Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Politik

Argentinien: Parlament stimmt über liberalere Abtreibungsgesetze ab

In Argentinien könnten Abtreibungen schon bald im ersten Trimester einer Schwangerschaft erlaubt sein. Sollte ein entsprechender Gesetzentwurf den Kongress passieren, wird der argentinische Präsident Macri kein Veto einlegen, obwohl er selbst Abtreibungen nicht befürworte.
Demonstration für legale Abtreibung in Buenos Aires
Foto: Roberto Almeida Aveledo (ZUMA Wire) | 20.03.2018, Argentinien, Buenos Aires: Eine Frau hält bei einer Demosntration ein Halstuch und setzt sich damit für die Legalisierung von Abtreibungen ein. Das argentinische Parlament hat begonnen die Legalisierung ...

In Argentinien wird das Repräsentantenhaus heute über einen Gesetzesentwurf abstimmen, der Abtreibungen im ersten Trimester einer Schwangerschaft erlauben würde. Erwartet wird ein knappes Ergebnis. Sollte das Repräsentantenhaus das Gesetz durchwinken, würde es im Senat zur Abstimmung gestellt, ehe es schließlich auf dem Schreibtisch des argentinischen Präsidenten Mauricio Macri landet. Dieser hatte sich für eine „verantwortungsvolle“ Debatte über die zur Diskussion stehende Gesetzesänderung ausgesprochen. Persönlich sei er zwar gegen eine Liberalisierung der Abtreibungsgesetze. Sollte der Kongress sich jedoch dafür aussprechen, werde er kein Veto einlegen, so Macri.

Nach momentanem argentinischen Gesetz sind Abtreibungen nur erlaubt, wenn das Leben oder die Gesundheit der werdenden Mutter in Gefahr sind, sowie in Fällen von Missbrauch. Lebensschützer machten in den vergangenen Wochen gegen eine Änderung der aktuellen Gesetze mobil. Anfang Juni wurden dem Kongress eine Liste mit etwa 417 000 Unterschriften von Abtreibungsgegnern überreicht. Diese befürchten, dass insbesondere Kinder, bei denen im Mutterleib eine Behinderung festgestellt wurde, häufiger abgetrieben werden.

Neben der Unterschriftenaktion nahmen auch Zehntausende an „Pro-Life“-Kundgebungen in argentinischen Großstädten teil. Unidad Provida, eine Nichtregierungsorganisation, die als Dachverband von etwa 100 argentinischen Lebensschutz-Organisationen fungiert, lancierte eine Kampagne auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter. Mit Hashtags wie „BeideLebenretten“ oder „NeinzuAbtreibunginArgentinien“ wollen sie in den sozialen Netzen auf ihr Anliegen aufmerksam machen.

Auch die argentinische Bischofskonferenz setzte sich gegen eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts ein. Vor einigen Tagen riefen die Bischöfe zu einem Tag des Fastens und des Gebets für das Leben auf. 

DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Abtreibungsrecht Bischofskonferenz Mauricio Macri

Weitere Artikel

Pro-Life-Organisationen begrüßen die Entscheidung, die das ungeborene Kind im Zivilrecht zur „natürlichen Person“ erklärt. Ärzte warnen vor Risiken für Notfallmedizin.
29.12.2025, 14 Uhr
José García

Kirche

Peter Kohlgraf ist „gerne Bischof von Mainz“, könnte sich aber wohl auch den DBK-Vorsitz vorstellen. Zumindest geizt er vor der Wahl nicht mit geschickten Positionsbestimmungen.
13.02.2026, 15 Uhr
Jakob Ranke
Nach Treffen zwischen Fernández und Pagliarani lässt der Vatikan verlauten: Bischofsweihen würden ins Schisma führen. Stattdessen soll ein Dialog theologische Differenzen klären.
12.02.2026, 15 Uhr
Guido Horst
Die Gebote sollen keine Überforderung sein, sondern ein Hilfe für die Christen, ihre eigene Berufung zu leben. Christsein ist schließlich kein Moralismus.
14.02.2026, 21 Uhr
Martin Grichting