Die US-amerikanische Fachgesellschaft American Society of Plastic Surgeons (ASPS) hat laut der Zeitung „Washington Post“ neue Leitlinien zur geschlechtsangleichenden Chirurgie bei Minderjährigen veröffentlicht. Sie empfiehlt ihren rund 11.000 Mitgliedern, operative Eingriffe an Brust, Genitalien und Gesicht grundsätzlich aufzuschieben, bis Betroffene mindestens 19 Jahre alt sind. Damit ist die ASPS die erste große US-Fachvereinigung, die ihre Empfehlungen zur pädiatrischen geschlechtsbezogenen Behandlung ausdrücklich verschärft.
Zur Begründung heißt es, es fehlten ausreichende Belege für ein günstiges Risiko-Nutzen-Verhältnis solcher Eingriffe bei Kindern und Jugendlichen. Der frühere ASPS-Präsident Scot Bradley Glasberg verwies auf den besonderen Schutzbedarf junger Patienten und die Irreversibilität mancher Eingriffe. Die Altersgrenze von 19 Jahren orientiere sich daran, dass die Pubertät dann meist abgeschlossen sei.
Position der ASPS hat sich gewandelt
Laut einer 2023 im „Journal of the American Medical Association“ erschienenen Studie verdreifachte sich die Zahl geschlechtsangleichender Operationen in den USA zwischen 2016 und 2020 – vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Im Vergleich zur Verabreichung von Pubertätsblockern oder Hormonbehandlungen blieben Eingriffe insgesamt jedoch selten.
Die Position der ASPS hat sich gewandelt: 2019 kritisierte sie noch Vorstöße einzelner Bundesstaaten, geschlechtsangleichende Maßnahmen zu begrenzen. Im August 2024 verwies sie dann auf „erhebliche Unsicherheit“ über Langzeitfolgen und kündigte spezifische Leitlinien an.
Der US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. begrüßte die Entscheidung als Signal gegen „Übermedikalisierung“ und für „fundierte Wissenschaft“. Ein Vertreter des LGBTQ+-Thinktanks „Movement Advancement Project“ nannte die Leitlinien hingegen im Kern vereinbar mit bisherigen Standards.
Geschlechtsangleichende Behandlungen Minderjähriger in vielen Bundesstaaten eingeschränkt
Fast die Hälfte der US-Bundesstaaten – sämtlich republikanisch regiert – hat geschlechtsangleichende Behandlungen Minderjähriger bereits eingeschränkt. Im Dezember schlug die Trump-Regierung zudem Regeln vor, die Anbieter solcher Behandlungen aus großen staatlichen Versicherungsprogrammen ausschließen könnten. International verfolgen Länder wie Finnland, Schweden und Neuseeland einen vorsichtigen Kurs; operative Eingriffe erfolgen dort meist nicht vor dem 18. Lebensjahr.
Glasberg berichtete außerdem von zunehmenden Anfragen zu Eingriffen im Zusammenhang mit einer Detransition. Zuletzt sprach eine Jury in New York einer Frau zwei Millionen Dollar Schadenersatz zu, die ihren Chirurgen wegen einer mit 16 vorgenommenen Brustamputation verklagt hatte.
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