Es geschah am 28. Juli 2026. Nach ihrem knappen Wahlsieg über einen linken Kandidaten wurde Keiko Sofía Fujimori Higuchi vor dem aus zwei Kammern bestehenden Kongress Perus, dem „Congreso de la República“, als Staatspräsidentin vereidigt. Bei ihrer Vereidigung versprach die Katholikin: „Ich schwöre, dass ich, bei Achtung der Religionsfreiheit, die Bedeutung der katholischen Kirche bei der kulturellen und moralischen Bildung Perus anerkennen und dass ich unermüdlich für ein sicheres, prosperierendes und geeintes Land arbeiten werde.“
In ihrer Antrittsrede sagte sie: „Ich danke Gott und lege die Arbeit, die wir heute für Peru beginnen, in Seine Hände. Ich bitte Ihn um Weisheit bei Entscheidungen, um die Stärke der Beharrlichkeit und darum, nie zu vergessen, dass die Macht nur Sinn hat, wenn man sie ausübt, um zu dienen.“ Auch kündigte sie an, dass eines der Ziele ihrer Regierung sein würde, „die Lebensqualität aller Peruaner zu verbessern, von der Schwangerschaft bis zum Alter“.
Kann Fujimori Peru in eine bessere Zukunft führen?
Die Bedeutung der Kirche, Sicherheit, Gott, Schutz der Peruaner bereits im Mutterleib – sind das nur Floskeln einer politisch rechtsstehenden Kandidatin zur Absicherung ihrer Macht bei einer immer noch weitgehend katholischen Bevölkerung oder ist das ernst gemeint? Der peruanische Universitätsdozent Fernando Zegarra Aguilar, Theologe und Philosoph, fasst die vergangenen Jahre so zusammen: „Die Wahlen von 2026 wurden abgehalten, nachdem Peru sechs Präsidenten in sechs Jahren hatte, obwohl die verfassungsgemäße Amtsdauer eines Präsidenten in Peru fünf Jahre dauert. Das liegt an einem Konglomerat von Korruption und anderen unmoralischen Akten, welche dem peruanischen Kongress als Argument für die verfassungsgemäße Amtsenthebung dienten.“ Korruption, Misswirtschaft, ein Putschversuch und die explodierende Gewalt krimineller Organisationen mit Schutzgelderpressung und Auftragsmorden – eine Kriminalität, in die auch Vertreter des Staates verwickelt sind – haben Peru in eine handfeste politische Krise gestürzt.
Die Frage ist nun, ob die neue Präsidentin Keiko Fujimori es schafft, Peru in eine bessere Zukunft zu führen. Erste Regierungsmaßnahmen zeigen, dass sie die organisierte Kriminalität mit harter Hand besiegen will: Dazu zählt die Ausrufung des Ausnahmezustands zur Bekämpfung der Kriminalität in der Hauptstadt und anderen Regionen, was den Einsatz des Militärs im Innern ermöglicht und das Recht auf Unverletzlichkeit der Wohnung für Hausdurchsuchungen einschränkt. Dazu kommt der Beitritt Perus zum „Shield of the Americas“, einem im März 2026 von US-Präsident Donald Trump gegründeten Bündnis zur Bekämpfung der Drogenkartelle, dem mittlerweile 19 amerikanische Staaten angehören und das eine militärische und geheimdienstliche Zusammenarbeit vorsieht. Schließlich die Schaffung einer neuen Einheit zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität, die aus Polizei und Militär besteht, sowie die Bekämpfung der illegalen Immigration, was vor allem die Venezolaner betrifft.
Das Thema Sicherheit ist ihr ein besonderes Anliegen
Fujimoris erste Staatsbesuche unterstreichen, dass das Thema Sicherheit ihr ein besonderes Anliegen ist. Ihr erster Staatsbesuch führte sie in die USA, wo sie Donald Trump traf, ihren zweiten unternahm sie nach El Salvador, einem mittelamerikanischen Staat, den dessen Präsident Nayib Bukele zu einem der sichersten Länder der westlichen Hemisphäre machte, nachdem es zuvor ein Land mit einer der höchsten Mordraten der Welt gewesen war.
In Peru gibt es nun täglich Nachrichten von der Festnahme von Gangmitgliedern teils internationaler Kartelle, auch werden Staatsdiener verhaftet, die mit den Kartellen zusammenarbeiteten. Antennen werden zerstört, die die Kommunikation von verhafteten Kriminellen mit der Außenwelt ermöglichten, Ausländer ohne Aufenthaltserlaubnis werden von Sicherheitskräften festgesetzt.
Was wird Papst Leo XIV. in Peru zu den politischen Entwicklungen sagen? Er, der bereits 1985 nach Peru kam, kennt das Land und seine Probleme gut. Wird er das Vorgehen in der Verbrechensbekämpfung kommentieren? Wird er Keiko Fujimori bestärken oder kritisieren? Interessant wird zudem auch seine Begegnung mit dem peruanischen Episkopat und Klerus. Nicht nur, weil die katholische Kirche in der peruanischen Gesellschaft großes Gewicht hat und die peruanische Verfassung von 1993 der katholischen Kirche einen bevorzugten Status einräumt, ohne allerdings Peru als konfessionellen Staat zu deklarieren. Sondern weil es auch in der Kirche Perus schwerwiegende Probleme gibt.
Der Autor ist Hispanist und Historiker mit mehrjähriger Berufstätigkeit in Peru
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