Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Vor U-Bahn geworfen

Herausforderung Migration: Hamburger Mordopfer war Katholikin

Die 18-Jährige, die von einem 25-jährigen Südsudanesen in einer U-Bahn-Station getötet worden war, engagierte sich als Ministrantin. Die Vorgeschichte des Täters ist alarmierend.
Mahnwache am U-Bahnhof Wandsbek Markt
Foto: IMAGO (www.imago-images.de) | Blumen, Kerzen und Karten: Etwa 200 Exiliraner trauern bei einer Mahnwache am U-Bahnhof Wandsbek Markt um die junge Frau, die von einem Südsudanesen vor die U-Bahn geworfen wurde.

Immer noch steht Hamburg unter Schock. Und besonders betroffen zeigen sich junge Gläubige und Priester, die sich in der Vergangenheit immer für eine hassfreie und respektvolle Haltung gegenüber Migranten eingesetzt haben. Denn die am letzten Donnerstag von einem 25-jährigen Südsudanesen in einer U-Bahn-Station getötete 18-jährige Fatemeh D. war Mitglied der katholischen Kirchengemeinde Seliger Eduard Müller in Bad Bramstedt (Schleswig-Holstein). Dies bestätigte offiziell der Hamburger Dompropst Berthold Bonekamp.

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Fatemeh war nach Angaben der Kirchengemeinde mit ihrer Familie als Flüchtling aus dem Iran nach Bad Bramstedt gekommen. Der heutige Dompropst Bonekamp, damals Gemeindepfarrer in Bad Segeberg, hat sie selbst getauft – zusammen mit ihrer Mutter. Fatemeh D. diente wie ihre Mutter als Ministrantin. 

Mutter und Tochter aus christlich angehauchtem Umfeld"

In der iranischen Heimat lebten Mutter und Tochter in einem „christlich angehauchten Umfeld“. Deutschland als Zufluchtsland kam auch deshalb in Frage. Fatemeh D. habe er als „nettes, fröhliches Mädchen“ in Erinnerung behalten, die ihre Mutter immer sehr unterstützt habe, so der Dompropst.

So unfassbar der Tod der jungen Frau, so alarmierend die Täter-Historie des Mörders, der die junge Frau und sich selbst vor die einfahrende U-Bahn warf. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der 25-Jährige Ariop A. Mitte vergangenen Jahres mehrfach der Polizei aufgefallen. Dabei ging es unter anderem um Körperverletzung. Zuletzt wohnte er in einer Wandsbeker Flüchtlingsunterkunft. Er war aggressiv, habe Alkohol getrunken und Drogen genommen, so Mitbewohner. Zwei Tage vor der Tat randalierte der 25-Jährige in einem Bordell auf der Reeperbahn, schlug dann einem Polizisten mit einem Handy auf den Kopf und wurde im Drogenrausch ins Krankenhaus eingeliefert. Anschließend kam er wieder frei. 

Vorzugsbehandlung an allen Asyl-Prüfungen vorbei

Die Missachtung des Gastrechts löst auch deshalb besondere Empörung aus, weil der Täter in den Genuss einer Vorzugsbehandlung gekommen war. Denn die SPD-geführte Innenbehörde bestätigte am Montag, dass der Südsudanese 2024 über ein humanitäres Aufnahmeprogramm nach Deutschland gekommen war – über ein sogenanntes Resettlement-Programm des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UN). Dabei werden besonders schutzbedürftige Menschen direkt aus Krisenregionen oder Flüchtlingslagern aufgenommen. Ein klassisches Asylverfahren mit diversen Prüfungen hat es in diesem Fall nicht gegeben – der Mann erhielt unmittelbar einen Aufenthaltsstatus. Entledigen sich Staaten und Gemeinschaften in Afrika auf diese Art derjenigen Personen, die dort bereits auffällig wurden?

Die Einlassungen von Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) sagen viel aus über die Naivität in der politischen Herangehensweise bei der Flüchtlingsproblematik: „Es ist ein Teil des staatlichen Rahmens für Migrationspolitik, der dafür sorgen soll, dass sich Menschen eben nicht auf einen langen Fluchtweg mit all den Risiken begeben müssen." 

Über das UN-Resettlement-Programm sollte Menschen geholfen werden, wenn sie etwa Folter- und Gewalterfahrung gemacht haben. Aktuell ist das hochriskante Programm mit zuletzt tödlichen Folgen ausgesetzt. Für die junge Katholikin Fatemeh, die ihr Leben noch vor sich hatte, kommt die Aussetzung zu spät.

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