Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Trump schießt den Vogel ab

Infantil, peinlich, dumm: Mit seinen geschmacklosen Entgleisungen im Netz schadet der US-Präsident seiner eigenen Partei.
Geschmackloses KI-Video von Donald Trump
Foto: IMAGO / Bestimage | US-Präsident Donald Trump in einem KI-generierten Video als König des Dschungels. Unten links in der Ecke: Amtsvorgänger Barach Obama als Affe.

Donald Trump sollte die Finger von künstlicher Intelligenz lassen. Denn bislang sah man nur die infantile, mindestens peinliche, im schlimmsten Fall dümmste Seite des US-Präsidenten, wenn er auf seinen Social-Media-Accounts KI-generiertes Bild- und Videomaterial von zweifelhaftem Niveau in die Welt hinausblies. Man sah ihn als Papst, man sah ihn als „King Trump“, man sah ihn in einem Flugzeug sitzend Fäkalien auf Demonstranten abwerfen. Selbst Wohlmeinende konnten da bestenfalls müde lächeln, mit dem Kopf schütteln und die Augen verdrehen. Klar, Trump halt. 

Lesen Sie auch:

Doch für viele Konservative dürfte die bisherige Trump-Begeisterung zunehmend zum „guilty pleasure“ werden. Jüngstes Beispiel: Kürzlich belebte Trump seinen alten Groll gegen die Obamas mit einem KI-Videoschnipsel auf seinem Kanal bei „Truth Social“, in dem die Köpfe des Ex-Präsidenten Barack Obama und von dessen Ehefrau Michelle auf Affenkörper montiert waren. Musikalisch untermalt ist die Dschungelszene mit der Melodie „The Lion Sleeps Tonight“.

Trump ist nicht der König des Dschungels

Alles halb so wild? Das Video wurde inzwischen gelöscht, Trump fühlt sich nicht verantwortlich, hochgeladen hat es angeblich ein Mitarbeiter aus seinem Team, erstellt worden sei es auch schon vor Monaten – und zwar von einem anderen einflussreichen Meme-Account. Mag alles stimmen. Natürlich will es am Ende keiner gewesen sein, wenn eine plumpe, rassistische Entgleisung in beiden politischen Lagern für Empörung sorgt.

Egal, wie die Befehlskette im Falle dieses präsidentiellen Posts aussah: Trump muss auch für die Missetaten seiner Mitarbeiter haften. So wie Eltern für ihre Kinder. Die Frage ist, wer für Trump haftet, wenn er bis zu den Zwischenwahlen im November so viel Porzellan zerschlägt, dass die Wählerkoalition, die ihm 2024 einen ziemlich deutlichen Sieg ermöglichte, die Reihen nicht mehr hinter ihm schließt. 

So gerne er es auch wäre, Trump ist nicht der König des Dschungels, er ist eine lahme Ente in der Mitte seiner letzten Amtszeit, die mitansehen muss, dass es längst darum geht, wer seine Nachfolge antritt. Dabei könnte er doch, um im Tierreich zu verweilen, zumindest ein Zugpferd für seine Partei sein. Doch alle Umfragen deuten darauf hin, dass den Republikanern die Felle davonschwimmen. Vielleicht sollten sie sich besser nach jemandem umschauen, der das wild gewordene Social-Media-Biest im Weißen Haus zähmen kann. 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz

Kirche

Die katholische Kirche in Venezuela dringt auf einen demokratischen Neubeginn. Die Erträge der Ölindustrie müssten dem Gemeinwohl dienen – nicht parteipolitischen Interessen.
10.02.2026, 16 Uhr
José García
Bei der Synodalversammlung blieben die potenziellen Bätzing-Nachfolger weitgehend zurückhaltend. Ein Spiegelbild synodaler Ermüdung – und strategischer Zurückhaltung?
10.02.2026, 06 Uhr
Dorothea Schmidt
Das Leben mit Gott ist tiefer. Echter. Wahrhaftiger. Die Reise mit ihm kann herausfordernd sein. Doch er führt immer in das gelobte Land.
10.02.2026, 07 Uhr
Theresia Mair
Vor 75 Jahren fand der erste Kongress „Kirche in Not“ statt. Aus der Flüchtlingshilfe entwickelte sich ein internationales Forum für Religionsfreiheit.
07.02.2026, 15 Uhr
Volker Niggewöhner