Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung

Religionsvertreter kritisieren Verlegung von Weihnachtsfeier

Religion dürfe nicht aus der Schule ausgeschlossen werden, heißt es aus kirchlichen Kreisen. Kritik kommt von christlichen wie muslimischen Religionsvertretern.
Gerichtshof: Kruzifixe bleiben in Klassenzimmern
Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa) | Ein Kreuz im Klassenzimmer einer Grundschule hinter dem Lehrerpult mit Schulheften.

Die angeblich auf Kritik einer muslimischen Schülerin zurückgehende Verlegung einer Weihnachtsfeier an einer Schule in Lüneburg stößt bei christlichen und muslimischen Religionsvertretern auf Unverständnis.
Dass eine schulische Weihnachtsfeier nicht während der Unterrichtszeit stattfinden könne, finde er „schade und auch etwas absurd“, sagte der Hildesheimer katholische Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Der Leiter des Katholischen Büros Niedersachsen, Felix Bernard, verwies auf Paragraf  2 des Schulgesetzes, wonach ausdrücklich das Christentum Grundlage der Erziehung sei: „Religiöse Musik gehört zu unserem kulturellen Erbe - sonst wäre es auch nicht mehr möglich, Bach-Kantaten im Musikunterricht zu behandeln.“

Die evangelische Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track erklärte im Gespräch mit der Zeitung, Religion müsse in Schulen zwar sensibel behandelt werden, doch bedeute das gerade nicht den Ausschluss von Religion aus der Schule. Es brauche vielmehr eine „religionssensible Vermittlung der adventlichen und weihnachtlichen Inhalte“. Das gehöre zu den Grundpfeilern der Gesellschaft. Skeptisch äußerste sich auch der Vorsitzende der Schura, also des Rates islamischer Gemeinschaften, Recep Bilgen: Die Schule habe vorschnell gehandelt und eine unnötige Diskussion angestoßen. Solche Absagen könnten Vorurteile gegenüber Muslimen eher schüren, warnte Bilgen.

Am Dienstag war die Verlegung der Weihnachtsfeier am Gymnasium Johanneum in Lüneburg auf einen Termin außerhalb der Unterrichtszeit bekannt geworden. Wie der NDR zunächst berichtet hatte, sei dies aufgrund der Kritik einer muslimischen Schülerin erfolgt, die sich im Vorjahr über das Singen christlicher Weihnachtslieder beschwert habe. Medienberichte, wonach der Schulleiter die Verlegung inzwischen mit einem Personalwechsel im Kollegium erklärt habe, konnten am Mittwoch zunächst nicht bestätigt werden. Die Schule war für eine Stellungnahme nicht mehr zu erreichen.

DT/KNA

 

Themen & Autoren
Christentum Evangelische Kirche Islam Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Kulturelles Erbe Weihnachtslieder

Weitere Artikel

Verfahren? Umkehr beginnt damit, den eigenen Kurs zu überprüfen.
16.12.2025, 00 Uhr
Redaktion
Der dritte Adventssonntag steht im Zeichen der freudigen Erwartung.
14.12.2025, 00 Uhr
Luzifer ist ein anderer Name des Teufels. Luzius hingegen ein christlicher Heiliger. Was er mit dem Advent zu tun hat?
02.12.2025, 00 Uhr
Redaktion

Kirche

„Die größte Herausforderung besteht darin, sich die Bedeutung der Taufe bewusst zu machen": Der Vorsitzende der Spanischen Bischöfe, Erzbischof Luis Argüello über Evangelisierung.
16.01.2026, 17 Uhr
Regina Einig
Papst Leo XIV. behandelt das letzte Konzil bei seinen Audienzansprachen. Dabei zeigt er sich als ein vorsichtiger Brückenbauer.
16.01.2026, 15 Uhr
Urs Buhlmann
Er widersetzte sich der arianischen Lehre im vierten Jahrhundert. Kaiserliche Beamte nahmen den heiligen Melas von Rhinokorura darum fest. Zuvor bewirtete er sie wie Gäste.
16.01.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Der Pontifex setzt auf geistliche Autorität, präzise Analyse und ein Lehramt, das Einheit, Menschenwürde und Wahrheit verteidigt.
15.01.2026, 17 Uhr
Franziska Harter