Belfast/London

Irische Bischöfe kritisieren Abtreibungsgesetz

Die Liberalisierung der Abtreibungsgesetze in Nordirland verurteilt die Irische Bischofskonferenz mit deutlichen Worten und spricht von einem traurigen Tag für die Demokratie Nordirlands.

Nordirland: Neues Abtreibungsgesetz stößt bei Bischöfen auf Kritik
Die irischen Geistlichen zeigten sich zusätzlich besorgt über die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe, die als „Neudefinition“ der Ehe auf eine Ebene mit der Einheit aus Mann und Frau gestellt würde. Foto: fotolia.de

Die Irische Katholische Bischofskonferenz hat die Liberalisierung der Abtreibungsgesetze in Nordirland aufs Schärfste verurteilt. In einer Stellungnahme kritisierten die Bischöfe den vom 21. auf den 22. Oktober beschlossenen „Northern Ireland Act“ (auch: Northern Ireland Bill) als eine der „potenziell liberalsten und unreguliertesten Abtreibungsregelungen der Welt“. Dies sei nicht nur ein „tragischer Tag“ für ungeborene Kinder, sondern auch ein trauriger Tag für die Demokratie in Nordirland.

"Abtreibung ist eine brutale Verletzung
des kostbaren Geschenks des Lebens"
Irlands katholische Bischöfe

„Abtreibung ist eine brutale Verletzung des kostbaren Geschenks des Lebens“, heißt es weiter in der Erklärung der Bischöfe. Das Recht zu Leben sei nicht von Gesetz und Regierung gegeben worden. „Einem ungerechten Gesetz muss Widerstand geleistet werden, von jeder Person, jedem Wähler, jedem politischen Vertreter.“ Die Geistlichen zeigten sich zusätzlich besorgt über die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe, die als „Neudefinition“ der Ehe auf eine Ebene mit der Einheit aus Mann und Frau gestellt würde. Deutliche Kritik übte die Bischofskonferenz außerdem an den nordirischen Parteien, die diese Gesetze nicht verhindert hätten.

Die Verabschiedung des Northern Ireland Bill stand unter dem Zeichen der Regierungskrise in Nordirland. Die katholisch-gesamtirische Sinn Fein liegt im Streit mit der protestantisch-unionistischen Democratic Unionist Party (DUP). Das britische Unterhaus hatte im Juli ein Gesetzespaket vorgelegt, um den Reformstau im nördlichen Teil der irischen Insel aufzulösen. Dazu gehörte auch eine Klausel zur Liberalisierung von Abtreibungen und der gleichgeschlechtlichen Ehe. Ein Veto der nordirischen Versammlung hatte eine Angleichung an britische Standards verhindern können. Seit 2017 wird Nordirland geschäftsführend aus London verwaltet. Die irische Bischofskonferenz ist die offizielle Vertretung der Bischöfe der Republik Irland und des britischen Teilstaats Nordirland.

Einführung der Homo-"Ehe" bis Mitte Januar

Der Zeitplan sieht die Einführung der „Homo-Ehe“ bis Mitte Januar vor, die Schwangerschaftsregelung soll bis Ende März folgen. Die regionale Oberhoheit der nordirischen Versammlung hatte eine Liberalisierung der konservativen Abtreibungsgesetze bislang verhindert. In Nordirland gilt jetzt dieselbe Gesetzeslage wie in England, Wales und Schottland, demnach eine Abtreibung innerhalb der ersten 24 Wochen straffrei bleibt; eine weitere Klausel ermöglicht jedoch auch eine Abtreibung danach, sollte die Gesundheit der Mutter gefährdet sein oder wenn ein „substantielles Risiko“ besteht, dass das Kind mit „ernsthafte Behinderungen“ auf die Welt kommt.

Zuvor stand die Einleitung eines Abtreibungsvorganges unter Strafe, was in den letzten Jahren zu einem „Abtreibungstourismus“ in die anderen Teile des Vereinigten Königreiches geführt hatte. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International begrüßte die Änderung und nannte die Abschaffung der „unterdrückenden Gesetze“ einen historischen Moment.

DT/mga