Künstliche Intelligenz ist überall: Sie schreibt Texte, sortiert Bewerbungen, diagnostiziert Krankheiten und vereinfacht die öffentliche Verwaltung. Vieles davon ist faszinierend, manches ausgesprochen nützlich. Doch je leistungsfähiger KI wird, desto dringlicher stellt sich die Frage: Wer trägt die Verantwortung, wenn eine Maschine Entscheidungen beeinflusst oder gar selbst trifft?
Papst Leo XIV. hat in seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“ zu den Chancen und Gefahren von KI ausgewogen Stellung genommen; nun verschärft sich sein Ton in einer kürzlich gehaltenen Ansprache vor Verwaltungsfachleuten. Insbesondere warnt er davor, Entscheidungen, die menschliches Leben betreffen, Maschinen zu überlassen. Eine Maschine kann rechnen, Wahrscheinlichkeiten ermitteln und Sozialkompetenz vortäuschen. Aber sie hat kein Gewissen und orientiert sich nicht an ethischen Prinzipien. Es mangelt ihr an Lebenserfahrung und Urteilskompetenz. Damit fehlen KI die Voraussetzungen, um Verantwortung zu übernehmen. Wenn ein Mensch es dem Algorithmus überlässt, wer einen Kredit oder eine Stelle bekommt, welche Behandlung ein Patient erhält oder welches Ziel militärisch bekämpft wird, dann entzieht er sich seiner persönlichen Verantwortung, die nicht zu delegieren ist. Eine intelligente Maschine kann den Menschen von immer mehr Arbeit entlasten, aber niemals sein Gewissen ersetzen oder Verantwortung übernehmen.
Die katholische Soziallehre benennt einen klaren Maßstab
Wo der Mensch Verantwortung abschiebt, entsteht Macht bei anderen. Je mehr Entscheidungen von KI-Systemen getroffen werden, desto größer wird die Macht jener, die diese Systeme entwickeln, betreiben und kontrollieren. Damit läuft der Mensch Gefahr, seine Entscheidungsmacht an systembeherrschende Technologieunternehmen abzugeben, die auch von staatlichen Behörden nur schwer zu kontrollieren sind. Angesichts dieses Kontrollproblems stellt Papst Leo XIV. das Wohl der Menschheitsfamilie in den Mittelpunkt seiner sozialethischen Überlegungen.
Dabei geht es ihm weder um Technikfeindlichkeit noch um eine Absage an die Marktwirtschaft. Im Gegenteil: Eine freie und soziale Marktwirtschaft lebt von Unternehmertum, Innovation und Wettbewerb. Aber Freiheit braucht Verantwortung. Märkte können vieles leisten, sie vermögen jedoch nicht darüber zu entscheiden, welche Technik dem Menschen dient. Das ist eine politische und vorrangig eine sozialethische Frage.
Die katholische Soziallehre benennt dafür einen klaren Maßstab: Der Mensch ist ein Ebenbild Gottes und darf nicht zum Sklaven von hoch entwickelten KI-Systemen werden. Die Würde des Menschen ist vor ökonomischen Interessen zu schützen, der technische Fortschritt so zu gestalten, dass der Mensch immer Mensch bleiben kann. Konkret bedarf es bei der Entwicklung und altersgerechten Nutzung von KI-Systemen eines strengen, demokratisch legitimierten Kontrollsystems, damit KI nicht zur letzten Erfindung der Menschheit wird.
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