Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Gastkommentar

Das Reformpaket ist kein großer Wurf

Warum der Vorsitzende des Bundes der katholischen Unternehmer (BKU) vom Reformpaket der Bundesregierung enttäuscht ist, erklärt er in einem Gastbeitrag.
Gastbeitrag von Martin Nebeling zum Reformpaket
Foto: IMAGO/MICHAEL BIHLMAYER (www.imago-images.de) | Das größte Manko des Reformpakets sei der Mangel an Reformbereitschaft und Einsicht in den Ernst der Lage, schreibt Martin Nebeling.

Das Reformpaket der Bundesregierung trägt den Titel „Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung“. Viele der 34 Reformansätze gehen grundsätzlich in die richtige Richtung. So kündigt die Regierung an, Berichts- und Dokumentationspflichten abzuschaffen. Der private Wohnungsbau soll durch ein Gesetz geschützt werden, das die Verstaatlichung privater Mietwohnungsbestände durch Vergesellschaftungsgesetze auf Landesebene – kurzum Enteignungen, wie sie in Berlin diskutiert werden – verhindern soll. Nennenswert sind auch einzelne Bemühungen, den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren, etwa durch weniger Kündigungsschutz für sogenannte Hochverdiener und mehr Spielraum bei der Ausgestaltung befristeter Arbeitsverträge.

Lesen Sie auch:

Trotz allem, was am Reformpaket zu begrüßen ist, ist der große Wurf aber ausgeblieben – gelinde ausgedrückt. An manchen Stellen begegnen uns Verschlimmbesserungen – so bei der Attestpflicht ab dem ersten Tag der Krankschreibung. Hier wird das Rad zurückgedreht, ohne dass das Problem des deutschen Rekordkrankenstands ernsthaft angegangen würde.

Ein weiteres gebrochenes Wahlversprechen

An anderen Stellen wird es aber wirklich enttäuschend. So kommt ein weiteres gebrochenes Wahlversprechen hinzu: Die angekündigten Entlastungen für Arbeitnehmer mit Familien und Sonn- und Feiertagsarbeit sollen durch neue Steuererhöhungen gegenfinanziert werden. Nicht nur Minijobs sollen künftig höher besteuert werden. Durch die Erhöhung der sogenannten Reichensteuer sollen auch einkommensstarke Arbeitnehmer und Unternehmer noch mehr zur Kasse gebeten werden – jene also, die ohnehin einen Großteil der Steuerlast tragen. Und das, obwohl Deutschland bekanntlich ein Ausgaben- und kein Einnahmenproblem hat.

Das größte Manko des Reformpakets ist aber der Mangel an Reformbereitschaft und Einsicht in den Ernst der Lage. Solange nicht die Kosten für Steuern, Energie und Löhne gesenkt werden, Bürokratie flächendeckend abgebaut und Arbeit spürbar flexibilisiert wird, werden Leistungs- und Investitionsbereitschaft nicht nachhaltig gestärkt. Nicht zuletzt darf das historisch prägende christliche Fundament der Sozialen Marktwirtschaft nicht aus dem Blick geraten: keine echte Reform ohne klare Werte.


Der Autor ist Vorsitzender des Bundes der katholischen Unternehmer (BKU)

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Martin Nebeling

Kirche

Unerlaubte Bischofsweihen und Exkommunikation: Weit weg von Rom, in Écône, spürt man die Last eines historischen Moments jenseits der roten Linie.
09.07.2026, 09 Uhr
Alexander von Schönburg
Was kann der Mensch noch besser als die Künstliche Intelligenz? Knapp sieben Wochen nach „Magnifica humanitas“ zieht Reinhard Kardinal Marx in München ein selbstbewusstes Fazit.
08.07.2026, 19 Uhr
Jakob Ranke
Bei der dritten Ausgabe des Altöttinger Benedikt-XVI.-Forums steht Heilung im Mittelpunkt. Wie kann der Glauben dabei helfen? Ein Bericht.
07.07.2026, 15 Uhr
Athinea Andryszczak
Nach einem positiven Trend bei Taufen und Konversionen macht sich auch ein wachsendes Interesse am Priesterberuf bemerkbar. Besonders in einem Bistum zeigt sich die Wende.
07.07.2026, 15 Uhr
Simon Kajan