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Erziehungswissenschaftler kritisiert DDR-Krippensystem

Die Krippenbetreuung habe sich negativ auf physische und psychische Gesundheit ausgewirkt – und auch sprachliche und kognitive Entwicklung beeinträchtigt, so der Erfurter Erziehungswissenschaftler von Rosenberg.
Kinderkrippe in der Max-Beer-Straße in Berlin
Foto: imago stock&people | DDR-Krippenforscher würden die Aufnahme in die Krippen als einen „physischen und psychischen Schock“ beschreiben, so von Rosenberg. Im Bild: Kinderkrippe in der Max-Beer-Straße in Berlin.

Der Erziehungswissenschaftler Florian von Rosenberg übt Kritik an der Krippenbetreuung in der DDR. „Säuglingsdauerheim wie Wochenkrippe sind mit tragischen Schicksalen verbunden, aber auch die Tageskrippen waren nicht unproblematisch“, so von Rosenberg im Gespräch mit dieser Zeitung. „In den Wochenkrippen wurden die Kinder am Montagmorgen abgegeben und blieben dort bis Freitag- oder Samstagnachmittag.“

"Oft tiefe Verletzungen hinterlassen"

Diese Form der Krippenbetreuung auch über die Nacht sei heute schwer vorstellbar, weil die Kleinkinder dauerhaft von ihren Eltern getrennt leben mussten. „Die Beziehung zu ihren Eltern löste sich vielfach, weil sie eben in einer prägenden Phase der Kindheit die ganze Woche über auf Vater und Mutter verzichten mussten“, so von Rosenberg. Manche Kinder hätten ihre Eltern am Wochenende wie Fremde wahrgenommen. „Die sich wöchentlich wiederholenden Trennungen am Montagmorgen waren für beide Seiten schmerzlich und haben oft tiefe Verletzungen hinterlassen“, meint der 42-Jährige, der seit 2016 Universitätsprofessor für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Erfurt ist.

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DDR-Krippenforscher würden die Aufnahme in die Krippen als einen „physischen und psychischen Schock“ beschreiben, so von Rosenberg weiter. „Die mittelfristigen Wirkungen zeigten sich nicht nur in der psychischen Entwicklung, sondern beispielsweise auch in der Gewichts- und Längenentwicklung der Kinder.“ Zudem sei auch die gesundheitliche Entwicklung in Krippen anders als in Familien verlaufen: „Krippenkinder wurden häufiger krank, weil eine im Vergleich zur Familienbetreuung größere Zahl an gleichzeitig betreuten Kindern zu höheren Infektionsrisiken führte.“

Auch die sprachliche und kognitive Entwicklung der Kinder sei von der Krippenbetreuung beeinflusst worden. Die Erkenntnisse der Krippenforscher zeigten sehr deutliche Entwicklungsverzögerungen der Krippenkinder gegenüber den Familienkindern. „Die Kinder, die familiär betreut wurden, entwickelten sich besser als die Krippenkinder und die Kinder in Tageskrippen wiederum besser als die Kinder in Wochenkrippen und Säuglingsdauerheimen“, so von Rosenberg. Tageskrippenkinder schnitten in Tests schlechter ab als die Familienkinder, die Wochenkrippenkinder wiederum schlechter als die Tageskrippenkinder. Am Schlechtesten seien die Ergebnisse der Kinder in den Säuglingsdauerheimen gewesen. „Man kann also sagen, je weniger Zeit die Kinder in den Familien verbrachten, desto schlechter waren ihre Entwicklungswerte in diesen Bereichen.“  DT/mlu

War das Krippensystem von der Bevölkerung gewollt oder war es staatlich verordnet? Gab es auch Kritik daran? Lesen Sie dazu das ausführliche Interview in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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