Hongkong

Kardinal Zen folgt seinem Gewissen

Stets folgte der Hongkonger Kardinal Joseph Zen Ze-kiun mutig seiner inneren Stimme. Seine Verhaftung ist der Preis dafür. Ein Kommentar.
Der Hongkonger Kardinal Zen
Foto: Vincent Yu (AP) | Dem Hongkonger Kardinal Zen wird „Staatsgefährdung“ und „Verschwörung mit fremden Mächten“ vorgeworfen.

Am Ende hat Kardinal Joseph Zen Ze-kiun doch Recht behalten. Zunächst warnte er vor dem Provisorischen Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und China vom September 2018, erneuert im Oktober 2020, über die Frage der Bischofsernennungen. Er befürchtete, dass etwaige Kompromisse gegenüber den Kommunisten, die bislang stets eine starre Haltung gezeigt haben, zu weit gehen könnten. In der Folge zeigte sich, dass sich Anhänger der Untergrundkirche vor dem Hintergrund des Abkommens gezwungen sahen, der offiziellen Katholisch-Patriotischen Vereinigung beizutreten.

"Sie können alles mit Ihnen machen"

Die verbleibenden Untergrundkatholiken gerieten so noch stärker unter Druck. Inhaftierte Bischöfe blieben hinter Gittern, andere wurden dorthin verbracht: Bischof Joseph Zhang Weizhu von Xinxiang in der chinesischen Provinz Henan wurde am 21. Mai 2021 festgenommen, nachdem er sich strikt geweigert hatte, der staatlich kontrollierten Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung beizutreten.  

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Kardinal Zen befürchtete sodann vor zwei Jahren weiteres Unheil durch die Einführung des Nationalen Sicherheitsgesetzes in Hongkong: wesentliche Freiheitsrechte in der chinesischen Sonderverwaltungszone würden eingeschränkt. Das Gesetz sei beängstigend. „Auf dieser Grundlage können sie alles mit Ihnen machen“, sagte er damals im Interview. Zivilgesellschaftliches Engagement geriet unter Verdacht der „Staatsgefährdung“ und „Verschwörung mit fremden Mächten“.

Nach dem Gewissen reden und handeln

Nun wird dem Kardinal – zusammen mit drei weiteren Kuratoriumsmitgliedern der Stiftung "612 Humanitarian Relief Fund" - Letzteres vorgeworfen. Sie haben Pro-Demokratie-Aktivisten zum Anspruch auf Rechtsschutz verholfen, wie es die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vorsieht. Die 2019 gegründete Organisation ermöglichte den Verfolgten mit Spenden, sich anwaltlichen Beistand zu nehmen und wurde im vorigen Jahr nach Ermittlungen aufgelöst. 

Auf die Frage, ob er selbst Konsequenzen fürchte, antwortete Zen 2020: „Furcht ist jedoch kein guter Ratgeber. Wir müssen nach unserem Gewissen reden und handeln.“ Mutig ist Zen weiter seiner inneren Stimme gefolgt

Lesen Sie weitere Hintergründe über Kardinal Zen und dessen Verhaftung in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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