleidet. Andererseits: Wie lange wird er diese Form der Nibelungentreue zu Trump aufrechterhalten, wenn immer mehr einstige Unterstützer dem zunehmend irrlichternden Präsidenten den Rücken kehren? Seine Chancen, 2028 ins Weiße Haus einzuziehen, hängen auch von diesem Drahtseilakt zwischen Treue und Distanz zu Trump ab.

Man wird Trump keine Träne hinterherweinen müssen

Egal, wie es mit Trump und der MAGA-Bewegung weitergeht, man wird ihm keine Träne hinterherweinen müssen. Denn anders als die eingefleischten Anhänger des ehemaligen Immobilienunternehmers, die teilweise einem regelrechten Personenkult frönten, stehen für wertkonservative Katholiken nicht die Person im Vordergrund, sondern einzig und allein die politischen Inhalte. Mochte er manchen anfangs noch Hoffnung machen, hat Trump inzwischen auch auf inhaltlicher Linie ziemlich enttäuscht.

Allerdings besteht die Gefahr, dass eine republikanische Partei, die sich in den letzten Jahren ganz Trump verschrieben hat, so schnell keinen „gemäßigteren“, aber gleichzeitig konkurrenzfähigen Nachfolger auftreiben kann. Zudem muss man damit rechnen, dass sich das Pendel, das eben noch stark nach rechts ausschlug, schon bald mit ähnlichem Schwung nach links zurückbewegt. Demokraten wie Kamala Harris oder der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani lieferten zuletzt schon einen Vorgeschmack darauf, was das bedeuten könnte. 

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