Die jüngsten Gewalttaten im öffentlichen Personennahverkehr – der tödliche Angriff auf einen Schaffner oder das vorsätzliche Stoßen einer jungen Frau vor eine U-Bahn – haben das Sicherheitsgefühl vieler Menschen massiv erschüttert. Sie offenbaren einen Trend, der sich längst in den Zahlen abbildet: Gewalt im Bereich des Bahnverkehrs ist kein Randphänomen mehr, sondern tägliche Realität. Der Jahresbericht der Bundespolizei 2024 zeigt das unmissverständlich. Knapp 34.000 Gewaltdelikte allein in Bahnhöfen und Zügen, ein Anstieg von über sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen mehr als 2.200 Angriffe auf Polizeikräfte – ebenfalls mit steigender Tendenz.
Vielerorts fehlt es an Personal und technischen Mitteln
Diese Entwicklung stellt die Sicherheitsbehörden vor wachsende Herausforderungen. Bahnhöfe sind hoch frequentierte, offene Räume. Dort treffen Reisende, Pendler, vulnerable Personengruppen, aber auch aggressive oder hoch problematische Täterprofile aufeinander. Polizei und Sicherheitspersonal müssen in diesem Umfeld schnell reagieren, Gefahren früh erkennen und gleichzeitig deeskalierend wirken. Die Realität: Dafür fehlen vielerorts Personal, technische Mittel und moderne rechtliche Rahmenbedingungen. Während Täter immer skrupelloser vorgehen, arbeitet die Gefahrenabwehr mancherorts noch mit Strukturen, die aus einer Zeit vor Smartphones, KI oder digitaler Videoanalyse stammen.
Datenschutzrechtliche Grenzen erschweren den Einsatz intelligenter Überwachungssysteme, die in anderen Ländern längst Standard sind. Befugnisse, die den Anforderungen eines hoch mobilen Täterkreises gerecht werden müssten, stammen teilweise noch aus den 1990er-Jahren.
Wenn ernsthafte Verbesserungen gewollt sind, führt an Investitionen kein Weg vorbei: mehr Personal im Streifendienst, mehr sichtbare Präsenz an Bahnhöfen, moderne Video- und Analysetechnik, zeitgemäßere Kompetenzen für Sicherheitsbehörden. Sicherheit im ÖPNV ist kein Luxus – sie entscheidet darüber, ob Menschen Busse und Bahnen ohne Angst nutzen können. Die Politik steht in der Verantwortung, den Worten endlich spürbare Maßnahmen folgen zu lassen.
Der Autor ist stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG).
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