Einen Moment lang schien es so, als sei US-Präsident Donald Trump zu einer zweiten iranischen Revolution entschlossen – diesmal gegen die in Teheran herrschende Mullah-Gerontokratie. 1979 kam diese in Gestalt des greisen Ayatollah Chomeini an die Macht, nachdem die unzufriedenen iranischen Massen die Herrschaft des amerikafreundlichen Schahs ins Wanken gebracht hatten. 2026 hätte das Jahr werden können, in dem die unzufriedenen iranischen Massen das von Chomeini errichtete Mullah-System hinwegfegen – mit US-amerikanischer Unterstützung und mit Blick auf den Sohn des früheren Schahs als Hoffnungsträger.
Indes, die Revolution scheint abgesagt. Trump hatte sich zwar rhetorisch an die Seite der Demonstranten gestellt und dem Regime in Teheran für den Fall weiteren Blutvergießens mit Gewalt gedroht. Doch am Freitag kam es im Sultanat Oman zu amerikanisch-iranischen Verhandlungen, die letztlich das Überleben des Mullah-Regimes sichern könnten. Dann nämlich, wenn Teheran in der Frage seines Atomprogramms, der Urananreicherung und des Raketenarsenals nachgibt. Nicht nur für Washington, sondern auch für Irans misstrauische Nachbarn im Orient ist essenziell, dass der Iran nicht in die Liga der Atommächte aufsteigt.
Es geht um Uran, nicht um Menschenrechte
Mehr noch: Die Türkei und Saudi-Arabien sind zwar – aus unterschiedlichen, mehr politischen als konfessionellen Gründen – die regionalen Antipoden des Iran, doch an einem neuen Nahostkrieg, an einer militärischen Eskalation oder gar an einem iranischen Staatszerfall haben sie kein Interesse. Also brachten sich Ankara und Riad als Vermittler ins Gespräch, weil sie in der Atomfrage den amerikanischen und bei der Deeskalation den iranischen Standpunkt teilen. Und so kam es zu den freitäglichen Verhandlungen im Sultanat Oman.
Noch ist nicht klar, ob ein US-Militärschlag gegen den Iran damit vom Tisch ist oder ob die Mächtigen in Teheran in der Uran- und Atomfrage zumindest für den Moment ausreichend einlenken. Klar ist aber bereits, dass das Wohl der iranischen Bevölkerung weder für die US-Administration noch für die regionalen geopolitischen Player im Umgang mit den Mullahs Priorität genießt. Den „Realpolitikern“ auf allen Seiten geht es jedenfalls nicht in erster Linie um die Menschenrechte.
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