Boston

Crisis Magazine: Das Problem der Kirche mit dem Islam

Kardinal Sarah ist einer der ersten Kirchenprälaten, die einen fundamentalen Unterschied zwischen Christentum und Islam erkennen. Das Crisis Magazine meint, der Islamismus sei kein aus dem Ruder gelaufener Islam, sondern eine Folge einer gesteigerten Religiosität.
Nach der Messerattacke in Nizza
Foto: Valery Hache (AFP) | Polizisten der Gendarmerie sichern das Gebiet um die Basilika Notre-Dame. In der südfranzösischen Küstenstadt Nizza hat es Ende Oktober einen tödlichen islamistischen Terrorangriff mit drei Toten und mehreren ...

Autor William Kilpatrick, der 30 Jahre lang an der privaten Universität Boston College lehrte, tritt im US-amerikanischen katholischen Crisis Magazine der Vorstellung entgegen, dass der Islam eine Religion des Friedens sei und es nur genügte, umfassend über diesen Umstand aufzuklären, damit sich Islamisten deradikalisierten. Nach der Serie von islamistischen Attentaten in Frankreich rief Kardinal Robert Sarah den Westen dazu auf, angesichts der Bedrohung des Islamismus „aufzuwachen“. Der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst sagte: „Der Islamismus ist ein monströser Fanatismus, der mit Stärke und Entschlossenheit bekämpft werden muss“.

Werden Fakten über den Islam nicht zur Kenntnis genommen?

Doch, so meint Kilpatrick, man könne nur etwas entschlossen bekämpfen, wenn man zunächst daran glaube, dass es überhaupt existiert. Leider wollten viele Entscheidungsträger im Westen, darunter zahlreiche Mitbrüder von Kardinal Sarah im Bischofsamt, das Vorhandensein „einiger offenkundiger Fakten über den Islam“ nicht zur Kenntnis nehmen. So sei Kardinal Sarah einer der wenigen Prälaten, „die bereit sind, mit dem halboffiziellen derzeit in der Kirche vorherrschenden Narrativ über den Islam, zu brechen - das da lautet, dass Terroristen, die im Namen des Islam töten, ihre Religion sowohl missverstehen als auch pervertieren“.

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Weltliche Autoritäten verfolgten besonders in Europa eine ähnliche Richtung: Am Islam selbst sei „nichts auszusetzen, behaupten sie - die Dschihadisten hätten ihren Glauben einfach nur missverstanden. Daher beruhen staatlich geförderte ‚Deradikalisierungs‘-Programme auf der Prämisse, dass mehr Wissen über den Islam den Dschihadisten von seinem Extremismus heilen werde“. Doch dies, so schränkt der Autor ein, würde nur dann funktionieren, „wenn der authentische Islam tatsächlich die Religion von Frieden, Gerechtigkeit, Brüderlichkeit und Gleichheit wäre, für den ihn weltliche und kirchliche Entscheidungsträger halten“.

Doch in Wirklichkeit seien die Deradikalisierungsprogramme in Frankreich und in anderen Ländern nicht besonders erfolgreich gewesen. Warum nicht? „Weil eine gesteigerte Frömmigkeit unter Muslimen – wie eine Reihe europäischer Studien gezeigt haben – mit einer gesteigerten Radikalisierung korreliert“. So habe der dänische Psychologe Nicolai Sennels bei der Rezension einer umfassenden deutschen Studie bemerkt: „Die vielen Interviews zeigten, dass der Islam dadurch gekennzeichnet ist, dass er die einzige Religion ist, die Menschen umso gewaltbereiter macht, je religiöser sie werden“. Und so habe auch das FBI eine „gesteigerte Religiosität“ als eines der Anzeichen einer potentiellen terroristischen Aktivität angeführt.

Erhöhte Religiosität führt zu verstärkter Gewaltbereitschaft

Im Hinblick auf die Täter der jüngsten islamistischen Attentate in Frankreich, die bei ihrer Tat „Allahu akbar“ riefen, erkenne man auch hier eine erhöhte Religiosität, die zu einer verstärkten Gewaltbereitschaft geführt habe. So habe Brahim Aoussaoui, ein tunesischer Migrant, der in der Basilika Notre Dame de Nice drei Menschen tötete, zudem versucht, eines seiner Opfer zu enthaupten – „was eine der Bestrafungen ist, die im Koran für Gotteslästerung vorgesehen ist“. Aoussaoui habe nicht zufällig einen Koran bei sich getragen. 

Leider, so meint Kilpatrick, „möchte niemand in der Kirche oder der Welt, mit einigen Ausnahmen, zugeben, dass die islamische Lehre das ist, was junge Dschihadisten dazu motiviert, zu morden“. Doch die falsche Vorstellung, dass der Allah des Koran und der von Christen und Juden verehrte Gott ein- und derselbe sei, setze sich weiter fort. So gaben die französischen Bischöfe jüngst eine Stellungnahme heraus, in der sie darauf hinwiesen, dass Muslime deshalb im Namen Allahs töteten, weil sie die friedliche Natur ihres Glaubens missverstanden hätten. Daher sei es notwendig, laut der Erklärung der französischen Bischofskonferenz, „dass dieser Wundbrand gestoppt wird, wie es auch nötig ist, dass wir zu der unerlässlichen Brüderlichkeit zurückfinden, die uns angesichts dieser Bedrohungen alle aufrechterhält“. Die Verwendung des Begriffs „Wundbrand“ lege nahe, wie Kilpatrick bemerkt, dass die Bischöfe glaubten, die Todesstrafe für Blasphemie sei „so etwas wie eine ungesunde Entwicklung in einem ansonsten vernünftigen System. Doch dies ist nicht der Fall. Das Töten von Gotteslästerern wird im Koran, dem Hadith und den islamischen Gesetzesbüchern gutgeheißen. Wie der Islamexperte Raymond Ibrahim feststellt, sind die Abendländer auf die Vorstellung hereingefallen, dass ‚das Töten von Gotteslästerern für den Islam irgendwie seltsam oder ‚extrem‘ sei, während es doch schon immer üblich war und immer noch ist‘“.

Die Tatsache, dass zahlreiche muslimische Anführer auf der ganzen Welt „mehr Besorgnis über die Blasphemie als über die Enthauptungen zum Ausdruck brachten, weist darauf hin, dass es die Bischöfe und nicht die Dschihadisten sind, die den Islam missverstehen. Sie haben sich in ihrer Vorstellungswelt offenbar einen Phantasie-Islam erschaffen, der nur wenig Bezug zu dem wahren hat“, folgert Kilpatrick.  DT/ks

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