Das Haus der CV-Verbindung Markomannia liegt traumhaft schön direkt am Main. Dort kamen am Donnerstagabend im Rahmen des Katholikentages zahlreiche katholische Kooperierte zusammen. Der Anlass: Die Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände, zu der sich der Cartellverband (CV), Kartellverband (KV), der Unitas-Verband (UV) und der Ring katholischer deutscher Burschenschafter zusammengetan haben, hat zu einem Empfang eingeladen. Festredner ist Joachim Herrmann. Der bayerische Innenminister ist seit Studientagen aktiv im CV: Mit der Tagespost spricht der CSU-Politiker über die Aufgaben, die er heute für katholische Studentenverbindungen sieht.
Herr Staatsminister, die katholischen Korporationen sind ja ein wichtiger Farbtupfer innerhalb des katholischen Lebens hier in Deutschland. Was zeichnet den aus?
Angesichts der allgemein schwindenden kirchlichen Bindungen sind sie weit mehr als nur ein Farbtupfer. Die Verbindungen stehen noch für wesentlich mehr. Die Vergangenheit und auch die Gegenwart beweisen: Sehr viele vielversprechende Akademiker erhalten hier eine wichtige Prägung. Und später übernehmen dann diese Akademiker in unserer Gesellschaft wichtige Funktionen, egal ob im Wissenschaftsbetrieb, in der Forschung oder in der öffentlichen Verwaltung. Ich bin sehr sicher, dass das auch in den kommenden Jahren so bleiben wird. Die Verbindungen haben schließlich auch einen prägenden Einfluss auf das kirchliche Leben in Deutschland. Unter den aktiven Studenten dort sind auch viele angehende Theologen, die etwa den Priesterberuf anstreben. Man darf also die Bedeutung der Verbindungen nicht unterschätzen. Sie ist vorhanden. Dies gilt auch dann, wenn sie vielleicht nicht an jedem Tag im Scheinwerferlicht der Medien stehen. Die Korporationen sind ein wichtiger Teil der katholischen Kirche in Deutschland.
Der Begriff „Elite“ war über viele Jahre in der Öffentlichkeit etwas verpönt. Dabei ist er ja vor allem positiv im Sinne einer Verantwortungselite zu verstehen. Ist in dieser Hinsicht auch ein Bildungsauftrag zu verstehen, der sich den katholischen Korporationen stellt?
„Unsere Demokratie lebt davon,
dass es Bürger gibt,
die sich so für das Gemeinwohl engagieren"
Wer einerseits den christlichen Glauben für sich ernst nimmt und gleichzeitig die Chancen wahrnimmt, die sich ihm an den Universitäten bieten, der steht nach meinem Verständnis dann auch in einer besonderen Verantwortung. Eine solche Person wird nicht nur Zuschauer sein. Unsere Demokratie lebt davon, dass es Bürger gibt, die sich so für das Gemeinwohl engagieren. Hier kommt eine Solidarität mit den Mitmenschen zum Ausdruck, die aus dem christlichen Glauben, aber auch aus der akademischen Bildung herauswächst und die sich dann in einer besonderen Verantwortung für diese Gesellschaft ausdrückt
Sowohl im Grundgesetz als auch in der bayerischen Verfassung wird Gott explizit angerufen. Wie wichtig ist es aber, dass es in der Gesellschaft Bürger gibt, die diesen Anspruch auch mit Leben erfüllen? In diesem Zusammenhang wird immer der Verfassungsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde zitiert: „Der freiheitliche, säkulare Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“
Böckenförde hat hier schon im Jahr 1964 einen in der Tat ganz wichtigen Grundsatz formuliert. Deswegen sage ich auch ganz entschieden: Demokratie braucht Religion. Unsere gesamte Gesellschaftsordnung lebt eben tatsächlich von Voraussetzungen, die von der Verfassung selbst nicht geschaffen werden können. Natürlich haben wir keine Staatsreligion. Aber es ist wichtig, dass es viele Menschen in unserem Land gibt, die den Sinn des Lebens aus ihrer religiösen Überzeugung heraus definieren. Natürlich im Einklang mit unserer Verfassung. Aber die Verfassung allein ist zu wenig. Und das gilt auch für die Demokratie insgesamt. Unsere Demokratie lebt ja nicht davon, dass sie durch den Verfassungsschutz geschützt wird, sie ist keine Sicherheitsbehörden-Demokratie. Die Demokratie lebt vom Engagement der Demokraten.
Noch mal zurück zu den katholischen Korporationen: Ihre Familie ist im Cartellverband fest verwurzelt. Was würden Sie im Rückblick sagen, wie sehr hat Sie Ihre Mitgliedschaft im CV geprägt und auch für Ihren Lebensweg Weichen gestellt?
„Ich hatte das Glück, dass ich schon in meiner
Kindheit durch meine Eltern ein gutes Verständnis
des christlich-katholischen Glaubens vermittelt bekommen habe"
Ich hatte das Glück, dass ich schon in meiner Kindheit durch meine Eltern ein gutes Verständnis des christlich-katholischen Glaubens vermittelt bekommen habe. Und natürlich hat das dann auch meine Entwicklung geprägt. Dazu gehört auch, dass sowohl mein Vater als auch mein Großvater schon in CV-Verbindungen aktiv waren. Es war nicht so, dass mich irgendjemand gedrängt hätte, jetzt auch dort aktiv zu werden. Das hat sich im Verlauf meines Studiums einfach so ergeben. Aber auch jenseits der Verbindung: Der christliche Glaube ist für mich bis heute die Richtschnur auch für mein politisches Handeln. Es ist nicht immer so, dass sich automatisch eine eindeutige Antwort für eine politische Frage ergibt. Aber diese Überzeugung kann oft dabei helfen, dass man sehr schnell merkt, bestimmte Alternativen für die Lösung des Problems können von vornherein ausgeschlossen werden. Der Entscheidungsprozess bleibt aber auch danach schwierig.
Die frohe Botschaft – sie ist für mich besonders wichtig. Wir sind als Christen nicht dazu berufen, Weltuntergangsszenarien zu verbreiten. Unser Auftrag ist es, die frohe Botschaft des christlichen Glaubens, die Botschaft Jesu, den Menschen nahezubringen.
Ministerpräsident Markus Söder hat an verschiedenen Stellen beim Katholikentag betont, wie wichtig es sei, auch auf seinen eigenen, persönlichen Glauben hinzuweisen. Die Menschen sollten klarer sagen, dass sie an Jesus Christus glauben. Was denken Sie?
Ich glaube auch, dass das manchmal etwas zu kurz kommt. Ich versuche als Person zu vermitteln, dass ich für die frohe Botschaft einstehe. Wir dürfen uns auf die Liebe Gottes verlassen. Gerade auch in schwierigen Situationen.
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