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ARD, ZDF – und AfD

Der AfD-Kreisverband Dresden lud die Chefredakteure von ARD und ZDF zur Diskussion ein. In der Presse ist der Widerhall groß. Von Josef Bordat
Medien bei der Arbeit
Foto: dpa | Aufgabe der Medien: Machtkritik oder Regierungspropaganda?

Es war die erste Veranstaltung dieser Art: die Spitzen des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks diskutieren mit der AfD, deren Fraktion im Hochtaunuskreis zuletzt mitgeteilt hatte, in einer Revolution Funkhäuser und Verlage zu stürmen und „Staatsberichterstatter auf die Straße zu zerren“. Und Parteichef Alexander Gauland höchstselbst hatte ankündigte, Journalisten, die ihm nicht passen, aus den Medien „vertreiben“ zu wollen.

Die Sender-Chefs in der "Höhle des Löwen"

Gemessen an der harschen Kritik der Partei begaben sich ARD-Chefredakteur Kai Gniffke und sein ZDF-Kollege Peter Frey in die sprichwörtliche „Höhle des Löwen“. Zumal ihnen, folgt man der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, „gleich vier Kritiker gegenüber saßen“, und zwar „der einstige Bild-Redakteur und heutige AfD-Politiker Nicolaus Fest und der frühere Focus-Autor und heutige Mitarbeiter Alexander Gaulands, Michael Klonovsky, sowie die beiden Moderatoren Andreas Lombard, Chef des neu-rechten Magazins ‚Cato‘ und der Publizist Klaus Kelle“.

Hannoversche Allgemeine: "Propaganda-Erfolg" der AfD

Die Bilanz fällt gemischt aus. Einig sind sich Deutschlands Leit-Zeitungen vor allem in einem allzu erwartbaren Punkt: Es ging hoch her. „Sie haben sich nicht gekloppt, aber...“, titelt vielsagend die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Welt“-Schlagzeile lautet: „Ich spüre Ihr Misstrauen“ (ein Zitat von Peter Frey).

Es sei ein „Abend zwischen Verständnis und Resignation“ gewesen („Die Welt“). Die „Hannoversche Allgemeine“ spricht unterdessen von einem „Propaganda-Erfolg“ der Partei: „70 Journalisten waren angemeldet und mehrere Hundert AfD-Mitglieder und Sympathisanten“.

Kritik und Beleidigung

Auch der Verlauf der Diskussion scheint die Partei eher bestärkt zu haben. „Sie haben die Freiheit, abzuschalten!“ – so quittierte ein vom Unmut des Publikums offenbar genervter Peter Frey die seiner Ansicht nach „bedrückende“ Stimmung im Saal. Alle Zeitungen zitieren diese Bemerkung.

Ein ganz wesentlicher Punkt blieb – gemessen an der Berichterstattung über die Veranstaltung – indes ungeklärt: Eine gemeinsame Absage an Übergriffigkeiten im Diskurs gelang offenbar nicht. Nicht einmal eine Einigung auf die Differenz von Kritik und Beleidigung scheint es gegeben zu haben. Gesprächsbedarf gibt es also weiterhin.

DT

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