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„Ein gewaltiger Sieg für den gesunden Menschenverstand“

Schottisches Parlament stimmt in finaler Abstimmung gegen Legalisierung der Suizidhilfe. Drei Abgeordnete ändern ihre Meinung und bringen so das sicher geglaubte Gesetzesvorhaben zu Fall.
Das schottische Parlament „Holyrood"
Foto: Wikicommons/gemeinfrei | Das schottische Parlament „Holyrood": Der Gesetzesentwurf, der den Titel „Assisted Dying for terminally ill adults (Scotland) Bill“ trägt, war im März 2024 von Liam McArthur, einem liberaldemokratischen Abgeordneten, ...

Es ist eine kleine Sensation: In der finalen Abstimmung hat das schottische Parlament in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nach einer dreistündigen, äußerst emotional geführten Debatte einen Gesetzesentwurf verworfen, der den assistierten Suizid legalisiert hätte. 69 Abgeordnete stimmten gegen den Gesetzesentwurf, 57 dafür.

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Lange Zeit hatte es ganz anders ausgesehen. Der Gesetzesentwurf, der den Titel „Assisted Dying for terminally ill adults (Scotland) Bill“ trägt, war im März 2024 von Liam McArthur, einem liberaldemokratischen Abgeordneten, der die Orkney-Inseln im schottischen Parlament vertritt, eingebracht worden. Im Mai 2025 ebneten die Abgeordneten des Holyrood, wie das schottische Parlament auch genannt wird, mit 70 zu 56 Stimmen der Gesetzesvorlage den Weg in die zweite Lesung. Vor der finalen dritten Lesung stimmten die Abgeordneten über 175 Änderungsanträge ab, und dann das: Drei Abgeordnete änderten öffentlich ihre Meinung und stimmten in der entscheidenden Abstimmung gegen den Gesetzesentwurf.

Britische Lebensrechtler zeigen sich erleichtert und zufrieden

Der Geschäftsführer der britischen Lebensrechtsorganisation „Society for the Protection of Unborn Children“ (SPUC), John Deighan, zeigt sich nach der Abstimmung „erleichtert“. „Es ist eine großartige Nachricht, dass die Mitglieder des Parlaments zur Vernunft gekommen sind und diesen schrecklichen Gesetzentwurf entschieden abgelehnt haben. Dies ist ein gewaltiger Sieg für den gesunden Menschenverstand und echtes Mitgefühl.“ Die Debatte habe sowohl im schottischen Parlament als auch in der breiteren Öffentlichkeit deutlich gemacht, „wie gefährlich und schlecht durchdacht dieser Gesetzesentwurf war. Er wurde zu Recht verworfen“, so Deighan.

Zudem habe die Debatte gezeigt, dass es keine Möglichkeit gebe, „sichere“ Suizidhilfe anzubieten. Schutzbedürftige Menschen würden stets einem Risiko ausgesetzt, wenn Staat und Ärzteschaft sich dazu aussähen, das Leben von Menschen zu beenden. „Es ist eine Schande, dass so viel parlamentarische Zeit mit diesem Thema verbracht wurde, anstatt daran zu arbeiten, das Leben der Menschen zu verbessern. Hoffen wir, dass dieses Thema nun endlich ad acta gelegt wird und die Politiker ihre Energie darauf konzentrieren, sicherzustellen, dass wir allen Menschen Zugang zu moderner Schmerzlinderung und Palliativpflege von höchster Qualität bieten“, erklärte Deighan.

Unterlegener Initiator kündigt neuen Anlauf an

Dagegen zeigte sich der Abgeordnete Liam McArthur, der lange wie der sichere Sieger ausgesehen hatte, nach der Abstimmung gegenüber der BBC „am Boden zerstört“. Er kündigte jedoch an, die Debatte werde trotz der Niederlage im Parlament „nicht verschwinden“. Jeder zukünftige Versuch, das Thema wieder aufzugreifen, müsste mit einem neuen Gesetzentwurf und in einer neuen Legislaturperiode von vorne beginnen. Und um das tun zu können, müsste McArthur bei den Parlamentswahlen am 7. Mai erst einmal wiedergewählt werden.

Auch für Toby Porter, Geschäftsführer der „UK Hospice“, ist das Thema mit der verlorenen Abstimmung noch nicht vom Tisch. „Über 60.000 Menschen sterben jedes Jahr in Schottland, und die Zahl der Menschen, die Palliativpflege benötigen, steigt rapide an. Die Sterbehilfe wird vielleicht nicht nach Schottland kommen, aber Investitionen in Hospize und Palliativpflege müssen trotzdem erfolgen“, sagte Porter der BBC. Es sei „entscheidend, Wahlmöglichkeiten, Würde und Mitgefühl am Lebensende zu gewährleisten“.

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Stefan Rehder Lebensschutz

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