FLUT IN DEUTSCHLAND

Mehr als nur Papier

Viele Dokumente sind von der Flut schwer beschädigt worden. Fachleute versuchen so viele Artefakte, wie nur möglich zu retten. Vor Ort geht es zunächst um Schadensbegrenzung.
Präsentation aus Flut gerettete Bildkunst
Foto: Harald Tittel (dpa) | Bilder, Dokumente, Bücher und Akten sind bei der Flut zum Teil schwer beschädigt worden und werden nun von Fachleuten gerettet.

An die Erhaltung wichtiger Dokumente, Bücher und Akten zu denken, erscheint inmitten der Flutkatastrophe, bei der viel zu viele Menschen ihr Leben verloren und tausende vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, zunächst ziemlich befremdlich. Doch die Dokumenten-Rettung ist unverzichtbar, denn die Schriftstücke, Bücher, Akten und Ordner – von wertvollen Kunstartefakten mal ganz abgesehen – sind das Gedächtnis einer Gemeinde, einer Ortschaft oder eines ganzen Landkreises. Nicht auszudenken, wenn so ein Gemeinde- oder Stadt-Gedächtnis von einem Augenblick zum anderen einfach komplett ausgelöscht wird.

Schaden begrenzen

Lesen Sie auch:

Expertenteams waren schnell vor Ort, um in den Flutgebieten Schadensbegrenzung zu betreiben. Da es wie in Bad Neuenahr-Ahrweiler in vielen betroffenen Orten aufgrund vollkommen inexistenter Infrastrukturen unmöglich war zu arbeiten, brachte man die meist bis zur Unkenntlichkeit verschlammten Dokumente nach einer Erstversorgung zur weiteren Behandlung nach Köln. Die Kölner Restauratoren und Archivare sind seit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 unfreiwillig Experten auf dem Gebiet der Dokumenten-Rettung, wie der WDR berichtete. Zeit ist bei der Rettung von Büchern, Akten und Co. der entscheidende Faktor. Je schneller Schlamm und Schmutz von einem Schriftstück entfernt werden, desto größer ist die Chance, es zu retten.

Vor Schimmel retten

Denn ist der Schlamm erst einmal festgetrocknet, wird er hart wie Beton und das Dokument ist für immer verloren. Hierfür werden die Fundstücke zuerst mit Schlauch und Handbrause abgespritzt. Auch hier ist schnelles Arbeiten gefragt, denn das starke Wässern führt bei Büchern unverzüglich zum sogenannten Ausbluten und Verlaufen der Schrift. Nach dieser ersten Säuberung werden die Dokumente in Plastikfolien verpackt und im Gefrierfach schockgefrostet. Durch diese Art der Konservierung sind Bücher, Akten und Co. erst einmal vor Schimmel sicher und man kann sie später in Ruhe restaurieren – neben dem Ausbluten ist Schimmel der zweite große Feind, den es bei der Restaurierung von Dokumenten zu besiegen gilt.

Beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs habe man auch noch Jahre später Dokumente gefunden, die gerettet werden konnten, so der WDR, das stimmt positiv und macht Hoffnung, dass den Kölner Experten auch dieses Mal die Rettung möglichst vieler Dokumente gelingt. Nicht, dass die Flut am Ende neben der Gegenwart und nahen Zukunft auch noch die Vergangenheit der betroffenen Ortschaften vollkommen zerstört.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
„Es ging so unfassbar schnell“: Die Flutwelle hat auch das Ahrtal schwer getroffen.
21.07.2021, 19  Uhr
Monika Metternich
Die Flut hat ganze Leben weggespült. In vielen Orten ist die Infrastruktur zerstört. Manchen fragen sich, ob sie nicht lieber an einen anderen Ort gehen sollen.
19.08.2021, 18  Uhr
Natalie Nordio
Themen & Autoren
Natalie Nordio

Kirche

Kirchliche Stimmen begrüßen die Aussicht auf besseren Lebensschutz Ungeborener – Deutscher Familienbischof kritisiert Härte der Auseinandersetzung .
03.07.2022, 19 Uhr
Maximilian Lutz
Wer lernt, überlebt: Was die Kirche in Deutschland vom Weltfamilientreffen mitnehmen sollte.
02.07.2022, 07 Uhr
Franziska Harter
Forschungsprojekt bringt einen Fall aus dem Erzbistum Paderborn ans Licht. Nach Angaben des Erzbistums hat Becker, zu jener Zeit Personaldezernent, gemäß der damaligen Rechtslage gehandelt.
01.07.2022, 11 Uhr
Meldung
Bischof Genn beurlaubt Dompropst Schulte nach Vorwürfen wegen grenzüberschreitendem Verhalten.
02.07.2022, 15 Uhr
Heinrich Wullhorst
Der klassische römische Ritus ist weder tot noch in seiner Existenz gefährdet. Daran ändert auch das neue Papstschreiben nichts.
30.06.2022, 11 Uhr
Regina Einig