Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Bischöfe und AfD: Richtiges Signal aus Bayern

Die Freisinger Bischofskonferenz hat klare Trennlinien zur AfD gezogen. Ein richtiger Entschluss, mit Wirkung nach außen und nach innen.
Wahlplakat der AfD
Foto: IMAGO/Müller-Stauffenberg (www.imago-images.de) | Es ist richtig und es ist wichtig, dass die bayerischen Bischöfe sich einmütig gegenüber der AfD positioniert haben. Die Partei nutze die freiheitliche Grundordnung aus, um sie selbst abzuschaffen.

„Typisch, wenn es gegen die AfD geht, dann halten sie plötzlich zusammen.“ So haben ganz sicher manche Katholiken auf die aktuellen Verlautbarungen der Freisinger Bischofskonferenz spontan reagiert, frustriert vom Synodalen Weg und ausgelaugt von den gesellschaftspolitischen Kulturkämpfen allerorten.

Lesen Sie auch:

Aber so eine Einschätzung, auch wenn sie vielleicht emotional nachvollzogen werden mag, greift zu kurz. Es ist richtig und es ist wichtig, dass die bayerischen Bischöfe sich so einmütig gegenüber der AfD positioniert haben. Die Partei nutze die freiheitliche Grundordnung aus, um sie selbst abzuschaffen.

Populisten und Extremisten entschieden entgegentreten

Außerdem appellierten die Hirten an Parteien des aus ihrer Sicht demokratischen Spektrums, Populisten und Extremisten entschieden entgegenzutreten. Die Wahl von Parteien, die nationalistische, rassistische oder antisemitische Meinungen verbreiteten oder solche in ihren Reihen duldeten, sei für Christen nicht akzeptabel. Auch sei nicht erkennbar, wie jemand mit so einer Gesinnung innerhalb der Kirche Verantwortung übernehmen könne. 

Das Freisinger Signal hat eine Wirkung nach innen und nach außen. Zuerst zur Außenwirkung: Viele Konservative, es sind nicht nur Christen, sondern auch Menschen, die eher aus kulturellen Gründen für christliche Wertmaßstäbe eintreten, sind darüber frustriert, wie in von linker Seite angezettelten Kulturkämpfen ihre Sicht auf die Familie, auf die Ehe, ja auf anthropologische Fragen insgesamt unter Beschuss gerät. Diese Bürger hoffen auf politische Schützenhilfe. Und dieser Wunsch ist auch legitim.

Ein Fehlschluss ist aber, diese politische Unterstützung bei der AfD zu suchen. Diese Partei ist immer mehr selbst zu einem Kulturkämpfer geworden, nur von der anderen Seite. Auch hier wird unser christlich-abendländisches Erbe in die Zange genommen. Und vielfach umgedeutet. Die Versuche von Höcke und Co., das Christentum identitätspolitisch zu instrumentalisieren, auf eine Art Stammesreligion für unseren Kulturraum zu verengen und seine universalistische Geltung zu leugnen, sind genauso gefährlich wie die altbekannten Angriffe aus der kulturmarxistischen Ecke.

Keine generelle Regelung für Umgang mit AfD-Mitgliedern

Allerdings ist diese Einsicht nicht mit einer Art General-Attest gleichzusetzen, fortan jeder argumentativen Auseinandersetzung mit der AfD enthoben zu sein. Ganz im Gegenteil: Die Partei kann nicht mit jedem ihrer Wähler gleichgesetzt werden. Diese Auseinandersetzung – hier gilt das Subsidiaritätsprinzip – muss vor Ort geführt werden. Sie wird nach politischen Kategorien verlaufen müssen, vor allem in den Parlamenten. Hier kann man kein Handlungsschema von den Bischöfen erwarten. Es ist auch gut, dass keine generelle Regelung für den Umgang mit AfD-Mitgliedern in kirchlichen Gremien getroffen worden ist. Auch hier muss der Einzelfall betrachtet werden.

Schließlich: Vor allem die katholischen Verbände, die ganz gewiss das bischöfliche Signal begrüßen werden, sollten in ihrer Freude bedenken, ob sie noch konservativen Katholiken eine Heimat für ein Engagement bieten oder, doch gewiss unabsichtlich, nicht zu mancher Frustration beigetragen haben, die diese dann nach politischen Alternativen suchen lässt. 

Und dann die Innenwirkung: Es ist wichtig, dass die bayerischen Bischöfe hier mit einer Stimme sprechen. Von Befürworten des Synodalen Wegs wird gerne suggeriert, ihre kirchenpolitischen Gegner sympathisierten generell mit dem rechtspopulistischen Spektrum. Wer den Bischöfen Oster, Hanke und Voderholzer folgt, kann diesen Vorwurf nun leicht entkräften.   

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Alternative für Deutschland Bischof Christen Freisinger Bischofskonferenz Katholikinnen und Katholiken Synodaler Weg

Weitere Artikel

Der Mainzer Bischof Kohlgraf hat mit seinen Einlassungen zur Laienpredigt Reichweite erzielt. Anderes wäre wichtiger.
29.08.2026, 17 Uhr
Regina Einig
Was als zwangloser Treffpunkt begann, zieht inzwischen Dutzende junge Menschen an: In Berlin-Schöneberg entsteht fernab kirchlicher Strukturen ein katholisches Netzwerk.
02.08.2026, 15 Uhr
José García
Synodalität und Laienapostolat: Bischof Ricardo García García von der Prälatur Yauyos in Peru warnt vor ermüdenden Sitzungen und ermutigt Laien zum Engagement jenseits des Kirchenraums.
31.07.2026, 19 Uhr
Regina Einig

Kirche

Grün schlug 1992 vor, einen beschuldigten Priester im Dienst zu lassen. An den Fall erinnerte er sich am Freitag nicht, nach Angaben von Münsterschwarzach jetzt offenbar doch.
09.09.2026, 12 Uhr
Meldung
Es soll eine „Botschaft des Friedens“ werden: Papst Leos Besuch in Metz, dem „Herz Europas“, steht im Zeichen Robert Schumans. Dazu äußerte sich auch Kardinal Hollerich.
08.09.2026, 17 Uhr
Elisabeth Hüffer
Die Bauerstochter diente im Zweiten Weltkrieg als Ordensschwester kranken Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. Ein spektakuläres Heilungswunder ermöglichte die Seligsprechung.
09.09.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Mariä Geburt: Die Kirche feiert den Geburtstag einer Frau, die Weltgeschichte schrieb. Doch warum wird sie als Morgenröte besungen?
08.09.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Man wolle man das politische Handeln „kritisch begleiten“: Christliche Kirchen äußern sich zur Landtagswahl. „Schlimme Befürchtungen” seien wahrgeworden.
07.09.2026, 14 Uhr
Meldung