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SED-Forscher Schroeder: Deutsche haben kaum Wissen über DDR

Obwohl sie eine Diktatur war, genießt die DDR heute ein vergleichsweise gutes Image. Der Politikwissenschaftler Klaus Schroeder meint: Die Auseinandersetzung mit dem SED-Staat habe keinen festen Platz im historischen Gedächtnis.
60 Jahre nach dem Mauerbau
Foto: Jörg Carstensen (dpa) | Die Porträts von Menschen, die bei der Flucht aus der DDR in den Westen ums Leben kamen, sind an Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße zu sehen.

Der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat,Klaus Schroeder, konstatiert 60 Jahre nach dem Mauerbau und drei Jahrzehnte nach der Deutschen Einheit bei den Deutschen ein sehr geringes Wissen über die DDR. Dies gelte für die Bevölkerung insgesamt, insbesondere aber auch für die junge Generation. Im Gespräch mit der Tagespost meint der Politikwissenschaftler: „Je mehr man nach Westen kommt, umso geringer sind die Kenntnisse.“

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Viel Gesinnung, wenig Wissen

Zudem stellt Schroeder fest, dass die Auseinandersetzung mit dem SED-Staat keinen festen Platz im historischen Gedächtnis der Deutschen habe. „Die Menschen interessieren sich nicht für die DDR.“ Stattdessen würden sie sich sagen: „Nordrhein-Westfalen etwa ist doch viel größer als die DDR. Warum soll ich mich damit beschäftigen?“

Schroeder, der auch zahlreiche Bücher zur DDR verfasst hat, ist der Ansicht, dass auch das Wissen über das NS-Regime bei jungen Bürgern „eher oberflächlich“ sei. Im Schulunterricht werde das Thema zwar intensiv behandelt. „Aber wirkliche Kenntnisse erwerben die Schüler nicht.“ Generell scheine bei vielen jungen Leuten heute die Devise zu gelten: Viel Gesinnung, wenig Wissen. „Die quatschen einfach eben schnell etwas nach“, so Schroeder.

Auf die Frage, warum die DDR heute ein vergleichsweise gutes Image habe, obwohl sie eine Diktatur war, antwortet Schroeder: „Das hängt damit zusammen, dass man gemeinhin denkt, in der DDR habe ein hohes Maß an Egalität geherrscht.“ Oft werde die Frage gestellt: „Haben Frauen und Männer in der DDR das Gleiche verdient, bekamen Frauen gar fünf Prozent mehr Lohn oder wurden sie 16 Prozent schlechter bezahlt?“ Die meisten würden sagen, dass der Lohn gleich gewesen sei. Tatsächlich hätten Frauen aber 16 Prozent weniger verdient.  DT/mlu

Welche Konsequenzen nach Ansicht Schroeders für die politische Bildung gezogen werden müssen, erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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