Alle schauen im Moment auf den neuen Vorsitzenden. Doch genauso wichtig für die FDP ist neben Wolfgang Kubicki auch ihr neuer Generalsekretär: Martin Hagen. Traditionell ist es der Inhaber dieses Amtes, der sozusagen als Hausmeier seines großen Chefs in der Öffentlichkeit die Pflöcke einschlägt.
Nun ist Kubicki bekanntermaßen nicht auf den Mund gefallen, aber auf die programmatische Expertise seines Generals wird er gerne zurückgreifen. Schließlich hat er ihn auch deswegen von Anfang an in sein Team berufen, mit dem er auf dem Parteitag angetreten ist. Für welches Profil steht der 45-Jährige?
Politischer Lobbyist für mehr Freiheit
Am Anfang seiner politischen Karriere wurde er durch Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gefördert. Die ehemalige Bundesjustizministerin gilt, vor allem seitdem liberale Urgesteine wie Burkhard Hirsch und Gerhart Baum gestorben sind, als die Grand Dame des Bürgerrechtsliberalismus. Hagen werfen heute seine Kritiker vor, er wolle seine Partei nach rechts führen. Dabei zeigt er doch nur, wenn er etwa Kritik an der bisherigen Praxis der Brandmauer-Politik gegenüber der AfD übt, dass er Zweifel an den Folgen dieser Politik hat. Die AfD hat bekanntlich nicht bei ihren Umfragewerten eingebüßt. Wenn er also feststellt, ein Antrag sei nicht sofort verbrannt, nur weil auch die AfD zustimmen könnte, dann redet er ja nicht einem Bündnis mit dieser Partei das Wort. Sondern er stellt lediglich infrage, ob das bisherige Verfahren wirklich hilfreich war. Ist aber genau nicht so ein Infragestellen von vermeintlichen Gewissheiten eine Eigenschaft, die gerade liberale Freigeister auszeichnet?
Hagen jedenfalls sieht es so. Schon in seiner Zeit im bayerischen Maximilianeum, er führte dort die FDP-Fraktion, sah er seine Aufgabe darin, als politischer Lobbyist für mehr Freiheit aufzutreten. Das schärfte vor allem in der Corona-Zeit sein Profil, rettete die FDP aber trotzdem nicht davor, bei den Wahlen aus dem bayerischen Landtag rauszufallen. Zuletzt wirkte er nun als Geschäftsführer des konservativ-liberalen Thinktanks R21, wo Andreas Rödder und Kristina Schröder über eine neue bürgerliche Politik nachdenken.
Die FDP als Korrektiv
Die FDP war in der Geschichte der Bundesrepublik immer dann erfolgreich, wenn sie innerhalb des bürgerlichen Lagers eine bestimmte Funktion erfüllen konnte. Die Wähler, das mag die Verfasser von Wahlprogrammen grämen, machten bei ihr nicht das Kreuz, weil sie sich nach der reinen Lehre des Liberalismus sehnten, sondern weil sie in der FDP ein Korrektiv erkannten, das ihren jeweiligen größeren Partner entsprechend beeinflussen kann.
Heute stellt sich auch diese Aufgabe: Diejenigen, die von Merz enttäuscht sind, aber nicht zur AfD wollen, suchen eine politische Heimat. Hagen scheint das zu wissen.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.









