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Politische Größe Taylor Swift: Der Popstar, der Populist und der Präsident

Millionen junge Menschen vertrauen einem Popstar mehr als gewählten Politikern. Wie Taylor Swift die Trumpisten das Fürchten lehrte.
Taylor Swifts Freund Travis Kelce hat mit den Kansas Chiefs den Superbowl gewonnen - und einmal mehr Swifts Einfluss zementiert.
Foto: Brynn Anderson (AP)

Es war einmal eine blonde Außenseiterin, die in ihrem Zimmer Lieder schrieb. Es war einmal ein Reality-TV-Star, der mit Immobilien ein Vermögen machte. Und es war einmal ein Präsident, der unbedingt noch einmal wollte. Die blonde Außenseiterin heißt Taylor Swift und beherrschte im Jahr 2023 die globale Aufmerksamkeit. Der Reality-TV-Star namens Trump wechselte 2016 auf die politische Bühne und avancierte zum „Enfant terrible“, was der Außenseiterin überhaupt nicht gefiel. Und der Präsident, Joe Biden, blieb, wie er schon immer war: gealtert, gemäßigt und nun gesalbt zum Hoffnungsträger des freien Europas und der demokratischen Elite Amerikas. Ach ja, und dann gab es noch einen Prinzen in strahlender Football-Rüstung: Travis Kelce, Quarterback der Kansas City Chiefs, NFL- Titelverteidiger, der sich in die blonde Pop-Königin verliebt hatte. 

Und so kam es dazu, dass Swift den Superbowl mit ihrer Anwesenheit beehrte, die Einschaltquoten in Rekordhöhe schossen und sich die Alpträume amerikanischer Konservativer zu bewahrheiten drohten: dass Swift für Biden die Wahl gewinnt. 

Joe Biden und Donald Trump: Ihre Präsidentschaft könnte davon abhängen, wie Taylor Swift vor den Wahlen agiert.
Foto: Jonathan Ernst/Stefan Jeremiah (Pool Reuters/AP) | Joe Biden und Donald Trump: Ihre Präsidentschaft könnte davon abhängen, wie Taylor Swift vor den Wahlen agiert.

Denn man muss es sich immer wieder vor Augen führen: Swift ist nicht mehr nur ein Popstar. Sie hat politischen Einfluss. Als sie im September auf Instagram ihre Follower dazu aufrief, zu wählen, registrierten sich 23 Prozent mehr Wähler als im Vorjahr. Bereits 2020 sprach sich Swift für die Demokraten in Tennessee aus: „Ich glaube an den Kampf für LGBTQ-Rechte, und dass jede Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlecht falsch ist“. Swift kritisierte damals auch den „systemischen Rassismus“ in den USA gegen „people of color“, erklärte ihre Unterstützung für den demokratischen Kandidaten und animierte zur Wahl, woraufhin sich tatsächlich 35.000 neue Wähler registrierten.

„Swifties“ für Biden interessante Wählergruppe

Swift erreicht mit ihrem mäßigen Kampf gegen Sexismus, Rassismus oder andere Formen von Diskriminierung eine für die Demokraten interessante Wählergruppe. Unter den „Swifties“, wie sich Swifts legionenhafte Fans nennen, tummeln sich tausende junger Frauen, Weiße, Schwarze und Latinos, aber auch LGBTQ-Personen: Gruppen, die Biden, wie es Umfragewerte nahelegen, bisher erfolglos umworben hat.

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Trump-Unterstützer gehen bisweilen so weit, zu unterstellen, der Sieg der Chiefs und Swifts Beziehung mit Kelce seien von Biden geplant gewesen. Biden sticht diese haltlose Behauptung aber nicht damit aus, dass er auf den sozialen Medien nach dem Chief-Sieg ein Meme von sich selbst mit Laseraugen und dem Titel „Genau wie geplant“ veröffentlicht. Der „Skandal“ um Swift ist vorgeschoben. In Wahrheit krankt der politische Diskurs in den USA, weil er nicht auf Sachlichkeit, sondern auf Show und Entertainment gesetzt hat.

Es ist es daher nicht überraschend, dass Swift, die dem Superbowl dieses Wochenende Zuschauerquoten in Rekordhöhe verschaffte, und als Freundin des Sieger-Quarterbacks Kelce sozusagen als Amerikas erfolgreichste Prom-Queen den Abend verließ, im Stadion von ungehaltenen Besuchern ausgebuht wurde – Gott bewahre, dass eine erfolgreiche Sängerin Menschen zur Wahl animiert und dabei ihre eigene Meinung kundtut. Denn dass die Zustände in den USA politisch so sind, wie sie sind, ist sicher nicht Swifts Schuld. Sondern die Verantwortung derer, die es so weit kommen ließen, dass Millionen junge Menschen einem Popstar mehr vertrauen als gewählten Politikern.

Sally-Jo Durney

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